Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 - Hochrhein-Bodensee
Hochrhein-Bodensee 1/2026 42 Mario Calderon steht zwischen Stapeln von Kartons in der Sanaa-Halle von Vitra in Weil am Rhein. Der 54-Jährige bestückt gerade eine Palette. Seit 2019 ist er als angelernte Kraft bei Vitra. Doch das möchte er ändern und ist des- halb einer von neun Teilnehmern einer Qualifi- zierungsmaßnahme. Das Ziel ist die Prüfung zur Fachkraft Lagerlogistik bei der IHK Hochrhein- Bodensee. Die Gruppe, die sich im Herbst 2025 gefunden hat, ist eine besondere: Denn sie kommt aus zwei Unternehmen – von Vitra Services und von Work in Progress Textilhan- del, hinter der Carhartt steckt. Den Impuls für die Qualifizierung über Unternehmensgrenzen hinweg gab Vitra Anfang 2025. Wenn Prozesse sich ändern Die Weiterentwicklung von Mitarbeitern ist Teil der Vitra-Philosophie. Zum einen, um Mitarbei- ter zu halten, zum anderen, weil sich Arbeits- prozesse ändern und neue Verantwortlich- keiten entstehen. Das sei für Beschäftigte, die das deutsche Ausbildungssystem durchlaufen haben, kein großes Problem, sagt Linh Kramer, Vitra-Personalverantwortliche. Für Menschen mit Migrationshintergrund oder Quereinsteiger schon. „Und an die richtet sich das Qualifizie- rungsangebot über sechs Module“, ergänzt Sina Eberhardt, die das Projekt bei Vitra mit Ka- tharina Prommersberger begleitet. Bei Carhartt ist es Vera Bauer. Zeichen der Anerkennung Der Bedarf ist groß, sagt Andreas Kreßler. Der Vitra-Logistikmanager steht hinter dem Pro- jekt, „da ich es als große Chance für uns und unsere Mitarbeiter betrachte“. Die Möglichkeit der Qualifizierung sei sowohl Zeichen der An- erkennung als auch ein Signal für die Zukunft, „weil sie Perspektiven schafft“. Die Bereitschaft der Verantwortlichen ist wichtig, unterstreicht Linh Kramer: Schließlich fehlen die Teilnehmer regelmäßig eine ganze Woche für den theore- tischen Teil. Für Arberore Prenku, IHK-Ausbildungsberate- rin, ist die Kooperation eine Idee, die auch für andere sinnvoll sein könnte. „Denn nicht jedes Unternehmen hat genügend Interessenten für eine solche Qualifizierung.“ Die Qualifizierung ist in sechs Module aufge- teilt. „Nach jedem Modul gibt es eine Kompe- tenzfeststellung“, erläutert Prommersberger. Die Module sind denen der Regelausbildung ähnlich. Die Prüfung „ist für alle gleich, nur der Weg unterscheidet sich.“ Zu diesem gehören flankierende Angebote wie Gespräche oder ein Adventskaffee, bei dem die Familien ein- geladen waren. „Deren Unterstützung ist ein entscheidender Baustein für den Ausbildungs- erfolg. Deshalb war es uns wichtig, die Familien mitzunehmen und zu vermitteln, was hinter den intensiven Lernphasen steckt“, so Sina Eberhardt. Wenn alles nach Plan läuft, ist die Abschlussprüfung in drei Jahren. Mario Calde- ron ist schon ein bisschen nervös. „Ich möchte ‚mein‘ Unternehmen nicht enttäuschen.“ Patrick Merck Im Doppelpack klapptʼs Nicht genügend Teilnehmer für eine Qualifizierungsmaßnahme? Carhartt und Vitra gehen es gemeinsam an und sammeln dabei nur positive Erfahrungen. Teilqualifizierung Großes Ziel: In drei Jahren will Mario Calderon die Prüfung zur Fachkraft für Lagerlogistik bestehen. Foto: Patrick Merck
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