Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Kein Schnee von gestern Immer wieder erstaunlich, was bei uns im Südwesten seinen Ursprung hat. Dieses Mal geht es um die Erfindung des Skilifts vor über 100 Jahren – und dessen originalgetreue Rekonstruktion. Robert Winterhalder und die Erfindung des Skisports mit Lift W er heute im Schwarzwald auf frisch gewalzten Pisten seine Schwünge zieht, ahnt wohl kaum, dass hier einst Skigeschichte geschrieben wurde. Am Schneckenhof in Schollach konstruierte der Gastwirt Robert Winterhalder den weltweit ers- ten funktionstüchtigen Skilift – 280 Meter lang, mit Wasserkraft betrieben und seiner Zeit weit voraus. Denn Skifahren galt anno dazumal noch nicht als Hobby, sondern war schlicht ein Fort- bewegungsmittel imWinter. Der Erste Weltkrieg und die Materialknappheit setzten Winterhalters Liften bald ein Ende. Der Erfinder starb 1932, ohne je vom späteren welt- weiten Erfolg seiner vielfach kopierten Idee zu profitieren. Jetzt aber soll seine Geschichte weitergeschrieben werden: Enthusiasten rund um das Schwarzwälder Skimuseum Hinterzar- ten planen die originalgetreue Rekonstruktion des Ur-Lifts. „Die Zukunft unserer Skiregion liegt in ihren traditionellen Wurzeln“, sagt Ideenge- ber und Skischulbetreiber Gundi Thoma, der nicht müde wird zu betonen, dass eben der Schwarzwald „dieWiege des Skisports“ sei und man von hier aus die ganzeWelt inspirierte. His- toriker und Projektleiter Roland Weis ergänzt: „Wir sind mit etlichen Sponsoren im Gespräch, die das Projekt großzügig finanziell unter- stützen wollen.“ Das Projekt hat drei denkbare Varianten: vom reinen Schaubetrieb für rund 300000 Euro über einen vollwertigen Winter- betrieb samt Skiverleih (etwa eine Million Euro) bis zur großen Ganzjahresattraktion für etwa 1,8 Millionen Euro. In den Startlöchern Für die technischeUmsetzung steht bereits ein erfahrener Kopf bereit: Ingenieur Peter Bläsi aus Waldau, früher Konstrukteur bei Mack-Rides, einer Firma, die weltweit Freizeit- und Erlebnis- bahnen baut. Offen indes ist noch die Stand- ortfrage. Die soll beantwortet werden, sobald sich genügend Sponsoren gefunden haben. Ein möglicher Standort sticht allerdings schon heraus – der Feldberg. Denn in Winterhal- ders Nachlass fand sich eine Zeichnung aus dem Jahr 1910, die genau dort den Bau eines Schlepplifts vorsah. Bemerkenswert: Die Skizze zeigt den Lift dort, wo später der Sessellift er- richtet wurde. Warumdas Projekt damals schei- terte, bleibt ein kleines Mysterium. Und gerade dieses ungelöste Kapitel macht den Charme des heutigen Vorhabens aus. Denn es verbin- det Pioniergeist und Geschichte mit einer kla- ren Vision für die Zukunft. Während viele Alpenregionen im Zeichen des Klimawandels in einen teuren Wettlauf um im- mer spektakulärere Infrastruktur geraten, setzt das Schwarzwälder Projekt bewusst auf das Gegenteil: Authentizität, Ursprünglichkeit und den Mut, Traditionen weiterzuerzählen. Und so könnte die Rekonstruktion des ersten Skilifts nicht nur eine museale Attraktion werden, son- dern ein lebendiges Stück Identität. Ein Ort, der Winterhalders genialer Idee endlich die Bühne gibt, die sie verdient. Daniela Santo Wirtschaft im Südwesten 1/2026 74 Foto: Kreisarchiv Breisgau-Hochschwarzwald
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