Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 3/2026 57 men und eine hohe Qualität der Forschung: Wie sehr das zieht, weiß man auch bei der IHK Südlicher Oberrhein. Michael Lö¬er, der In- novations-Experte der IHK, sagt dazu: „Die Uni Freiburg, die Fraunhofer Institute, die Hoch- schule O•enburg und die Dualen Hochschu- len im Umland – all diese Einrichtungen liefern kontinuierlich Know-how, Talente und Ausgrün- dungen.“ Schon ein Software-Cluster? Gleich zwei Freiburger Unicorns sind also doch nicht nur Zufall – zumal die Gründer von Black Forest Labs mit der Region stark verbunden sind. „Bei Prior Labs ist der Standort klar mit den Investitionen der Universität Freiburg verbun- den, insbesondere mit Professor Frank Hutter und seiner international sichtbaren Expertise im Bereich automatisiertes maschinelles Ler- nen“, sagt Lö¬er. „Beide Beispiele zeigen: Er- folge entstehen dort, wo exzellente Personen sich langfristig wohlfühlen und in ein leistungs- fähiges Umfeld eingebettet sind.“ Prior Labs ist direkt aus der Universität Freiburg hervorgegangen. An der Alma Mater entwickel- te Gründer Frank Hutter mit seinem Team die technologischen Grundlagen, bevor der Schritt in die unternehmerische Praxis folgte. Für die Universität ein Paradebeispiel für funktionie- Fotos: Jigal Fichtner; IHK SO/MArkus Schwerer; Averbis Kornél Markó von Averbis schätzt an Freiburg, dass kurze Wege zu klini- schen Anwendern es seinem Unternehmen ermöglichen, Anwen- dungen praxisnah weiterzuentwickeln und in den Alltag zu bringen. renden Transfer. Das Unternehmen zeige, wie aus Forschung „bahnbrechende Innovationen und Erfolge entstehen“. Von einem Software-Cluster will IHK-Mann Lö¬er allerdings (noch) nicht sprechen: „In Freiburg entsteht ein Software-Ökosystem. Die Zahl der Unternehmen ist aber bereits beacht- lich.“ Statt eines reinen Software-Clusters sieht Lö¬er eine zeitgemäße Weiterentwicklung des regionalen Technologiepro¨ls: Software entstehe hier vor allem als Wegbereiter in An- wendungsfeldern wie Messtechnik, Maschi- nenbau, Medizintechnik, Energie und Umwelt. Nur logisch, dass inzwischen auch die Start-up- Szene im Breisgau überregional heraussticht: Im Next-Generation Report des Start-up-Ver- bands 2025 liegt Freiburg bundesweit in den Top Ten bei der Zahl der Neugründungen. Trei- ber auch hier: der Software-Sektor. Robuster als viele Industriestädte Freiburgs neue Rolle als Wirtschaftszentrum lässt sich auch mit Zahlen belegen: Während in anderen Städten die Gewerbesteuerein- nahmen eher nach unten schwanken, legt Freiburg ordentlich zu. Um gut 40 Prozent seit dem Corona-Jahr 2020 auf 265 Millionen Euro 2024. Für 2025 rechnet die Stadt mit 270 Mil- lionen Euro. Damit steht Freiburg um einiges Michael Löˆer, von der IHK sieht im Vergleich zu großen Tech-Standorten in Freiburg keine klassi- schen Skalenvorteile; die Stärken lägen eher in der Verzah- nung von KI und Soft- ware mit konkreten Anwendungsfeldern. Nähe zu Partnern „Freiburg ist für Averbis ein idealer Digi- tal-Health-Standort“, schwärmt Kornél Markó, einer von zwei Gründern von Aver- bis. Markó sagt: „Die enge Verzahnung von Universitätsmedizin, Forschung und IT-Un- ternehmen scha•t ein innovationsfreund- liches Umfeld. Für die Entwicklung unserer Produkte pro¨tieren wir besonders von der Nähe zu Kliniken und Forschungspartnern sowie von der hohen Lebensqualität Frei- burgs, die Fachkräfte anzieht.“ Averbis be- schäftigt aktuell rund 30 Mitarbeiter und zählt sich zu den spezialisierten Anbietern von KI-Software für das Gesundheitswe- sen. Zahlen nennt Markó nicht, aber das Unternehmen wachse kontinuierlich. Wichtige Vorreiter Ganz ähnlich ist es bei Mondas. Die Firma wurde 2018 aus dem Kontext des Fraunho- fer Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg gegründet. Das junge Unter- nehmen bietet Monitoring-Software für Energiesysteme und erwirtschaftet heute mit 25 Vollzeitstellen einen siebenstelligen Jahresumsatz. Für Vertriebsleiterin Miriam Helbig sind Vorreiter wie Lexware, Oxid oder Inxmail ebensowichtig für den Stand- ort: „Die starken Wurzeln sind sicher auch ein Grund dafür, dass Freiburg Software- Unternehmen positiv gegenübersteht und es hier genügend Entwickler gibt.“ Dynamisches Umfeld Die Haufe Group ist so ein Wegbereiter und tief verwurzelt in der Region. Seit über 70 Jahren ist Freiburg Hauptsitz des Fami- lienunternehmens, das heute ein führen- der Anbieter digitaler Unternehmens- und Arbeitsplatzlösungen mit den Kernmarken Haufe, Haufe Akademie und Lexware ist. Die Gruppe macht einen Umsatz von 562 Millionen Euro und beschäftigt 2700 Mit- arbeiter an zehn Standorten in Europa. „Die enge Verzahnung von Wissenschaft, Wirtschaft und einer aktiven Start-up-Sze- ne macht Freiburg zu einem dynamischen Umfeld, das gut zu uns als Unternehmen passt. Die Universitätsstadt bietet zudem einen starken Talentepool aus quali¨zier- ten Absolventen“, so eine Sprecherin. Digitale Stärke Software-Standort Freiburg Lieber Radel- statt Nadelstreifen: Immer öfter entscheiden sich Fachkräf- te, nach Freiburg zu ziehen, die sonst in San Francisco, Paris oder Zürich ansäs- sig wären, beobachtet Nikolai Sexauer von der Wirtschaftsförderung.

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