Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
F ührungspositionen bei Panasonic in Hamburg und Singapur, Chief Digital Of- cer bei Vaillant in Remscheid – Eckhard Kloth ist rumgekommen. Mit dem Chefposten bei Testo krönt der heute 60-Jährige nun sei- nen Karriereweg – und das Schwarzwälder Familienunternehmen braucht sich in dieser Reihe der namhaften Konzerne nicht zu ver- stecken. Auch wenn dem einen oder anderen der Hidden Champion aus Titisee-Neustadt nur durch das markante, zweiteilige Bauwerk mit den dynamisch schrägen Fassaden an der B31 ein Begri ist. Seit 2019 ist es die Hei- mat des Testo-Headquarters an der wichtigen West-Ost-Verbindung zwischen Breisach und Lindau. Auch eine Art Marketing… „Ein genialer Unternehmer“ Während andere Messtechnik-Hersteller durch neue Wettbewerber und sich verla- gernde Produktionen in Schie¨age geraten, geht’s beim Messtechnikspezialisten seit der Gründung 1957 stetig bergauf. 2025 kletterte der Konzernumsatz um 5,8 Prozent auf 493 Mil- lionen Euro. Ein „ganz solides“ Ergebnis, sagt Kloth, auch wenn man gern die 500-Millionen- Marke geknackt hätte. Aber dann eben dieses Jahr. 4000Menschen arbeiten aktuell für Testo, 1640 davon in Südbaden. Kloth sagt: Sein Vorgänger hat das Unterneh- men in den 27 Jahren seiner Führung groß ge- macht. „Ein genialer Unterneh- mer.“ Obwohl nicht anwesend, ist der langjährige CEO Burkart Knospe sehr präsent während des Gesprächs mit seinem Nachfolger im Konferenzraum im obersten Stock des Head- quarters – viel Glas, viel Licht, unten der rauschende Verkehr der B31, im Hin- tergrund das ruhige Grün des Schwarzwalds. Vor einem Jahr hat Kloth den Vorstandsvorsitz von Knospe übernommen. Da war er schon acht Jahre bei Testo, kannte das Unternehmen gut, war eingespielt. Insofern sei der Übergang gut vorbereitet gewesen und ruhig verlaufen. Eine normale Unternehmensnachfolge war es trotzdem nicht. Nach 55 Jahren steht mit Kloth jetzt erstmals jemand an der Spitze des Unternehmens, der nicht aus der Unternehmerfamilie Knospe stammt. Bei Testo selbst spricht man daher auch von Zeitenwende und einem „histori- schen Wandel“. Nicht gerade wenig Erwartungsdruck auf dem Neuen, oder? Eckhard Kloth blickt bei dieser Frage besonders prüfend durch seine Brillen- gläser. Nicht deswegen, sagt er dann. „Sondern weil man dieCEO-Nachfolge eines sehr erfolg- reichen Unternehmers antritt.“ Dieser bleibt weiterhin präsent im Unterneh- men. Rausgezogen hat sich Burkart Knospe nur aus dem operativen Tagesgeschäft, an der Unternehmensstrategie tüftelt er weiter: Mit dem Wechsel wurde auf Knospes Wunsch hin das Führungsmodell geändert, von klassisch dualistisch mit Vorstand und Aufsichtsrat zu monistisch mit einem Verwaltungsrat, in dem Leitung und Kontrollorgan verschmelzen. Der 64-Jährige ist jetzt Verwaltungsratsvorsit- zender, seine Kinder Mariella und Julian Knos- pe, beide Anfang 30, sind ebenfalls Teil des Ver- waltungsrats und werden so ans Unternehmen herangeführt. Der Austausch sei eng, aber mit dem nötigen Handlungsspielraum, sagt Kloth. Er habe nichts Radikales geplant, aber als ehe- maliger CDO bei Vaillant wolle er auch bei Testo die Digitalisierung noch stärker voranbringen. Klar, dass Testos Messgeräte inzwischen alle per Smart-App mit dem Internet verbunden sind. Mithilfe von KI kann Testo die so generier- ten Daten auswerten und Prozesse optimieren. Zum Beispiel, wann bei McDonald’s am e±zien- testen das Frittieröl gewechselt werden sollte – daher ist Testo weltweit einer der großen Zu- lieferer des Fastfood-Konzerns. Fünf Geschäftsfelder, 37 Töchter, 26 Länder Fünf Geschäftsfelder hat Testo inzwischen. „Wenn wir uns Testo als Company angucken, dann muss man verstehen, dass wir oder vor allem auch Burkart Knospe in den letzten Jah- ren sehr stark dierenziert haben. Das macht sicherlich eine unserer Stärken aus.“ Neben dem aktuell noch größten Legacy-Geschäft mit handgeführten Messwerkzeugen gibt es Wirtschaft im Südwesten 3/2026 27 Versteht sein Geschäft: Eckhard Kloth ist seit 2018 bei Testo, war zuvor CDO bei Vaillant und davor zehn Jahre in verschiedenen Füh- rungspositionen beim japanischen Elektroriesen Panasonic. Testo-CEO Eckhard Kloth über die Erwartungen an ihn „Den Aufwärtstrend immer weiter fortsetzen – das ist auch eine Herausforderung.“
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