Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 1/2026 60 qualifizierter Mitarbeiter und führt zu höheren Lohnkosten auf deutscher Seite und somit zu Wettbewerbsnachteilen im innerdeutschen Vergleich“, sagt Ziegler-Jung. Ähnliche Klagen hört man auch aus den Unternehmen. Etwa von Jonathan Gorenflo, Geschäftsführer des IT- Dienstleisters Step mit Sitz in Lörrach, und von Bruno Hall, geschäftsführender Gesellschafter des Elektrofachhändlers Expert Villringer und Mitglied der Vollversammlung der IHK Hoch- rhein-Bodensee. Hall ergänzt, die Nähe zu Frankreich bringe aufgrund der Sprachbarriere und der Unterschiede im Ausbildungssystem kaum Erleichterung. „Auch sehen sich unsere Mitarbeiter in den Bereichen Gastronomie und Wohnraum in Lörrach mit höheren Kosten kon- frontiert.“ Grenzlage: Chance und Herausforderung Und dann liegt die Stadt ja auch noch an einer EU-Außengrenze. Auch das bringt Herausfor- derungen mit sich, berichtet Alexander Graf, Leiter Geschäftsfeld Standortpolitik der IHK Hochrhein-Bodensee. Das Stichwort hier: Zoll- formalitäten. Die führen zu einigem Aufwand beimgrenzüberschreitendenWarenaustausch. Was besonders Handelsunternehmen wie Ex- pert Villringer betrifft. Hall: „Ein guter Teil des Marktgebiets eines Handelsunternehmens in Lörrach liegt außerhalb von Deutschland.“ Doch trotz allem: Lörrachs Nachbarn sind be- reichernd – sie machen den Standort auch attraktiv. Nicht nur für Schweiz-Pendler. Unter- Life Sciences und digitale Innovationen Wie behauptet sich eine Mittelstadt im wirtschaftlichen Wettbewerb? Oberbürgermeister Jörg Lutz über den Vorteil kurzer Wege und große Entwicklungsprojekte Wirtschaftsstandort Lörrach Lörrach hat viel zu bieten: Die Nähe und Überschaubarkeit einer Kleinstadt mit den Angeboten und Impulsen einer Großstadt – davon profitiert auch die Wirtschaft, sagt Lörrachs Oberbürgermeister Jörg Lutz. Herr Lutz, hat eine Stadt von der Größe Lör- rachs beimThemaWirtschaft andere Heraus- forderungen als eine Groß- oder Kleinstadt? Als Mittelstadt stehen wir vor anderen Aufga- ben als Metropolen: Nicht jeder kennt Lörrach. Unsere besondere Lage und die damit verbun- denen Standortvorteile müssen wir daher aktiv kommunizieren. Gleichzeitig profitieren wir von kurzenWegen und einem engen, persönlichen Austausch mit den Unternehmen vor Ort. Im Vergleich zu anderen Städten unserer Größe verfügen wir über eine sehr gut ausgebaute In- frastruktur – von Kitas und Schulen über Kultur- angebote bis hin zu Mobilität. Das ermöglicht uns auch eine professionelle und wirksame Wirtschaftsförderung, die Unternehmen ge- zielt unterstützt. Wo sehen Sie beim Wirtschaftsstandort der- zeit die spannendsten Bewegungen? Der Einzelhandel befindet sich weiterhin im Wandel. Gefragt sind neue Konzepte wie Multi- kanal-Strategien, kreative persönliche Bera- tung und Angebote, die das Internet nicht leis- ten kann. Darüber hinaus wird künstliche Intel- ligenz die Wirtschaft grundlegend verändern: Dienstleistungen und Serviceangebotewerden weiter an Bedeutung gewinnen, ebenso der professionelle Umgang mit Daten. Das erfor- dert sowohl leistungsfähige Infrastruktur – etwa Glasfaser und Rechenzentren – als auch neue Kompetenzen. Die Duale Hochschule Baden- Württemberg am Lörracher Standort leistet mit ihren Studiengängen einen wichtigen Beitrag zur weiteren Digitalisierung.“ Nach welchen qualitativen Kriterien ent- scheiden Sie, welche Unternehmen oder Branchen zu Lörrach passen? Im Innovationszentrum Innocel haben wir klare inhaltliche Schwerpunkte gesetzt: Life Scien- ces, Medizintechnik, Digitale Innovation und Nachhaltigkeit. Diese Branchen passen sowohl zur bestehenden Wirtschaftsstruktur als auch zu den Zukunftszielen der Stadt. Welche aktuellen Standortentwicklungen werden die wirtschaftliche Zukunft Lörrachs maßgeblich beeinflussen? Der Neubau des Dreiland-Klinikums Lörrach ist eines der zentralen Zukunftsprojekte. Parallel dazu entsteht mit der Lauffenmühle ein klima- neutrales Gewerbegebiet in Holzbauweise, das neue Maßstäbe für nachhaltiges Wirtschaften und Arbeiten setzt. Weitere wichtige Impulse gehen von der städtebaulichen Entwicklung der ehemaligen Krankenhausflächen sowie des Koechlin-Areals (ehemals KBC-Areal) aus, die neue Perspektiven für eine gemischte, zu- kunftsorientierte Nutzung eröffnen. Ergänzt werden diese Großprojekte durch die Sanie- rung des Rathauses, mit der die Leistungs- fähigkeit der Verwaltung und die Qualität des zentralen Stadtraums langfristig gesichert wird.

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