Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Geld denkt nicht – oder doch? Förderprogramme, Business Angels, Venture-Capital-Fonds oder Private-Equity-Fonds: Bei der Wahl der passenden Investors fürs Start-up geht’s ums Geld – aber auch um Einflussnahme und Mehrwert. Start-up-Finanzierung Barbara Mayer Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht bei Advant Beiten in Freiburg B aden-Württemberg zählt zu den führenden Innovationsregionen Europas, mit hoher For- schungs‑ und Entwicklungsquote, vielen Pa- tentanmeldungen, exzellenten Hochschulen und For- schungseinrichtungen. Und: Das Land hat sich zu einer Start-up‑Hochburg entwickelt, dank eines etablierten und aktiven Start-up‑Ökosystems. Dazu gehören auch die Finanzierer von Start-ups. Bei der Auswahl des pas- senden Investors geht es indes nicht nur ums Geld, sondern auch darum, wie viel Einfluss die Investoren einerseits nehmen wollen und mit welchemMehrwert sie andererseits aktiv zumWachstum beitragen können. Warum guter Business Angel Gold wert ist Förderprogramme sind oft der erste Berührungspunkt mit externer Finanzierung. Der große Pluspunkt: Meis- tens muss der Gründer dafür keine Anteile abgeben. Geld ohne Mitspracherecht ist charmant. Außerdem sind För- dergeber oft geduldig – sie erwarten nicht, dass aus dem Start-up in drei Jahren ein Unicorn wird. Die Kehrseite der Medaille: Anträge, Formulare, Berichte, Deadlines. Und Förderprogramme sind oft zweckgebunden: DasGeld darf nur für ganz bestimmte Dinge ausgegeben werden. Neben Förderprogrammen sind Business Angels die ers- ten externen Geldgeber von Start-ups in der Frühphase (Pre-Seed). Meist handelt es sich um Unternehmer oder Manager, die ihr eigenes Geld investieren. Der große Vor- teil: Sie bringen Erfahrung, Kontakte und echtes Grün- derverständnis mit. Ein guter Business Angel ist Gold wert, ein schwieriger kann aber auch anstrengend sein. Manche haben klare Vorstellungen und mischen sich entsprechend stark ein. Außerdem investieren Business Angels meist nur kleinere Summen bis etwa 250000 Euro – für schnelles Wachstum reicht das allein noch nicht. In der nächsten (Seed-)Phase, wenn eine Idee zur Markt- reife entwickelt wird, kommen Venture Capitals (VC) ins Spiel. Die Finanzierung dient dazu, Prototypen zu bauen, das Geschäftsmodell zu validieren, erste Marktanalysen durchzuführen und den Product-Market-Fit zu erreichen. VCs können Türen zu weiteren Investoren, Talenten oder Märkten öffnen. Sie suchen die Nadel im Heuhaufen; ein einzelner Megaerfolg muss alle Verluste ausgleichen. Dementsprechend erwarten VCs starkes Wachstum und einen Exit (zum Beispiel Verkauf oder Börsengang) inner- halb eines Zeitrahmens von (typischerweise) fünf bis zehn Jahren. Die Gründer müssen Einfluss abgeben – meist zwar nicht die Mehrheit der Anteile, aber Veto-Rechte in der Gesellschafterversammlung, Mitspracherechte in einem Beirat und Einfluss auf dieUnternehmensstrategie. Partner, keine Geldautomaten Private Equity (PE) ist etwas für spätere Phasen (Growth Stage /Series B, C+), wenn schon nennenswerte Umsät- ze, Strukturen und ein funktionierendes Geschäftsmodell da sind. PEs denken betriebswirtschaftlich. Sie möchten funktionierende Unternehmen noch besser, größer und effizienter machen. Dementsprechend geht es – mit zwei- oder mehrstelligen Millionenbeträgen – um inter- nationale Expansion, erweiterte Produktentwicklung oder Akquisitionen. Private-Equity-Fonds haben eine gegen- über VCs noch klarer definierte Exit-Strategie innerhalb von fünf bis sieben Jahren. Strategische Investoren dagegen – börsennotierte Kon- zerne oder (größere) Mittelständler – investieren, weil ein Start-up strategisch zu ihrem Geschäft passt. Sie sind auf der Suche nach neuen Technologien, Synergien und neuen Geschäftsmodellen – und in der Regel auch nach unternehmerisch denkenden, dynamischen jungen Leu- ten. Der Vorteil: Sie bringen nicht nur Geld mit, sondern Zugang zu Märkten, Kunden, Infrastruktur, Technologie und Management-Skills. Das kann ein riesiger Beschleu- niger sein. In der Praxis häufig und bewährt ist die Verbin- dung von strategischen Investoren und Finanzinvestoren. Unterm Strich: Es gibt nicht den „besten Investor“. Für jedeUnternehmensphase, Branche und Ticketgröße gibt es passende Investoren. Sie sollten nicht als Geldauto- maten betrachtet werden, sondern als Partner, die Erfah- rungen und Verbindungen einbringen. Ebensowichtig ist der Abschluss von Verträgen, die ausgewogen die Inter- essen beider Seiten berücksichtigen. Diskutieren Sie mit unserer Autorin auf LinkedIn weiter Foto: Advant Beiten Wirtschaft im Südwesten 1/2026 27

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