Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 3/2026 70 W enn Thomas Wenger und Mike Wutta über die Anfangszeit ihres Kraftwerks vor 25 Jahren spre- chen, wird es bei den beiden Gründern der Trend Factory immer heiter. Als könnten sie es selbst kaum fassen, was sie sich damals mit viel Pioniergeist und noch mehr Wagemut getraut haben. Ihre Marketingagentur wuchs und das Duo fand: „Wir brauchen eine eigene Loca- tion, um nicht ständig auf Raumsuche gehen zu müssen und uns zu di‡erenzieren“, erzählt Wutta. Und dann war da eben das alte Kohlekraftwerk im Rottweiler Neckartal. Eine imposante Rui- ne mit damals noch 90 Meter hohen Schorn- steinen, aus deren Dach die Bäume wuchsen. Über das abbruchreife Gebäude der Rhodia Acetow GmbH hieß es um 1992 in deiner TV- Doku vom SWR: „Niemand hat bislang den Mut und die Fantasie besessen, diese Räume wie- derzubeleben. Das Gebäude steht unter Denk- malschutz, dennoch kann der Eigentümer zu einer Renovierung nicht gezwungen werden. Vermutlich würde es jeden ™nanziellen Rah- men sprengen.“ Betreten verboten, Lebensgefahr! „Am Zaun rund um das Kraftwerk stand: Betre- ten verboten, Lebensgefahr! Aber wir haben gesagt: Da gehen wir rein“, erinnert sich Wen- ger an den Tag Ende 1998. Die Trend Factory damals: eine Handvoll Mitarbeiter, ein paar hunderttausend D-Mark Umsatz. 2578 Events später (dieGründer haben mitge- zählt) sind es 28 Millionen Euro Jahresumsatz mit rund 50 Mitarbeitern. Kunden? Vor allem Unternehmen. Konzerne, Mittelständler, gro- ße Marken. Dazu Typen wie David Reger, von Neura Robotics, dessen Metzinger Start-up nach dem Event im Kraftwerk jetzt mit 1,4 Mil- liarden Euro bewertet wurde. Dazu passt, wenn Wenger sagt: „Wir glauben, dass Menschen Er- lebnisse brauchen, die sie wirklich berühren. Nicht Veranstaltungen, die sie abhaken, son- dern Momente, die nachwirken – lange nach- dem die Lichter ausgegangen sind.“ Mehr als 4000 Quadratmeter haben Wutta und Wenger für Kongresse, Partys und Events im B2B- wie B2C-Bereich wieder nutzbar ge- macht. Ohne Sponsoren. Step by Step. „Im ers- ten Jahr haben wir mit Freunden den Schutt herausgebracht und saßen im Winter im ein- zigen Raum mit halbwegs dichtem Dach auf Styroporplatten, weil es noch keine Heizung gab“, sagt Wenger. Der einzige Kredit, den die beiden je aufnahmen, war dann auch der für eine Heizanlage. Der Banker habe gesagt: „Ihr bekommt das Geld, aber bitte, ich will nicht das Kraftwerk als Sicherheit.“ Bei aller Liebe zu Events: Die Trend Factory be- wies immer auch architektonisch-ästhetisches Fingerspitzengefühl. Wichtig war dem Duo, die Fassade samt Freitreppe ihres Industrie-Denk- Die ganz große Bühne Thomas Wenger und Mike Wutta hielt man für verrückt, als sie ihre Pläne für das 100 Jahre alte Kraftwerk Rottweil vorstellten. 25 Jahre später zeigt sich: Es war wirklich eine Wahnsinnsidee… Events und Tagungen

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