Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 1/2026 21 V or Deutschlands Volksbanken und ihrer genossenschaftlichen Idee ver­ neigen sich sogar die Vereinten Natio­ nen. „Was einer allein nicht schafft, das schaf­ fen viele“ ist inzwischenWelterbe und steht auf der Liste der größten Errungenschaften der Menschheit irgendwo zwischen den Pyramiden von Gizeh und den Märchenschlössern von Kö­ nig Ludwig II. Nur bockt das junge Kunden nicht mehr. Oder besser: nicht mehr so wie früher. Die Markt­ anteile von Volksbanken wie Sparkassen bei Kunden unter 30 befinden sich teilweise im freien Fall. Neo-Broker wie Trade Republic, Neo-Banken wie Qonto, N26 oder Revolut und eine Vielzahl von Fin-Techs und Insure-Techs graben den Genossen das Wasser ab. Dazu Apple Pay statt Girokarte, Paypal statt Wero und ETF statt Lebensversicherung. Deutschlands erfolgsverwöhnte Regionalbanken können all das dank der über Jahrzehnte thesaurierten Gewinne noch gut abwettern – aber die heile Welt von gestern kriegt immer mehr Risse. Im­ mer lauter muss man um neue Mitglieder wer­ ben, sieht immer mehr Rentner bei Vertreter­ versammlungen oder liest von mitunter hastig verabredeten Fusionen. Und der Verband? Der schweigt. Eine Interviewanfrage der Wirtschaft im Südwesten liegt seit einem Jahr unbeant­ wortet beimGenoverband in Stuttgart. Umdenken in der Ortenau Also bleibt alles beim Alten? Mitnichten. Aus­ gerechnet in Südbaden gibt es eine Art Rebel­ lenhochburg. Eine disruptiv denkende Volks­ bank, die nicht den Kopf in den Sand steckt und einfach abwartet, was in den nächsten Jahren halt so passiert. Handlungsdruck? Nicht mehr als anderswo, ganz im Gegenteil. Wie viele andere badische Volksbanken gilt auch die Volksbank Lahr bundesweit als Benchmark und Best-Practice-Beispiel. Doch gerade diese Musterbänker machen nun gemeinsame Sache mit ihren ärgsten Wettbewerbern und investie­ ren in Fintechs. Denn diese neuen Wettbewer­ ber sind „die Zukunft der Finanzbranche“, sagt ausgerechnet einer der progressivsten Banker in der Genoszene, der Lahrer Investmentbanker Johannes Weide. Weide ist ein Eigengewächs der Volksbank. Klassische Ausbildung, einer von nebenan. Einer, mit dem man angeln geht, mit dem man beim Handball die Halle zum Beben bringen kann und der nach seiner Lehre raus in dieWelt ist. Hongkong. Nicht zum Spaß, sondern zum Schaffen. Und um Neues zu lernen. Das ist ein paar Jahre her, aber geblieben ist ein Mindset: das Bestreben, groß zu denken. Nicht alles wie immer zu machen, sondern neue Wege zu su­ chen – auch wenn man dabei aneckt. Johannes Weide hat seinen Vorstand davon überzeugt, dass die Zeit reif ist für eine Neu­ interpretation von genossenschaftlichem Banking. Jenseits von Sparschwein und Schal­ terzeiten, Basel III und Bausparvertrag kann man sich ja auch mal Gedanken über Venture Capital und mezzanine Finanzierung machen, über Early-Stage-Investitionen und die Welt der Start-ups. Foto: Paul Wagner Jugend forsch In Lahr sucht eine Volksbank-Tochter nach einer neuen Zukunft für die genossenschaftliche Bankengruppe und investiert dafür in ihre ärgsten Wettbewerber. Ist das ein Aufbruch, ein Ausbruch oder einfach nur das Echo der Erfolge von gestern? BlackVRst Private Equity Keine Angst anzuecken: Johannes Weide, der Chef von BlackVRst Equity, der wilden Tochter der Volksbank Lahr

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