Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 1/2026 14 Krankheiten einfacher erkennen: Poly-Dtech verfolgt das Ziel, Biomarker – also Moleküle, die auf eine Krankheit oder eine biologische Re- aktion hinweisen – schneller, kostengünstiger und einfacher nachweisbar zu machen. Das Straßburger Biotechnologie-Start-up entwi- ckelt biologische Nachweistests auf Basis einer innovativen Technologie mit fluoreszierenden Nanopartikeln. Auch auf dem deutschen Markt ist Poly-Dtech inzwischen vertreten. „Unsere Technologie bietet zwei Vorteile: Zum einen ermöglicht sie Mix-and-Read-Tests, die in einem einzigen Schritt ohne komplexe Handgriffe durchgeführt werden können“, er- klärt Joan Goetz, der Kopf hinter Poly-Dtech. Zum anderen werdeMultiplexing möglich – der gleichzeitige Nachweis mehrerer Biomarker in derselben Probe. „Diese Methode nennt sich TR-Fret-Multiplexing. Sie ist eine auf demMarkt einzigartige Technologie, eine bahnbrechende Innovation im Bereich der biomedizinischen Forschungstests und ein wahrer Gamechan- ger“, sagt Goetz. Zweiter Standort in Hongkong Die Idee für das 2019 gegründete Start-up ent- stand direkt aus seiner Doktorarbeit an der Uni Straßburg, wo er diese Technologie gemeinsam mit seinem Partner Loïc Charbonnière entwi- ckelt hat. Unterstützung erhielten die beiden vom Inkubator Semia, der Universität Straßburg, verschiedenen Forschungseinrichtungen, der Region Grand Est, der staatlichen Investitions- bank BPI France sowie der elsässischen In- dustrie- und Handelskammer. Da ein Teil der Doktorarbeit in Hongkong entstand, ist dort ein zweiter Standort entstanden, der das Tor zum asiatischen Markt öffnet, wo die biomedizini- sche Forschung regelrecht boomt. Corona-Pandemie als Booster Aktuell beschäftigt Poly-Dtech sechs Mitarbei- ter. „Wir sammeln aktuell 7,5 Millionen Euro fri- sches Kapital ein, umunsere internationale Ent- wicklung zu beschleunigen. Ziel ist es, in den nächsten vier Jahren etwa 40 neue Talente ein- zustellen“, soGoetz. Während der Corona-Pan- demie hat das Start-up mehr als eine Million Schnelltests verkauft und damit einen Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt. „Dieser Erfolg war das Sprungbrett für die Finanzierung und Entwicklung unserer Technologie.“ Die neuartigen Biomarker-Tests kamen Ende 2024 auf den Markt und befinden sich derzeit in einer starken Wachstumsphase. Eingesetzt werden sie in Forschungslaboren, Pharma- und Biotechunternehmen sowie Auftrags- forschungsinstituten – mit den Schwerpunkt Onkologie und chronische Entzündungen. Aktuell werden neue Produktreihen etwa für Neurowissenschaften und Herz-Kreislauf- Erkrankungen entwickelt. Lang- fristig möchte sich Poly-Dtech in Richtung In-vitro-Diagnostik weiterentwickeln, um Tests di- rekt für Patienten anzubieten. Über die Produkte für menschliche Gesundheit hinaus plant Poly-Dtech, die Technologie auch an andere Anwendungs- bereiche anzupassen, wie Tiergesundheit, Umwelt oder Le- bensmittelanalyse. AnetteWeigold Lichtblick für die Diagnostik Die Schnelltests von Joan Goetz sind ein Gamechanger in der biomedizinischen Forschung. Mit fluoreszierenden Nanopartikeln machen sie Biomarker und damit mögliche Krankheiten sichtbar. Poly-Dtech in Straßburg Poly-Dtech Gründer: Joan Goetz Ort: Straßburg Gründung: 2019 Branche: Biomedizinische Forschung Webseite: poly-dtech.com Biomarker-Spezialist Von der Doktorarbeit zum bahnbrechenden Start-up in der biomedizinischen Forschung: Joan Goetz, Gründer von Poly-Dtech Foto: Poly-Dtech
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