Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

sind. „Die zuvor eingesetzten Anlagen haben auf einem Effizienzniveau gearbeitet, das eher mit handelsüblichen Klimageräten aus dem Haushaltsbereich vergleichbar war.“ Haben die alten Anlagen aus einer Kilowattstunde Strom etwa drei Kilowattstunden Kälte erzeugt, sind es heute neun Kilowattstunden Kälte pro Kilowatt- stunde Strom – eine Verdreifachung der Effizi- enz. Die Entscheidung sei bewusst zugunsten der energieeffizientesten, aber auch teuersten Lösung am Markt gefallen. Betrachtet wurde der gesamte Lebenszyklus – mit unterschied- lichen Energiepreisszenarien. Kurzfristig güns- tigere Alternativen hätten langfristig deutlich schlechter abgeschnitten. Dass die Anlagen nahezu zeitgleich mit dem Beginn der Energie- krise ans Netz gingen, bestätigte die Strategie. Der Industriepark Willstätt versorgt seine Kunden mit einer breiten Palette an Medien: Strom, Dampf, Warmwasser, Heißwasser, Kälte, bräuche um bis zu 75 Prozent. Entscheidend sind dabei klare Kennzahlen, die kontinuierlich überwacht werden, bald auch mittels künst- licher Intelligenz. „Die Einsparkurve verläuft asymptotisch“, erklärt Reichert. „Hat man ein niedriges Niveau erreicht, darf man nicht nach- lassen. Ohne laufendes Monitoring und regel- mäßige Nachjustierung steigen die Verbräuche sonst schleichend wieder an.“ Für viele Unternehmen ist der erste Blick auf den Lastgang ein Aha-Moment. Statt eines Mo- natswerts sehen sie, was tatsächlich passiert. Ein Beispiel aus der Praxis: „Ein Betriebsleiter war überzeugt, dass sein Verbrauch am Wo- chenende auf null sinkt. Doch weit gefehlt. Der Verbrauch lag konstant bei 70 bis 80 Kilowatt. Ursachewar eine durchlaufende Lüftungsanla- ge.“ Seitdem die Kunden im Industriepark Will- stätt ihre Verbräuche live sehen können, seien Diskussionen über angeblich defekte Zähler Vergangenheit. Stattdessen gehe es um kon- krete Maßnahmen und um Einsparungen, die sich schnell rechnen – wie etwa Bewegungs- melder in den Toiletten. Effizienz schlägt Invest Besonders deutlich wird der Nutzen bei größe- ren Investitionen. Ein Beispiel: die neuen Groß- kältemaschinen, die 2020 in Betrieb gegangen Fotos: B.I.W. Info Unternehmen im Industriepark ACM, Autonox Robotics, Charmant, DB Schenker, Elteo, Flint Group, Geocept, Hansgrohe, Iris Biotech, Leclanché, Pronova, Remondis, Schlögel, Spedition Decker, STS, XSYS Weitere Infos unter: Transparenz: Im Industriepark Will- stätt stehen den Unter- nehmen Medien wie Dampf (Foto), Druckluft oder Kälte zur Verfü- gung. Deren Verbrauch wird mindestens ein Mal pro Minute gemessen. Bald soll hierfür auch künstliche Intelligenz eingesetzt werden, wie Geschäftsführer Alexander Reichert an- kündigt. Wirtschaft im Südwesten 1/2026 72

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