Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 - Hochrhein-Bodensee
Die Kosten der Sprinkleranlagen Für kleinere und mittlere Betriebe sind diese In- vestitionen jedoch oft nicht zu stemmen. König kennt die Kosten: „In der Regel mindestens eine Million Euro, häug deutlich mehr“, hinzu kom- men Produktionsausfälle, Umbauten und War- tung. Technologisch gäbe es Alternativen: ka- mera- und sensorgestützte Frühwarnsysteme. „Diese Systeme sind deutlich kostengünstiger als ächendeckende Sprinkleranlagen“, weiß König. Allerdings akzeptiere die Versicherungs- wirtschaft diese Technologien derzeit meist noch nicht als gleichwertigen Ersatz. E s ist einer dieser Fälle, die eigentlich nicht passieren dürften: Ein gesunder Betrieb. Tief verwurzelt in der Region. Schwarze Zahlen, volle Auftragsbücher – und trotzdem das Aus. In Freiamt endete zum Jah- reswechsel nach 182 Jahren eine Unterneh- mensgeschichte. Und das nur, weil sich kein Versicherer mehr fand. Roland Kern, Besitzer des Sägewerks Bühler, hatte zwei Jahre lang gesucht, Angebote für eine Brandversicherung geprüft, sogar imAus- land angefragt. Deren Bedingung aber: eine Sprinkleranlage. Kosten dafür: rund 950000 Euro. Für seinen kleinen Betrieb mit zehn fest- angestellten Mitarbeitern wirtschaftlich nicht darstellbar. Die Entscheidung aufzugeben, el Kern natürlich schwer. Eine andere Option sah er am Ende aber nicht. Und so scheiterte eine Sägerei, die Kriege, Krisen und Hochwasser überstanden hatte, an einer fehlenden De- ckung der Brandschutzversicherung. Jeder vierte Betrieb nicht mehr versichert Ein tragischer Einzelfall? Mitnichten. Vielmehr längst ein strukturelles Problem. „Die Feuerver- sicherung ist inzwischen ein existenzielles The- ma“, sagt Johannes König vom Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie (350 Mitgliedsunternehmen, 30500 Beschäftige und ein Jahresumsatz von zusammen mehr als 16 Milliarden Euro). Die Gemengelage dazu ist komplex: brennbare Rohsto¦e, Staub und Strom, technische Anlagen, hohe Wieder- bescha¦ungskosten und der Rückzug vieler Versicherer aus diesem Segment. Die Zahlen sind alarmierend. Laut einer Verbandsumfrage sind aktuell rund 28 Prozent aller Betriebe der Säge- und Holzindustrie gar nicht versichert. Gleichzeitig hat sich die Unterversicherungs- quote innerhalb weniger Jahre nahezu ver- doppelt – von 15,5 auf 30 Prozent. Vor allem die Anforderungen an den Brand- schutz treiben die Entwicklung. Versicherer verlangen zunehmend den Einbau von Sprink- leranlagen als Voraussetzung für umfassenden Schutz. Inzwischen geraten nicht mehr nur kleine und mittelständische Unternehmen unter Druck. „Die steigenden Prämien, hohen Selbstbehal- te und zusätzlichen Investitionsanforderungen tre¦en zunehmend die gesamte Säge- und Holzindustriebranche. Viele Unternehmen be- richten von stark eingeschränktem Versiche- rungsschutz oder von Schwierig- keiten, überhaupt noch Policen zu erhalten“, berichtet König. Virtuelle Captives als Lösung? Deshalb arbeite der Verband mit Nachdruck an neuen Lösungs- ansätzen. Gemeinsam mit Unter- nehmen und Versicherungspartnern wird der- zeit das Modell eines sogenannten virtuellen Captives entwickelt. Dabei schließen sich mehrere Unternehmen zusammen und tragen Schäden bis zu einer Größenordnung von etwa zehn Millionen Euro gemeinschaftlich. Voraus- Fotos: Adobestock.com/Владислав Легір; Benedikt Sommer Wirtschaft im Südwesten 3/2026 21 Johannes König, Deutsche Säge- und Holzindustrie „Die steigenden Prämien und die geforderten Investitionen treen die ganze Branche.“ Am Ende hat er aufgegeben: Roland Kern fand für sein Sägewerk in Freiamt keinen neuen Versicherer. Die verlangte Sprinkleranlage für 950000 Euro konnte er sich nicht leisten.
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