Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

soll zusätzlich für die Produktion von Stickstoff eingesetzt werden. Den finalen Impuls gab es im Herbst 2023 auf der Blechexpo in Stuttgart. „Wir haben da erfahren, dass es bereits Unter- nehmen gibt, die das tun“, sagt Michael Piram. Der Plan: „Während der Woche nutzen wir den Strom vom Dach für unseren Maschinenpark, amWochenende geht er in die Produktion von Stickstoff“, erläutert Thomas Früh. 300000 Euro nahmen sie für das Vorhaben in die Hand. Mit dem Return on Invest rechnen sie in weniger als zehn Jahren. Die Investitionen Foto: Patrick Merck umfassen nicht nur die technischen Anlagen, sondern auch intelligente Steuerungssysteme. Der Stickstoffgenerator ist dabei mit 80000 Euro größter Einzelposten. Er sorgt dafür, dass das Unternehmen nicht mehr auf gelieferte Flaschen oder Flüssigtanks angewiesen ist, was nicht nur teuer, sondern auch logistisch einschränkend sein kann. „Hier liegt der größte Nut- zen“, sagt Michael Piram. Ein- bis zweimal im Monat wurde das Unternehmen bisher mit Stickstoff aus der Schweiz beliefert. Die jährlichen Kosten belie- fen sich dafür im Schnitt auf rund 24000 Euro. Nicht eingepreist waren dabei die Tankmiete und der Transport. „Wir haben eine Reinheit von 99,99 Prozent“, sagt Thomas Früh über den eigen produzier- ten Stickstoff. Damit hat er die gleiche Qualität wie der zuvor gekaufte. „Diese Reinheit ist die Voraussetzung dafür, das wir ihn nutzen.“ Be- nötigt wird der Stickstoff für das Schneiden von Edelstahl mit dem Laser. Bei Piram fällt das in den Aufgabenbereich von Michael Piram: „Der Laserstrahl schmelzt das Material auf, und mit dem Stickstoff wird das Schmelzgut aus dem Schnittspalt ausgeblasen.“ Der Vorteil von Stickstoff: Es bildet sich keine bläuliche Anlauf- farbe an der Schnittstelle. Das aber hat seinen Preis: Bis zu 2,5 Tonnen Stickstoff werden dafür monatlich bei Piram benötigt. Keine Gefahrguttransporte mehr Mit dem Stickstoffgenerator ist die Piram Stahl- und Metallbaugesellschaft unabhängig von ihrem bisherigen Lieferanten. Das heißt: keine Gefahrguttransporte mehr. Die Leistung von 206 Kilowatt-Peak der PV-Anlage auf dem Dach reicht an einemWochenende völlig für dieWo- chenproduktion von Stickstoff aus. Nicht ganz decken lässt sich aber der Energiebedarf über das gesamte Jahr, gibt Thomas Früh zu beden- ken. „Im Sommer dürften wir 100 Prozent locker hinbekommen, im Winter sind es immerhin noch mehr als 50.“ Dazu kommt, dass die Ma- schinenbelegung, das Laden von Fahrzeugen oder das des E-Gabelstaplers den Sonnenzei- ten angepasst werden kann. „Energieintensive Prozesse starten wir – wenn möglich – erst, wenn die Speicher mindestens halb voll sind.“ Auch das helfe ungemein weiter, um die Ener- giebilanz zu verbessern. Patrick Merck Unabhängig von Lieferanten: Thomas Früh (l.) und Michael Piram nutzen Sonnenenergie zur Produktion von Stickstoff. „Energieintensive Prozesse starten wir, wenn die Speicher mindestens halb voll sind.“ Thomas Früh, Geschäftsführer

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