Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Foto: Jigal Fichtner S lava Gromov ist ein Nerd. Das muss man einfach so sagen. Denn es ist durch- aus außergewöhnlich, wenn man als Kind seine Freizeit statt auf dem Bolzplatz lieber zwischen Unmengen elektronischer Bauteilen in einem Elektronikladen verbringt. Aber so kann man ein paar Jahre später, mit 14, ein erstes Lehrbuch zur Fahrzeug-Pro- zessor-Programmierung für die Hochschule Aachen schreiben. Und noch ein paar Jah- re später (mit 19) sein eigenes KI-Unterneh- men gründen – und das ohne Wagniskapital. Mit nun 26 schickt Slava Gromov sich an, einer der erfolgreichsten und gefragtesten KI-Ex- perten Deutschlands zu werden. Während das Start-up Black Forest Labs aus Freiburg mit US-Geld und generativer KI zur wertvollsten KI- Firma Deutschlands aufgestiegen ist, wächst in Offenburg mit Gromovs KI-Unternehmen Aitad die nächste vielversprechende KI-Hoff- nung heran. Kein Wunder, dass Nectanet-CEO Dominik Fehringer vom Aitad-Chef schwärmt: „Slava ist ein Ausnahmetalent, ein Visionär mit fachlichem Fundament. Er ist ein Glücksfall für die Black Forest Power Region und ich bin mächtig stolz auf ihn!“ Außergewöhnlich schon als Kind Ein bisschen erinnert Gromov bei all dem an den frühen Elon Musk, der schon als Kind Com- puter-Programmierung erlernte, Videospiele entwickelte, mit Anfang 20 sein erstes Unter- nehmen gründete und dem man nicht unter- stellte, dass er sich eines Tages politisch an die Seite von Donald Trump stellt… Aber zurück in den Südwesten. Mit zehn Jahren ist ViacheslavGromov aus Moskau nach Offen- burg gekommen, sprach kein Wort Deutsch und tat sich schwer, im badischen Alltag an- zukommen. Eine Migrationsklasse half nicht, zu viele verschiedenen Bedürfnisse, Niveaus, zu wenig Personal. Stattdessen half der Zufall Gromovs Potenzial auf die Sprünge. Ein Nach- bar, ein pensionierter Lehrer, sorgte dafür, dass der Junge aufs Gymnasiumgehen konnte. Gro- mov übersprang zwei Klassen, wurde während der Oberstufe Schülerstudent an der Uni Frei- burg, eine Art der Hochbegabtenförderung. Di- gitalisierung voranzutreiben, wurde zu seinem Thema. Neurologie-Vorlesungen brachten ihn auf die Idee von dezentralen Sensoren, ähnlich wie im menschlichen Körper. 2018 gründete er Aitad, kurz für Artificial intelligence test and design. Vom Technologiepark Offenburg, dem Vorgänger des Flow 1986, zog Gromov mit sei- ner Firma in ein Geschäftshaus an der Haupt- straße, gleich gegenüber der alten Sevdesk- Zentrale. Inzwischen belegt Aitad drei Etagen und platzt schon wieder aus allen Nähten. Schlaue Sensoren Aitad entwickelt und fertigt intelligente Senso- ren, integriert dazu künstliche Intelligenz (KI) auf Chips in Sensorplatinen. Diese Sensoren bringen Herde dazu, anbrennendes Essen rechtzeitig zu erkennen und runterzuschal- ten. Sie ermöglichen es Armaturen, Alarm zu geben, wenn jemand in der Dusche stürzt. Sie versetzen Autos in die Lage, Verschleißteile zu erkennen. Künftig sollen diese smarten Senso- ren auch erkennen, wer harmloser Spaziergän- ger ist und wer ein Vandale, und ob bei einer Demonstration eine Eskalation droht. Die KI verarbeitet dazu Geräusche und Bilder direkt im Produkt, ohne die Daten in die Cloud hoch- zuladen. Sehr zur Freude von Datenschützern werden diese dezentral verarbeiteten Daten nach ihrer Auswertung wieder gelöscht. Aitads Kunden kommen aus Medizin, Maschi- nenbau, Automotive, darunter BMW. Und seit kurzem arbeitet die Offenburger KI-Firma mit der Landespolizei zusammen und entwickelt Sensoren zum Schutz von kritischer Infrastruk- tur. Das Innenministerium hat jetzt auch noch angeklopft, um mal ganz grundsätzlich ein Mit- wirken des Unternehmens bei der Vision einer bundesweiten Polizeidrohne aus baden-würt- tembergischer Produktion anzufragen. Der Schlau-Macher Schon als Kind war er lieber zwischen Platinen als auf dem Bolzplatz: Mit 19 gründet Viacheslav Gromov sein KI-Unternehmen, mit 26 zählt er zu Deutschlands gefragtesten KI-Experten. Jetzt wächst mit Aitad in Offenburg eine industrielle KI-Hoffnung, die Deutschlands Chancen sichtbar macht. Viacheslav Gromov und Aitad aus Offenburg „Slava ist ein Ausnahmetalent, ein Visionär mit fachlichem Fundament. Ich bin mächtig stolz auf ihn!“ Dominik Fehringer, Nectanet Wirtschaft im Südwesten 1/2026 24

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