Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 02/26 -Südlicher Oberrhein

Was Azubis wollen Fast jeder dritte Azubis bricht wieder ab – doch je nach Betrieb, Branche, Region sind die Unterschiede riesig. Wie also bringen gute Betriebe ihre Anforderungen und die Erwartungen der Gen Z in Einklang? Generation Z im Betrieb I n den Tag starten alle gemeinsam. Das Ta- gesziel wird grob festgelegt, dann machen sich die Azubis von Christoph Koch an ihre Aufgaben. Der Ausbilder begleitet sie, gibt Feedback. Insgesamt etwa 150 Auszubildende und Studenten beschäftigt Endress + Hauser in Maulburg. Zukünftige Mechatroniker, Elek- troniker, Fachinformatiker, Industriekaufleute, Technische Produktdesigner. Der 42-jährige Industriemeister Mechatronik sagt, die Ausbil- dungsabbruchquote sei „sehr gering“ und seit Jahren stabil – beim Schweizer Messtechnik- spezialisten macht man offenbar vieles richtig. Denn deutschlandweit enden fast 30 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig - oft zuguns- ten eines Wechsels. Zwar stehen die Bezirke der IHKs Südlicher Oberrhein, Schwarzwald-Baar- Heuberg und Hochrhein-Bodensee bei der Auflösungsquote deutlich besser da, bei zehn Prozent oder weniger – doch man will sie mög- lichst ganz verhindern. Nicht nur der negativen Erfahrung wegen, schließlich startet ein Ausbil- dungsverhältnis oft mit der beiderseitigen Hoff- nung auf eine langfristige Anstellung – so ein Abbruch kostet auch Geld. Die Unternehmen investieren in ihren Nachwuchs, umdem Fach- kräftemangel zu begegnen, so Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein. Klappt das nicht, geht Zeit und damit Geld verloren. Oft im gegenseitigen Einvernehmen Schaut man sich die Abbrüche dort genauer an, fällt auf: Die meisten Ausbildungen enden in der Probezeit. „Oft weil die Vorstellungen vom Beruf oder Ausbildungsbetrieb nicht erfüllt werden. Das heißt, die meisten Auflösungen finden auch im gegenseitigen Einvernehmen statt“, sagt Kaiser. Ist das nicht der Fall, kündi- gen allerdings mehr Auszubildende ihren Ver- trag von sich aus, als umgekehrt. Die Jugend- lichen entscheiden sich offenbar schneller um als früher. Woran liegt’s? Erwartet die Genera- tion Z mehr? Oder Anderes? Ausbilder Koch winkt ab. Die Erwartungen würden sich immer wieder ändern, so wie sich das Umfeld und die Gesellschaft verändern. „Was ich wahrnehme, ist, dass jungeMenschen Verantwortung gerne annehmen und sehr bewusst damit umgehen.“ Allerdings sind die Berufs-Auswahlmöglich- keiten riesig – was die Entscheidungsfindung erschwert. Kaiser zufolge kann die Gen Z, also die etwa zwischen 1995 und 2010 Geborenen, zwischen rund 350 dualen Ausbildungsmög- lichkeiten und 21000 Studiengängen wählen. Gleichzeitig prägten Krisen, wirtschaftlicheUn- sicherheit und psychischer Druck die Lebens- Foto: Endress + Hauser Nah dran an jedem Einzelnen: Bei Endress + Hauser sind die Ausbildungsabbruchquoten gering und seit Jahren stabil.

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