Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 1/2026 50 W o früher Gewerbe des 19. Jahrhun- derts seinen Platz hatte, entsteht heute Raum für das Gewerbe des 21. Jahrhunderts. Alte Fabrikhallen, Werkstät- ten und Verwaltungsgebäude, einst Orte von Lärm, Schichtarbeit und Produktion, werden zu Büros, Ateliers, Kitas oder klimafreundlichen Gewerbeflächen. Der Backstein bleibt, der Zweck wandelt sich. Statt Abriss heißt die De- vise immer öfter: weiterbauen, umnutzen, neu beleben. Das Lauffenmühle-Areal im Osten von Lörrach ist ein Ort, an dem dieser Wandel greifbar wird. Dort schlug einst das Herz der Wiesentäler Textilproduktion. Heute rollen Bagger für ehr- geizige Ziele an. Auf dem 8,5 Hektar großen Ge- lände soll das „bundesweit erste klimaneutrale Gewerbegebiet in Holzbauweise“ entstehen. „Der teilweise Rückbau hat schon begonnen“, sagt Projektleiter Burkhard Jorg. Es ist nach der Schadstoffsanierung für 3,5 Millionen Euro die zweite großeMaßnahme auf demGelände. Da- mit wird sichtbar, woran bisher vor allem theo- retisch gearbeitet worden war: demUmbau des Lauffenmühle-Areals zum Gewerbegebiet mit Anspruch. „Damit setzen wir neue Maßstäbe in der nachhaltigen Stadtentwicklung“, schwärmt Alexander Nöltner von der Fachbereichslei- tung Stadtplanung im Rathaus. Für dieses ehrgeizige Vorhaben werden vor allem die Industriehallen des einstigen Tex- tilunternehmens weichen müssen, erläutert Jorg. Doch vieles bleibe erhalten. Dazu zählen der Schornstein, der zu einem weithin sichtba- ren Markenzeichen geworden ist, die einstige Hauptverwaltung und andere identitätsstiften- de Gebäude. Auch einige autarke Gebäude- teile und Außenwände mit der typischen Sheddach-Optik sollen Bestand haben. Jorg: „Schließlich sind sie charakteristisch für das Ensemble.“ Alte Elemente werden so zum Fun- dament einer neuen Ära. Die Geschichte des industriell genutzten Are- als geht weit zurück. 1899 wurden die ersten Werkshallen errichtet. Die spätere Druckerei & Appretur Brombach wurde Mitte der 1960er- Jahre von der Lauffenmühle übernommen. Das Unternehmen aus Lauchringen hatte zu sei- ner Blütezeit weit mehr als 2000 Mitarbeiter in Lauchringen, Blumberg, Steinen und Lörrach. 1986 produzierte die Lauffenmühle rund 76Mil- lionen Quadratmeter Stoff. Daraus hätten mehr als 32 Millionen Hemden oder Blusen genäht werden können. Konkurrenz aus Fernost Doch Mitte der 1980er-Jahre ist die Blütezeit längst vorbei: Schon 20 Jahre vorher wurde die Konkurrenz aus Fernost immer härter. Mit der Eröffnung des EU-Binnenmarkts geriet die Lauffenmühle dann ganz aus dem Tritt. Im Februar 1993 stellte das Unternehmen erst- mals einen Antrag auf Eröffnung eines gericht- lichen Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses. Im Laufe der Jahre bestimmten dann mehrere Insolvenzen und Eigentümer- wechsel die Entwicklung, bis die Stadt Lörrach 2020 das Gelände für rund zehn Millionen Euro übernahm und dafür Gelder aus dem Landes- sanierungsprogramm erhielt. Fortan setzteman auf Revitalisierung statt auf Rückzug. Im Projektbüro, das auf dem Gelände unterge- bracht ist, lässt sich die mögliche Zukunft des Lauffenmühle-Areals erahnen. Es gibt viel Grün, viel Raum, sanfte Wasserläufe und viele Optio- nen auf demgroßen Plan zu sehen. Eingezeich- Burkhard Jorg, Projektentwickler „Auf dem Lauffenmühle-Areal setzen wir ganz neue Maßstäbe in der nachhaltigen Stadtentwicklung.“ Burkhard Jorg ist Projektleiter auf dem Lauffenmühle- Areal in Lörrach. Er ist auf der Suche nach Pilotprojekten, die er dort umsetzen kann. Doch noch steht die endgültige Klassifizie- rung des 8,5 Hektar großen Geländes aus.

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