Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 02/26 -Südlicher Oberrhein
Wirtschaft im Südwesten 2/2026 50 D eutschlands beste Hochzeitsplanerin* kommt aus Achern, heißt Susanne Heyl und ist mit 31 Jahren nun auch offiziell die Königin in einer Branche, die im Luxusseg- ment allen Krisen trotzt. Auf 6,5 Milliarden Euro summiert sich der deutsche Hochzeitsmarkt, weltweit sind es 200 Milliarden, die mit Loca- tion und Catering, Brautmode und Anzügen, Schmuck und Deko umgesetzt werden. Und wenn die Prognosen von Zion Market Research eintreffen, übersteigt der Umsatz ab 2030 die Marke von 500 Milliarden Euro. Momente für die Ewigkeit Susanne Heyl ist etwas anderes wichtiger: „Ich möchte Momente erschaffen, die ein Leben lang nachklingen.“ Daher organisiert sie seit 2016 für ihre Paare echte Traumhochzeiten: am Comer See, auf Mallorca, in der Provence oder in den Alpen. Diskret, souverän, fürs Braut- paar vollkommen stressfrei. „Mir geht es darum, meinen Kunden ein Gefühl von Leichtigkeit zu schenken. Sie sollen Gast auf ihrer eigenen Hochzeit sein und den Tag in dem Wissen ge- nießen, dass für sie an alles gedacht wurde.“ Was klein und als eine Art Nebenjob angefan- gen hat, ist inzwischen ein richtiges Business. Denn Susanne Heyl dirigiert nicht erst am Tag X gut ein Dutzend Gewerke. Je nach Hochzeit sind bis zu 150 Menschen tätig: Das Catering- Team, Floristen, Friseure und Make-up-Artists, zwei Mann für die Fotografie, zwei für die Vi- deos, ein Drohnen-Team, die Content Creator, die Experten für die Papeterie, die Live-Musi- ker, der DJ und natürlich der Trauredner: Nichts wird dem Zufall überlassen. Sie kuratiert ihr Netzwerk, hat für jeden Beteiligten ein Back-up und ist im Zweifel auch pingelig: Was hat der Fotograf an? Welche Dienstleister passen zum Brautpaar? Gibt es auch ja keine lange Nudeln mit roter Soße am Buffet? „Die Auswahl und Koordinierung der Dienstleister würde wahr- scheinlich jedes Brautpaar überfordern“, sagt Heyl, die manchmal auch gebraucht wird, um Ideen der Schwiegermütter abzuwehren… Zwölf Hochzeiten im Jahr mit rund 1,2 Millionen Euro Projektvolumen betreut Susanne Heyl ak- tuell. Ihr Honorar dabei: pauschale 15 Prozent. Zwar spürt auch sie, dass der Markt sensibler geworden ist und 2025 kein Rekordjahr war – aber gespart wird anders als man denken würde. „Viele haben ihre Pläne einfach um ein Jahr geschoben und sparen länger auf ihren Traum. Gerade im Luxussegment wird es aktu- ell eher noch exklusiver als bisher.“ Besonders im Trend: Destination Weddings. Freitags mit der Familie und den Freunden anreisen, am Samstag heiraten, am Sonntag Poolparty oder königlich brunchen. Mit 100 Gästen ist man so aber auch schnell bei 300000 Euro. „Es wird eher noch exklusiver“ Die Saison dafür: Juni bis Dezember. Im Mai ist es zu unbeständig, nach Weihnachten ist Pau- se – davor locken die Berge mit den immer an- gesagteren Winterhochzeiten. Schnee, Berge, Chalet oder Hütte, ein bisschen X-Mas-Feeling – sehr romantisch, sehr instagrammable. „Das Thema boomt“, sagt auch Susanne Heyl. „Aber die Lieblingsmonate der meisten Paare bleiben September und Oktober.“ Wenn Susanne Heyl nicht gerade Hochzeiten plant (aktuell die ersten für 2027), coacht sie Kolleginnen. „Es gibt immer mehr Hochzeits- planer mit viel Herzblut und Leiden- schaft in der Branche, aber nicht alle verfügen über einen professionellen Background“, sagt Heyl, die an der International University in Bad Honnef Hotelmanagement studiert hat und einige Jahre im Ausland war: Indien, Malaysia – die Eltern waren beim Daim- ler, der Papa hat auch so seine Fähigkei- ten als Manager und Organisator. Aber ist Hochzeitsplaner ein Vollzeit-Job? Jein. Bei Susanne Heyl läuft es darauf hinaus, aber auch sie tanzt (noch) auf mehreren Hochzeiten. Nach einigen Jahren als Assistentin der Ge- schäftsleitung im Europa-Park und als Projekt- leiterin imVeranstaltungsmanagement baut sie das Eventgeschäft bei den Castlewood Hotels auf, der Privathotel-Kollektion von Ex-Kempins- ki-CEOMartin Smura und seiner Frau. Bleibt noch eine Frage: Wie steht es um die ganz eigene Traumhochzeit? „Da habe ich schon was im Kopf“, sagt Susanne und lächelt: „Ich würde gern mal eine indische Hochzeit or- ganisieren, so mit 1000 Gästen und eine ganze Woche lang. Mal sehen, ob dieser Traum noch in Erfüllung geht…“ Ulf Tietge Die Kunst des Ja-Sagens Susanne Heyl organisiert Traumhochzeiten an den schönsten Locations Europas – und startet damit in einer Branche durch, die vor allem im Luxussegment weiter boomt. Susanne Heyl Susanne Heyl Wedding & Events Gründer: Susanne Heyl Ort: Achern Gründung: 2016 im Nebenerwerb Branche: Hochzeitsplanung Webseite: www.susanneheyl.com Foto: privat * Wedding Award Germany
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