Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Auf dem Weg zum Take-off? Nach drei ganz schwachen Jahren wächst die Hoffnung auf einen zarten Aufschwung. Das belegen diverse Umfragen, die steigende Kreditnachfrage bei Banken und optimistische Investitionen wie zuletzt bei der Firma Kaltenbach in Lörrach. Konjunktur im Südwesten Wirtschaft im Südwesten 1/2026 06 D ie Eröffnung verlief standesgemäß: Statt des klassischen Banddurch- schnitts mit einer profanen Schere fraß sich im neuen Werk von Kaltenbach Cutting Systems (KCS) eine High-Tech-Kreissäge durch eine Metallstange – kurz danach wurde auch schon losproduziert, der hohen Auftragslage wegen. Eine Summe „im hohen sechsstelligen Bereich“ steckte KCS in seine neue Produkti- onsstätte daheim in Lörrach. Und damit gezielt in Effizienz und Zukunftsfähigkeit, so René Eger, Geschäftsführer des Herstellers industrieller Sägelösungen mit 57 Mitarbeitern und 19 Mil- lionen Euro Umsatz. Banken: deutlich mehr Kreditnachfrage Inlandsnachfrage, Fachkräftemangel, Arbeits- kosten: Viele Unternehmen waren zuletzt zu- rückhaltend mit Investitionen in der Heimat. Langsam aber mehren sich die Anzeichen, dass sich das Geschäftsklima wieder dreht. Fragt man die Banken, so findet man dafür auch schon harte Zahlen. Besonders eindrucksvoll belegt das die Volksbank Lahr: Sie vermeldet ein außergewöhnliches Plus im Firmenkredit- volumen – um 53 Prozent gegenüber 2024 – und erreichte damit wieder das Vorkrisen- niveau. Nachgefragt bei weiteren fünf Volks- banken und Sparkassen der Region bestätigen auch diese eine spürbar steigende Nachfrage nach gewerblichen Krediten innerhalb der ver- gangenen fünf Jahre: Rund 13 Prozent mehr Kreditvolumen bei der Volksbank Freiburg, ein Plus von rund 15 Prozent bei der Sparkasse Of- fenburg/Ortenau, ein kräftiges Wachstum von 35 Prozent sind es bei der Volksbank Rottweil. Industrie: vorsichtiger Optimismus In der Industrie sind die Vorzeichen weniger eindeutig, geben aber ebenfalls Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Zwar sind die In- dustriebetriebe im Südwesten 2025 mit einer schwarzen Null nur knapp einem dritten Re- zessionsjahr entgangen, die Stimmung hat sich dennoch gebessert: Im Vergleich zum Vorjahr erwarten deutlich mehr Unternehmen steigen- de Umsätze, nur noch wenige erwarten Rück- gänge. Ein knappes Umsatzplus von 0,3 Prozent mel- deten etwa die Mitgliedsunternehmen des Wirtschaftsverbands Industrieller Betriebe in Baden (WVIB) für 2025. Im Vorjahr war es noch ein nominales Umsatzminus von 4,8 Prozent. Und auch das Geschäftsklima zeigt nach oben: Das mathematische Mittel aus Geschäftslage und -erwartungen liegt 13 Punkte im Plus, vor einem Jahr lag es noch 17 im Minus. Die Ge- schäftserwartung liege damit auf dem höchs- ten Wert seit Ende 2022, freute sich Hanna Böhme, die neue Hauptgeschäftsführerin des WVIB. Bei den Aufträgen zeigt sich ebenfalls ein vorsichtiger Aufwärtstrend. Dem gegen- über steht allerdings eine noch immer geringe Auslastung, von der etwa zwei Drittel der Unter- nehmen berichten, vor allem aus dem Auto- motive-Bereich. Und anders als es die Zahlen der Banken nahelegen ist die Investitionslust der WVIB-Mitglieder noch gering ausgeprägt: Sie liegt bei schwachen 4,8 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 6,1 Punkte. Kammer: Noch keine echte Trendwende Auch bei den IHKs ist man mit zu viel Optimis- mus zurückhaltend. Im Kammerbezirk Süd- licher Oberrhein hat sich die Stimmung der Unternehmen mit Blick auf die Geschäftslage über alle Branchen hinweg zwar verbessert, mit 13 Punkten liegt der Index immerhin auf seinem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren; aber: „Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: In den kommenden zwölf Monaten geht es weiter bergauf. Dann könnten wir auch von einer ech- ten Trendwende sprechen“, sagt AlwinWagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. „Aber genau das sehen wir nicht.“ Denn der von der „13 Punkte im Plus: Die Geschäfts- erwartung liegt auf dem höchsten Wert seit Ende 2022.“ Hanna Böhme über die Stimmung in der Industrie

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