Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Die Maschinen stehen still: Nach 182 Jahren gingen im Sägewerk Bühler in Freiamt die Lichter aus – und das, obwohl die Auftragsbücher voll waren und der Traditionsbetrieb schwarze Zahlen schrieb. Wirtschaft im Südwesten 3/2026 22 setzung ist ein hohes Niveau an Prävention und Risikomanagement. Dies müssen die einzelnen Betriebe durch ein Zertiƒkat aktiv nachweisen und unabhängig überprüfen lassen. „Unter- nehmen, die keine Sprinkleranlage installieren oder wirtschaftlich nicht stemmen können, sollen dabei verp’ichtend in moderne Brand- vermeidungstechnologien investieren, insbe- sondere in Kameraüberwachung und Senso- riksysteme.“ „Deckungsnotstand“ sagen die Makler Was die Säge- und Holzindustrie derzeit erlebt, ist kein isoliertes Problem, sondern Teil einer breiteren Entwicklung im Versicherungsmarkt. Das ist einer aktuellen Studie des Bundesver- bands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) mit Sitz in Hamburg zu entneh- men, auf die der geschäftsfüh- rende Vorstand Bernhard Gause auf Anfrage der Wirtschaft im Südwesten kurzerhand verweist. Für diese Untersuchung wur- den im Frühjahr 2025 rund 130 Maklerunternehmen befragt, zu deren Tagesgeschäft gewerbliche und indus- trielle Risiken gehören. Die Ergebnisse zeigen: Gerade bei zentralen Sachrisiken wie Feuer, Explosion, Blitzschlag oder Leitungswasser ziehen sich Versicherer zunehmend zurück. 80 Prozent der befragten Makler sprechen da- bei von einem Deckungsnotstand. Holzverarbeitung, Metall, Recycling oder Gal- vanik gelten zunehmend als No-Go-Risiken. Für Unternehmen hat das konkrete Folgen: 90 Prozent der Makler berichten von deutlich gestiegenen Prämien und Selbstbeteiligun- gen, mehr als die Hälfte von Unterversicherung. Gleichzeitig wird Versicherungsschutz selbst zum Investitionshemmnis – weil Banken ihn oft als Voraussetzung für Kredite verlangen. Der paradoxeste E¦ekt: Unternehmen wären bereit, in Prävention zu investieren, um versicherbar zu bleiben. Doch ohne Versicherung bekommen sie oft keine Finanzierung für genau dieseMaß- nahmen. Die Konsequenzen reichen weit über einzelne Betriebe hinaus. So nennt die Studie Standortverlagerungen, Investitionsrückgänge und sogar Deindustrialisierung als mögliche Folgen. Selbstbehalt: von 500 auf 500000 Euro Wie die Holz- und Sägeindustrie setzen auch die Galvaniseure auf Prävention: bauliche Brandabschnitte, KI-gestützteÜberwachungs- systeme, dezentrale Löschanlagen. „Wir ver- suchen, gemeinsam mit Versicherern Lösun- gen zu entwickeln“, sagt Christoph Matheis, der Hauptgeschäftsführer des zuständigen Zentralverbands Ober’ächentechnik mit Sitz im nordrhein-westfälischen Hilden (245 Mit- gliedsunternehmen mit rund 19000 Beschäf- tigten und in der Summe gut zwei Milliarden Euro Umsatz). Wie wichtig das ist, zeigen die Zahlen: 70 bis 80 Brände würden sich in der Branche pro Jahr ereignen, darunter zehn bis 15 Großschäden mit Schadenssummen von oft mehr als 500000 Euro. „Die Deckung des Brandrisikos wird aufgrund dieser hohen Brandzahlen kostspielig und zunehmend schwierig bis unmöglich“, sagt Matheis. Kon- kret bedeutet das: eine Erhöhung der Jah- Klaus M., Inhaber eines Beschichtungsunternehmens „Die neuen Policen kosten das Dreifache – und eine halbe Million Euro Selbstbehalt.“ Fotos: Benedikt Sommer (2); Susanne Haberland/Fotograƒe Weiland; Adobestock.com/bogdanvija

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5