Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 02/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Zurück in die Krise Donald Trumps Golfkrieg und die Folgen für die Wirtschaft: Während Verbraucher sparen und Unternehmer Investitionen aufschieben, schlägt Volkswirt Lars Feld vor, die Krise als Chance zu nutzen und endlich die Stromsteuer zu senken. Für alle. Und für immer… Die Folgen des Iran-Konflikts Wirtschaft im Südwesten 2/2026 21 L uftschläge, Drohnenkrieg und eine blo- ckierte Meerenge – Donald Trumps An- griff auf den Iran trifft auch dieWirtschaft im Südwesten mit Wucht: Die Mehrheit der Unternehmen im Südwesten berichtet schon jetzt von spürbaren Folgen. Das zeigt eine IHK- Umfrage unter 400 Unternehmen. Demnach sehen sich 85 Prozent der befragten Betriebe im Land durch den Konflikt beeinträchtigt. Der ausgebremste Aufschwung Das hat voraussichtlich Folgen für die Kon- junktur, sagt Katrin Klodt-Bußmann, Hauptge- schäftsführerin der IHK Hochrhein-Bodensee: „Verunsicherung ist nie hilfreich für die Kon- junktur. Denn Unsicherheit führt zu Zurück- haltung bei Investitionen und Konsum, somit auch zu einem Rückgang der Nachfrage.“ Die „vorsichtige Zuversicht der Wirtschaft“, die vor dem Iran-Konflikt noch erkennbar war, habe sich „wieder erheblich getrübt“, seit Lieferket- ten und Teile des Exportgeschäfts spürbar in Gefahr seien. Mit Blick auf eine Delegationsrei- se von Unternehmen aus dem Kammergebiet und Baden-Württemberg nach Saudi-Arabien im Februar sagt Klodt-Bußmann: „Aufgrund der Absatzprobleme in den USA und China hatten sich Unternehmen um neue Absatzmärkte be- müht, gerade auch im Nahen Osten. Was sich dabei anbahnte, wird nun wieder ausgebremst.“ Zurück in die Krise – das diagnostiziert auch der Freiburger Volkswirt Lars P. Feld, über Jahre als Chef der Wirtschaftsweisen Berater der Bun- desregierung: „Das Bruttoinlandsprodukt sinkt um 0,1 Prozentpunkte, wenn der Ölpreis um 10 Dollar je Barrel der Sorte Brent steigt.“ Hinzu kommen Effekte aufgrund der Düngemittel- knappheit und aufgrund unterbrochener Lie- ferketten.“ DieGemeinschaftsdiagnoseder gro- ßen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute habe deswegen die Wachstumsaussichten um gut die Hälfte auf 0,6 Prozent in diesem Jahr re- duziert, die Bundesregierung liegt bei 0,5 Pro- zent und damit noch niedriger. Diese teilen sich auf in 0,3 Prozentpunkte Kalendereffekt (weil Feiertage auf Wochenenden fallen) und auf den reinen Effekt staatlicher Mehrausga- ben, weil ein Euro höhere Staatsausgaben als ein Euro höheres BIP in der Statistik auftaucht. Hinzu kommen psychologische Effekte. Feld: „Das Konsumklima wird sich angesichts höhe- rer Inflation weiter abkühlen, die Verbraucher werden versuchen, weniger zu konsumieren.“ „Industrielle Kerne besonders betroffen“ Ähnlich ernüchternd beurteilt die Freiburger Kammer die Situation: „Die industriellen Kerne unserer Region sind besonders betroffen – also Maschinenbau, Automobilzulieferer und Chemie“, sagt Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon. „Diese Unternehmen sind stark inter- national vernetzt. Wenn globale Lieferketten ins Stocken geraten oder sich verteuern, spüren sie das unmittelbar.“ Sorgen machen den Un- ternehmen am Oberrhein nicht in erster Linie die Energiepreise, sondern vor allem steigende Transportkosten, längere Wege im Welthandel und wachsende Unsicherheit. Salomon: „Für unsere exportorientierten Unternehmen heißt das: mehr Aufwand, mehr Risiken und weniger Planbarkeit im Tagesgeschäft.“ Laut BWIHK-Umfrage bauen 34 Prozent der Industrieunternehmen vorsorglich ihre Lager- bestände aus, 63 Prozent intensivieren ihr Ri- sikomanagement. Zugleich stellen 35 Prozent Projekte oder Investitionen zurück. „Die Unter- Foto: Adobestock.com/Mariusz
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