Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 - Hochrhein-Bodensee
Fotos: Camper Jarvis; IHK Hochrhein-Bodensee Wirtschaft im Südwesten 3/2026 47 ren auf Innovation setzte, hatte damals wie heu- te viel mit dem Hochschulstandort zu tun. Aus dem Konstanzer Technologiezentrum ist 2021 die Farm geworden. Der Namenswechsel markiert mehr als ein Rebranding. Er steht für einen inhaltlichen Wandel. „Technologie vor 40 Jahren ist nicht mehr das, was sie heute ist“, sagt Groll. Im Laufe der Jahre habe man sich immer mehr geönet, um ein möglichst breites Spektrum an Gründungsideen zu unterstützen: wissensnahe Dienstleistungen, Innovationen und neue Geschäftsmodelle aus allen Berei- chen. Dabei wurde auch klar: Es braucht neue, zeitgemäße Räume und Strukturen. Sichtba- res Zeichen der Neuausrichtung: der Umzug auf das frühere Siemens-Gelände. Seitdem ist das Gründungszentrum vollständig ein Teil der Stadtverwaltung – keine ausgelagerte GmbH, sondern kommunale Struktur und Ausdruck eines klaren politischen Willens: Gründung als Standortfaktor ernst zu nehmen. Günstiger Raum, kurzeWege Heute umfasst die Farm 72 Büro- und Werk- statträume, knapp 3500 Quadratmeter auf dreieinhalb Etagen. Mehr als 50 Start-ups, Selbstständige und junge Unternehmen arbeiten hier – manche ganz am Anfang, an- dere schon mit mehreren Mit- arbeitern. Die Bürogrößen sind überschaubar, meist zwischen 25 und 30 Quadratmetern. Oft kommen dieGründer mit wenig mehr als ihrem Laptop in die Farm. „Viele kommen direkt aus demWohnzim- mer oder der Garage. Hauptsache, das Internet funktioniert“, sagt Groll. Für eine monatliche Nettokaltmiete von 10,50 Euro pro Quadrat- meter (bezuschusst von der Stadt Konstanz bei 6,50 Euro), nden Gründer hier ihr erstes eige- nes Büro. Rund um die Uhr zugänglich. Küche, Meetingräume und Gemeinschafts®ächen in- klusive, die analog zurWildenWiese Namen wie Heuboden, Bergterrasse oder Gründungszim- mer tragen. DieMietdauer ist bewusst begrenzt. Maximal fünf Jahre dürfen Unternehmen blei- ben, gekoppelt an EU-Förderrichtlinien. Das sorgt für Fluktuation – und für immer neues Leben im Haus. Wer wächst, zieht weiter. Wer neu gründet, rückt nach. Die meisten Start-ups bleiben drei oder vier Jahre. „Nach fünf Jahren sollten die Unternehmen so weit sein, dass sie Marktpreise für Mieten zahlen können“, sagt Groll. Und tatsächlich: Viele erfolgreiche Kon- stanzer Unternehmen haben hier ihre ersten Schritte gemacht – darunter Softwarepioniere wie Combit, der aus Drogerie- und Supermärk- ten bekannte Bambus-Produkte-Hersteller Pandoo oder der Drohnenspezialist Unisphere. Inhaltlich liegt ein klarer Fokus auf technologie- und wissensorientierten Geschäftsmodellen. IT, Software, KI – sie machen den größten Teil der Mieterschaft aus. Gleichzeitig bleibt die Farm bewusst branchenoen. So nden sich hier auch Food-Start-ups, Nachhaltigkeits- ideen oder Mobilitätslösungen. „Innovation kann auch ein koeinfreier Espresso aus Rooi- bos sein“, sagt Groll mit Blick auf Rooibino, eines der jüngeren und sicher exotischeren Unternehmen im Haus. Diese Vielfalt sei bele- bend – für Gespräche, für neue Perspektiven, für unerwartete Kooperationen. Netzwerk und Nachwuchs Mindestens genausowichtig wie Räume ist das, was zwischen ihnen passiert. Die Farm versteht sich als zentrale Anlaufstelle für alle, die grün- den. In der Erstberatung gibt es Orientierung: Was brauche ich? Wer kann mir helfen? Wohin passe ich im System? Das Farm-Team verweist gezielt weiter – an die IHK Hochrhein-Boden- see und deren spezialisierten Berater, an die Handwerkskammer, an Hochschulen, Steinbeis, Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Förderban- ken. „Wir weisen niemanden ab“, betont Groll. Gerade für internationale Gründer ist diese Lotsenfunktion wichtig, um sich im deutschen Regelwerk zurechtzu nden. Der Camper aus der Farm Enrico Tank hat seine Firma Camper Jarvis im Gründungszentrum Farm ins Rollen gebracht – mit Camper Jarvis macht der Ingenieur nun seit April Campern ihr Van-Life smarter und leichter. Felix Keller ist Referent für Existenzgründung und Unternehmens- förderung bei der IHK Hochrhein-Bodensee und dadurch Mitglied des Gründungs- netzwerks Farm. Christina Groll über die Farm als Netzwerk mit Lotsenfunktion „Die Farm versteht sich als zentrale Anlaufstelle für alle, die gründen und Fragen haben.“
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