Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Alles begann um 7.30 Uhr in einem Café in der Freiburger Innenstadt. Kai Klapdor traf dort einen der Photovoltaik-Forscher vom Fraunho- fer-Institut und stellte ihm eine Frage, die fort- an sein Berufsleben bestimmen sollte. „Warum gibt es nicht mehr solcher Anlagen?“ Klapdor meinte Agri-PV-Anlagen, die imUnterschied zu Solarmodulen auf Kuhställen oder Hühnerfar- men das Sonnenlicht inmitten von Obstbaum- kulturen oder auf Weiden einfangen. „Ich hatte eine Dokumentation über eine der ersten An- lagen gesehen und war sofort neugierig.“ Aus dem Labor in die Praxis 2023 ging Diveo als Spin-off aus dem Fraunho- fer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) her- vor – mit dem Ziel, aus der Idee ein wirtschaft- lich tragfähiges Geschäftsmodell zu machen. Das Team: der frühere Enit-Gründer Klapdor, dazu Oliver Hörnle, Niklas Kreifels und Jannis Rapp. Diveo versteht sich als Projektentwickler für sogenannte Co-Location-Projekte. Das heißt: Stromerzeugung und Speicherung entstehen gemeinsam an einem Standort. Diveo sorgt für Netzzugang, Baurecht, Planung und Um- setzung – bis zur Inbetriebnahme. Ein Unter- schied zu vielen Wettbewerbern: „Wir sind sehr viel auf den Höfen“, sagt Klapdor. Gespräche finden oft am Mittagstisch der Familien statt. Bevor es konkret um Solarmodule geht, stehen Fruchtfolgen und Bearbeitungsbreiten im Fo- kus. Ziel ist es, Landwirtschaft weiterhin sinn- voll zu ermöglichen. Der Einsatz von Agri-PV ist dabei klar geregelt: Mindestens zwei Drittel der landwirtschaftlichen Erträge müssen er- halten bleiben. Hier fließt das wissenschaftliche Know-how des Fraunhofer ISE ein – angepasst an Standort, Kulturen und Anlagentyp. So groß wie 20 Fußballfelder Die Projekte entstehen deutschlandweit, vor- wiegend auf Grünland und Ackerflächen, aber auch über Apfel- oder Heidelbeerplantagen. „Grundsätzlich gibt es dabei keine Einschrän- kungen, von Kartoffeln über Obst bis hin zu Mais.“ Allerdings gehe es immer um Bewirt- schaftungsbreiten. Sind diese für den Traktor zu eng, macht es für die Landwirte keinen Sinn. Eine Anlage umfasst im Schnitt rund zehn Hek- tar – das sind etwa 20 Fußballfelder. Erst ab die- ser Größe lohnen sich Netzanbindung, Technik und Speicher. Ein weiterer Kernpunkt ist die Beteiligung der Landwirte. Klassische Pacht- modelle hält Klapdor für nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen setzt Diveo auf eine Kombination aus fixer Pacht und Erlösbeteiligung – ohne ei- genes Investitionsrisiko für die Höfe. Finanziert werden die Anlagen durch Diveo selbst oder ausgewählte Investoren, meist große Energie- versorger. Das Freiburger Start-up beschäftigt aktuell acht Mitarbeiter. Der Umsatz wächst: vom vier- stelligen Bereich im Gründungsjahr über fünf- stellig im Folgejahr bis hin zu sechsstellig 2025. Bis Ende 2027 will Diveo Projekte mit über 100 Megawatt Erzeugungs- und Speicherleistung zur Baureife bringen. Daniela Santo Doppelte Ernte Agri-PV bringt die Energiewende auf die Felder. Das Freiburger Start-up Diveo macht aus einer Fraunhofer-Idee ein Geschäftsmodell und bringt Solarbauern und Investoren zusammen. Diveo in Freiburg Diveo Gründer: Kai Klapdor, Oliver Hörnle, Niklas Kreifels, Jannis Rapp Gründung: 2023 in Freiburg Branche: Energie/Agrar Webseite: diveo-energy.com Fotos: Fraunhofer ISE; Diveo Wirtschaft im Südwesten 1/2026 16 Kai Klapdor hat mit Diveo schon das zweite Spin-off aus dem Fraunhofer ISE aufgebaut. Sein erstes Spin-off Enit ging 2014 an den Start, 2022 hat Klap- dor es verkauft.
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