Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 1/2026 18 D as nächste Unicorn könnte in Furtwan- gen zu finden sein. In Konstanz oder Rottweil. Geniale Gründer gibt es im ganzen Land – aber damit aus einer Idee auch etwas Großes wird, braucht es Männer wie Frank Thelen, Carsten Maschmeyer, Oliver Samwer – oder den aus Freiburg stammenden Tim Schu- macher und dessen VentureCapital. Schumacher ist in den 2000er-Jahren zu Geld gekommen. Mit dem Domain-Broker Sedo, mit den Adblockern von Eyeo – inzwischen hat er denWorld Fund aufgelegt und beteiligt sich an Europas spannendsten Climate-Tech-Grün- dungen. Gerade Deutschland werde „derzeit völlig unterbewertet“, sagt Schumacher. An Ideen mangelt es nicht, an klugen Köpfen auch nicht und Geld – das kann man auftreiben. Mit dem World Fund ist Schumacher an 25 Start-ups beteiligt. Eins ist schon mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet, eins ist krachend gescheitert, fünf dürften sich als Weltmarkt- führer etablieren. Und hinter all dem steckt ein Freiburger Bobbele mit einem 20-köpfigen Team, das er von Köln aus führt. Mit 300 Mil- lionen Euro Assets under Management ist der Finanz-Schumi in Europa gut dabei. Die Lakes- tar-Fonds des Schweizer Milliardärs Klaus Hom- mels (Skype, Spotify, Getyourguide, Airbnb und Hometogo) sind 250 bis 420 Millionen schwer. Der Münchner Geldgeber HV Capital (früher Holtzbrinck und maßgeblich beteiligt an Zalan- do, Delivery, Flixbus, Sumup undWestwing) hat zuletzt einen Fonds mit 710Millionen aufgelegt. „Öko allein – das zieht nicht mehr“ „Unser Land gibt jedes Jahr 80 Milliarden Euro für fossile Brennstoffe aus – und das meiste davon fließt in Schurkenstaaten“, sagt Schu- macher und macht klar, warum er sich mit dem World Fund auf Climate-Tech fokussiert hat und 2026 einen zweiten Fonds auflegen will. Ähnlicher Fokus. Noch mal 500Millionen, denn es gibt viele gute Ideen. Allerdings: Öko allein – das zieht nicht mehr. „Auch wenn der Klimawandel ungebremst fort- schreitet“, sagt Schumacher. „Wir investieren daher nur in Klimatechnologie, die du auch einem Klimaleugner verkaufen könntest.“ Grü- ne Ideen und schwarze Zahlen, umweht von Themen wie Autarkie und Resilienz, basierend auf KI-Technologie, Superrechnern und Res- sourceneffizienz: Das hat Konjunktur. Im Portfo- lio finden sich daher Perlen wie IQM, die heute schon mehr Quanten-Computer verkaufen als IBM. Oder auch Cylib, Europas führender Re- cycler von Lithium-Ionen-Batterien für Elektro- autos. Diese Akkus müssen in der EU ab 2027 recycelt werden. Cylib eröffnet sich damit ein riesiger Markt – umden erbittert gekämpft wird. Einer der größten Wettbewerber: die US-Firma Redwood Materials. Vergleichbare Technologie – aber schon mit acht Milliarden Euro bewertet und damit im Besitz einer deutlich praller ge- füllten Kriegskasse. Jedes Jahr klopfen 3000 Gründer an Dass die Amerikaner mit Wagniskapital nur so zugeschüttet werden und sich mit genug Geld oft auch die zweitbeste Idee durchsetzt – das stimmt, sagt Schumacher. Während in den USA auch Pensionsfonds und Rentenversicherer in Venture Capital investieren (und häufig Rendi- ten um 20 Prozent erzielen), geht Europa auf Nummer sicher und investiert fast ausschließ- lich in Immobilien und Staatsanleihen. „Das ist der große Fehler im System“, sagt Schumacher. Aber wie steht es um Gründergeist und Auf- bruchsstimmung in good old Europe? „Wir hät- ten mit dem World Fund auch in 100 hervorra- gende Start-ups investieren können – und das trotz der Konzentration auf Climate-Tech“, sagt Schumacher. Pro Jahr melden sich inzwischen 3000 Gründer beim World Fund. Manche sind zu klein, manche schon zu groß, andere passen nicht ins Raster – aber vielversprechend sind sehr viele. „Es ist beeindruckend, was aus der Spitzenforschung kommt“, sagt Schumacher, der Europa hier nach wie vor an der Weltspit- ze sieht. Vor den USA und vor China. „Europa ist so reich an Ideen und bringt so kluge Köpfe hervor – herausfordernd ist nur die Skalierung.“ Manchmal mangele es an Mut zur Selbststän- digkeit, dann wieder verhindere zu viel Ge- nügsamkeit, dass eine Idee wirklich groß wird. Schumacher und sein Team können dabei nur bedingt helfen. „Wir mischen uns nie ins Tages- geschäft ein“, sagt er. „Auch wenn es einem oft regelrecht in den Fingern juckt.“ Von Superkräften und blinden Flecken Also kümmert sich Schumacher um andere Dinge: Anschlussfinanzierungen, Fördermittel und darum, die Führungsteams zu komplet- tieren. „Jeder Gründer hat eine Super-Power – aber immer auch blinde Flecken. Die erkennen wir und stellen einem chaotischen Genie einen Chief Operating Officer oder einen Spezialisten für den Vertrieb an die Seite. Wichtig dabei: Der darf nicht von einem Konzern kommen, son- dern aus dem Mittelstand, wo man es gewöhnt ist, selbst was anzupacken.“ Das Bobbele und die Billionaires Tim Schumacher ist so etwas wie Freiburgs Antwort auf Peter Thiel, nur eben in nett: Beseelt von grünen Ideen und schwarzen Zahlen macht er aus kleinen Start-ups große Namen… Mit Venture Capital den Planeten retten
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