Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 02/26 - Hochrhein-Bodensee

W olfgang Teubert hat allen Grund zum Strahlen. Der Mann hat aus der Tüftler-Werkstatt vom Vater einen international renommierten Sonderma- schinenbauer gemacht und eine weltweit be- achtete Füge-Technologie entwickelt, mit der man verschiedeneWerkstoffe ohne Kleber ver- binden kann. Was auch immer an Krisen kam: Er hat sie alle überstanden und ist jetzt mit 63 nicht nur glücklicher Vater, sondern auch stol- zer Opa. Eine große Messe noch, dann darf er zurücktreten und dabei zusehen, wie seine drei Kinder gemeinsam das Familienunternehmen übernehmen: Tamara, Philip und Patrick. „Ich hätte mir noch vor ein paar Jahren nie vor- stellen können, irgendwann wieder in Blum- berg zu sein“, sagt Tamara Teubert-Braun und schmunzelt. Denn Blumberg, dieser letzte Zip- fel Badens, ist schon ein kleiner Ort und auch wenn es hier ein bisschen aussieht wie im Ruhrgebiet: Als ehemalige Bergarbeiterstadt ist Blumberg schon sehr ländlich geprägt. Die große, weite Welt: Die ist ganz woanders. Doch nach ein paar Jahren in der Ellenbogen-Kultur großer Konzerne war Tamara 2018 die erste, die nach Stationen in München und der Schweiz wieder in die alte Heimat zurückkehrte. Blum- berg statt Boston, Maschinenbau statt Pharma – auch, weil sie beim Skifahren mit der alten Cli- que jemanden kennenlernte, dann mit diesem Blumberger eine Familie gründete und direkt neben dem Firmengelände ein Haus baute. In- zwischen sind es zwei Kinder. Der Große wird vier. Er kann Besuchern schon erklären, was da in der Halle steht und ob eine Maschine nun EPP verarbeitet, um damit Fahrradhelme oder Sonnenblenden zu schäumen – oder für faser- verstärkte Kunststoffe im CCM-Verfahren ge- dacht ist, mit denen man Produkte für die Luft- fahrt herstellt. „Im Betrieb aufgewachsen“ „Meine Kinder sind im Betrieb mit aufgewach- sen“, erzählt Tamara Teubert-Braun, die sich zu- nächst um Marketing und HR gekümmert hat, inzwischen aber die strategische Geschäfts- leitung im Familienunternehmen verantwortet. Das Wort Familienunternehmen interpretiert sie dabei sehr pflichtbewusst und hat eben nicht zwei Jahre Elternzeit in Anspruch genom- men, sondern bis zwei Wochen vor der Geburt gearbeitet um dann eine Woche danach wie- der durchzustarten – auch wenn das gesell- schaftlich fast schon verpönt sei… „Jeden Tag nur daheim, das wär’ nichts für mich“, sagt Tamara Teubert, die nicht nur die Kita-Zeiten ihrer Kinder nutzt, sondern auch abends noch mal an den Rechner geht, wenn Maia und Mattia im Bett sind. Immer die ersten aus der Krise Das aber lohnt sich. Als die benachbarte Stahl- baufirma Feederle unlängst ans Aufhören dachte – da waren Tochter und Papa zur Stelle und kauften das Areal samt Werkhalle. Damit haben sich die Teuberts auf 24000 Quadrat- meter verdoppelt und der Branche eine Bot- schaft übermittelt: Wir haben Bock auf Zukunft! Wir glauben an uns! „Natürlich spüren auch wir konjunkturelle Schwankungen“, sagt Wolfgang Teubert. „Aber wir sind immer die gewesen, die als Erste eine Krise überwunden haben.“ Damit ist Teubert inzwischen so ziemlich das letzte unabhängige Familienunternehmen in einer technologische Nische, in der ansonsten ent- weder Konzerne am Start sind – oder niemand mehr. Etwa im Wochentakt gehen bei Teubert die Maschinen vom Hof. Mal sind die Anlagen nur so groß wie eine Telefonzelle, mal sind es ganze Fertigungsstraßen. 70 Prozent der Maschinen werden exportiert und wenn es weiter so gut läuft wie im ersten Quartal, dann knacken die Teuberts in diesem Jahr auch die 20-Millionen- Euro-Umsatzgrenze. 20 Millionen – darauf kann man aufbauen. Und so sind Tamaras Brüder seit 2025 an Bord: Wirt- schafts-Ingenieur Philip teilt sich mit Teubert- Veteran Thomas Volz die technische Leitung, während Betriebswirt Patrick, 29, als Bereichs- leiter Vertrieb in Papas Fußstapfen tritt. Vierter im Bunde: Cousin Yannick, der keine Ambitio- Die dritte Generation Patrick, Tamara, Yannick und Philip Teubert in der Blumberger Produktionshalle. Hier entstehen Maschinen für die EPP- Verarbeitung und für CCM-Kunststoffe Wirtschaft im Südwesten 2/2026 67

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