Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
D er Industriepark Willstätt funktioniert wie eine große Wohn- gemeinschaft. Mehr als 20 Unternehmen teilen sich hier eine zentrale Infrastruktur mit Energie- und Versorgungssys- temen. Damit Zusammenleben und Produktion reibungslos klappen, müssen Strom, Wärme, Kälte oder Druckluft jederzeit zuverlässig ver- fügbar sein – für alle, rund um die Uhr. Transparenz und ein wachsa- mes Auge auf den Verbrauch sind dabei entscheidend. Was heute digital, automatisiert und minutengenau funktioniert, be- gann einst sehr analog – mit einemMitarbeiter, einemmanuellen Le- segerät, mehr als zehn Stunden Zeit und am Ende genau einemWert proMessstelle imMonat. So sah die Realität im IndustrieparkWillstätt noch vor rund 20 Jahren aus, wenn es um Energieverbräuche ging. Heutewerden amStandort monatlich mehrereMillionen Zählerdaten erfasst, nahezu in Echtzeit. Für Alexander Reichert, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft B.I.W., ist das kein Selbstzweck, sondern die Basis für ein Energiemanagement, das messbar Kosten senkt, Versor- gungssicherheit erhöht und den Standort langfristig wettbewerbs- fähig macht. „Als wir den Industriepark übernommen haben, war für uns sehr schnell klar: Die Zukunft liegt in der Fernauslesung“, sagt Reichert. „Unser Anspruch war es, ein System einzusetzen, das alle Zähler am Standort mindestens einmal pro Minute erfassen kann.“ Jede zusätzliche Auslesung schaffe Mehrwert – durch Transparenz, bessere Steuerbarkeit und fundierte Entscheidungen. 13 Millionen Zählerdaten So begann man in Willstätt bereits damit, Verbräuche systematisch zu analysieren und Prozesse zu optimieren, als Energiemanagement in vielen Unternehmen noch kein strategisches Thema war. Nicht aus regulatorischem Zwang, sondern aus Überzeugung. Denn: Energie war in Deutschland noch nie billig – und in einem Industriepark mit energieintensiven Prozessen ist jede unnötige Kilowattstunde bares Geld. Heute werden die Zähler auf dem ehemaligen BASF-Gelände rund 13 Millionen Mal pro Monat ausgelesen. Kunden haben online Zugriff auf ihre eigenen Verbrauchsdaten und können diese detail- liert auswerten – minutengenau, tagesaktuell und historisch. „Durch diese lückenlose Transparenz lassen sich Energiefresser schnell und zielgerichtet identifizieren.“ Der Effekt ist enorm. Denn erst Sichtbarkeit schuf Handlungsfähig- keit. Reichert berichtet von einem Beispiel aus jüngster Zeit: Bei einem Kunden mit einer großdimensionierten Lüftungsanlage wur- de der Energieverbrauch gemeinsam analysiert. Durch technische und betriebliche Anpassungen sank der Gesamtstromverbrauch um rund 40 Prozent. Auch intern zeigt das System Wirkung. In eigenen Betriebsprozessen reduzierte der Industriepark seine Energiever- „Ich habe bisher noch keinen Kunden erlebt, der nicht signifikant gespart hätte.“ Alexander Reichert, B.I.W.-Geschäftsführer Foto: Jigal Fichtner
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