Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 02/26 - Hochrhein-Bodensee

Wirtschaft im Südwesten 2/2026 12 kann man spezielleChatbots so trainieren, dass die jungen Leute einen eigenen Ansprech- partner haben. So haben sie beim Lernen von Prozessen, Abläufen und Methoden jemanden, den sie fragen können. Kritiker sind der Meinung, unser Bildungs- system mit Lernformen wie Auswendigler- nen, Üben und Wiederholen ist nicht mehr zeitgemäß; andere meinen, es brauche erst eine Basis an Wissen, um KI gezielt einset- zen zu können: Was denken Sie? Ich bin ein großer Kritiker des deutschen Schul- systems. Aber es ist was dran, dass man Basis- kompetenzen braucht und einen gewissen Wissensschatz. Das muss nicht auf Auswendig- lernen basieren, am sinnvollsten ist Lernen, wenn es direkt in etwas Eigenes übertragen werden kann. Und man muss sich fragen, ob stupides Auswendiglernen noch sinnvoll ist in einer Zeit, in der es darum geht mit Informa- tionsfülle umzugehen. Welche Rolle verändern sich für Lehrkräfte und Ausbilder durch KI? Das ist stark von der Thematik abhängig. Wenn ich nur klassischen Unterricht mache und ein- mal KI einsetze, ändert sich gar nichts. Wenn ich aber in Deutsch mit Feedback-KI arbeite, die Schülern auf hohem Niveau Rückmeldung gibt, woraufhin die ihre Texte überarbeiten, än- dert sich die Rolle, weil man plötzlich Prozess- Gerade in der beruflichen Bildung spielt praktisches Können eine große Rolle. Wie kann KI Auszubildende beim Lernen im Betrieb unterstützen? Etwa mit adaptiven Tutorsystemen, zum Bei- spiel fürs Verstehen betrieblicher Abläufe. Da begleiter wird. So ist eine Rundumbetreuung möglich, die ohne KI extrem aufwendig wäre. Wie sollte die Schule des 21. Jahrhunderts Ihrer Meinung nach aussehen? Das ist eine riesengroße Frage, zu der ich zwei Bücher geschrieben habe. Ich bin überzeugt: Schule sollte sehr schülernah sein, so dass es mehr Möglichkeiten gibt, Talente zu erkennen und zu fördern und Bildung als solches positiv zu besetzen. Schüler sollten selbst aktiv werden können, damit sie nicht das Gefühl haben, nur für die Lehrer zu lernen. Räume für junge Leute werden immer weniger, daher sollte man in den Schulen Räume schaffen für Musik, Bewegung, Miteinander. Das klingt kontraintuitiv, aber ich glaube, die Schule sollte weg von einer sehr strukturierten und unfreien Form hin zu mehr Räumen, wo Schüler autonom handeln können. Wie dringend muss sich etwas ändern? Es ist katastrophal, dass seit zehn Jahren durchgehend etwa 50000 Kinder die Schule ohne Schulabschluss verlassen. Das gefähr- det den Generationenvertrag. Wir können uns nicht leisten, dass es so weitergeht. Das kann nicht der Anspruch eines Industrielands sein. Mehr von und zu Bob Blume gibt’s im Internet unter folgendem QR-Code: Einer, der was zu sagen hat Bob Blume ist ein gefragter Experte zum Thema Schule. Mit dem Gol- denen Blogger wurde er für seine Tätigkeit auf Tik Tok als Blogger des Jahres ausgezeichnet. Fotos: Joseph Krpelan; Chris Marxen Info Die IHK unterstützt ausbildende Unternehmen und Azubis Ansprechpartner: IHK Hochrhein-Bodensee: Alexandra Thoß 07531/2860 131 alexandra.thoss@konstanz.ihk.de IHK Südlicher Oberrhein: Christiane Möller 0761/3858 169 christiane.moeller@freiburg.ihk.de IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg: Markus Käshammer 07721/922 1 24 markus.kaeshammer@vs.ihk.de Simon Korb 07721/922132 simon.korb@vs.ihk.de

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