Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Auf der Sonnenseite Was früher nur Parkfläche war, produziert heute Strom für Autos und Maschinen: Mit Solar-Carport, Fassaden- und Dachanlagen treibt Gebrüder Schwarz die eigene Energieversorgung systematisch voran. Parkplatz-PV-Anlagen 4 8 Parkplätze, 565000 Euro Investition, 200000 Kilowattstunden Strom pro Jahr – und das alles auf einer Fläche, die früher einfach nur Autos beherbergte. Was nach einer nüchternen Rechnung klingt, ist in Neukirch bei Rottweil Teil eines Transforma- tionsprozesses: Der Kunststoffverarbeiter Ge- brüder Schwarz hat sich seine Energieversor- gung einfach selbst gebaut. Der Solar-Carport ist dabei nur der Anfang. Wo früher nur Autos standen, wird heute Strom produziert. Statt Fläche nur zu versiegeln, nutzt das Unterneh- men sie doppelt – als Parkraum und als kleines Kraftwerk. Umgerechnet knapp 12000 Euro pro Stellplatz hat der Bau gekostet. In der Summe stecken Fundamente, Stahlbau, Module, Um- bauten und eine neue Ladeinfrastruktur mit elf Doppelladern für Elektrofahrzeuge. Schwarz befindet sich mit seiner Parkplatz- PV-Anlage dabei längst nicht allein auf weiter Flur. Auch Unternehmen wie Markant in Offen- burg oder WTO in Ohlsbach haben ihre Stell- flächen mit Solarmodulen überdacht. Auch in Freiburg zeigt sich, dass solche Projekte inzwi- schen nicht nur Kür, sondern gesetzliche Pflicht sind: Auf dem Park-and-Ride-Parkplatz an der Paduaallee wurden jetzt 56 Stellplätze mit PV- Modulen überbaut. Die Anlage liefert rund 186 Megawattstunden Strom pro Jahr – genug für mehr als 50 Haushalte – und speist die Energie direkt in öffentliche Ladesäulen vor Ort ein. Hin- tergrund ist das Klimaschutz- und Klimawan- delanpassungsgesetz des Landes: Seit 2022 müssen neue Parkplätze ab 35 Stellplätzen zu rund 60 Prozent mit Photovoltaik überdacht werden – egal ob kommunal oder auf Firmen- arealen. Strom für energieintensive Produktion Was andernorts regulatorischer Druck ist, war bei Schwarz vor allem eine strategische Ent- scheidung. Der per Parkplatz-PV-Anlage er- zeugte Strom fließt größtenteils direkt in den Betrieb. Etwa 70 Prozent werden unmittelbar vor Ort verbraucht. „Wir sind in der Spritzguss- verarbeitung tätig, ein sehr energieintensiver Prozess“, sagt Geschäftsführer Jens Roth. Vor allem das Aufschmelzen der Kunststoffe be- nötige viel Energie. Was die Anlage unter der Woche produziert, landet deshalb direkt in Ma- schinen und Anlagen. Am Wochenende, wenn die Produktion ruht, wird überschüssige Ener- gie ins Netz eingespeist. Durch die hohe Eigen- nutzung rechnet sich das Projekt schnell: Intern kalkuliert das Unternehmen mit einem Strom- preis von 20,9 Cent je Kilowattstunde – daraus ergibt sich ein jährlicher wirtschaftlicher Vorteil von rund 30000 Euro. Gleichzeitig steigert das Bauwerk die Attrakti- vität für die Belegschaft. Rund 200 Mitarbeiter nutzen die Parkplätze – imSommer spenden sie Schatten, imWinter entfällt das Eiskratzen. Dass darüber hinaus Ladepunkte zur Verfügung ste- hen, ist ein zusätzlicher Bonus: Beschäftigte können ihre privaten Elektroautos laden, die Kosten werden mit dem Lohn verrechnet. Auch der Fuhrpark wird schrittweise elektrifiziert. Ein kompletter Umstieg bleibt zwar das Ziel, aber ohne festen Zeitplan. „Wir wollen weiter unse- ren CO₂-Ausstoß reduzieren, aber wir müssen es an der tatsächlichen Nutzung und unseren Prioritäten ausrichten“, betont Roth. Der Carport ist jedoch nur ein Baustein eines deutlich größeren Umbaus der Energieversor- gung, den das Unternehmen bereits 2021 ge- startet hat. Ein Lastspitzenmanagement sorgt Einfache Rechnung: Eine 15 Quadratmeter große Parkplatz- PV-Fläche erzeugt in etwa 3000 Kilowattstunden pro Jahr. Genug, um mit einem Elektroauto etwa 15000 Kilometer zu fahren. Wirtschaft im Südwesten 1/2026 64

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