Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'26 - Hochrhein-Bodensee
Hochrhein-Bodensee 1/2026 35 Ihr IHK-Ansprechpartner Geschäftsführer Alexander Graf, Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik, 07622/3907-213, alexander.graf@konstanz.ihk.de Alle Zahlen aus der Konjunkturum- frage finden Sie online unter: veau. Zwar bewerten nur noch 23 Prozent von ihnen ihre Lage als gut, dafür ist der Anteil derer gesunken, die ihre Situation mit „schlecht“ be- ziffert haben – und zwar auf 15 Prozent. Wie sieht es mit dem Auslastungsgrad aus? Nicht so gut. Er ist im Vergleich zum Herbst 2025 erneut gesunken auf jetzt 80 Prozent. Damit liegt er leicht über den 77 Prozent für Baden-Württemberg, aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent. … und wie mit den Umsätzen? Bei fast der Hälfte aller Produktionsbetriebe im Kammerbezirk sind die Umsätze – verglichen mit dem Vorjahresquartal – rückläufig. Sind die Aussichten wenigstens positiv? Wenn man auf die Tendenz imAuftragseingang schaut, gibt es ein wenig Hoffnung. Gaben im Herbst noch deutlich mehr Produktionsbetrie- be einen Rückgang von Auftragseingängen an, so hat sich dieses Verhältnis zum Jahres- wechsel ausgeglichen. Jeweils rund 19 Prozent berichten von steigenden oder fallenden Auf- tragseingängen. Bei der Mehrzahl ist der Auf- tragseingang gleichbleibend. Wie sieht es beim Export-Geschäft aus? Die Exporterwartungen werden signifikant bes- ser eingestuft. Hier verdoppelt sich der Anteil der Unternehmen, die steigende Exporte prog- nostizieren, von 13 auf 26 Prozent. Parallel geht der Anteil derer, die mit sinkenden Auslandsge- schäften planen, von 27 auf 17 Prozent zurück. Trotz der Unwägbarkeiten im internationalen Warenaustausch durch Zölle und andere mög- liche Einschränkungen. Gibt es solche positiven Tendenzen auch im Handel? Leider nein. Die Einschätzung der Händlerin- nen und Händler ist weiter sehr von Zurückhal- tung geprägt. Im Frühjahr 2024 sprachen nur acht Prozent der Handelsunternehmen von einer guten Geschäftslage, diesmal sind es 15 Prozent. Das klingt doch positiv. Im Prinzip schon, aber die Zahl der Betriebe, die von einer schlechten Geschäftslage be- richten, hat sich gegenüber dem Vorjahr auf 41 Prozent nahezu verdoppelt. Dazu kommt, dass bei 57 Prozent der Händler dieUmsätze gegen- über demVorjahresquartal gesunken sind. Dies bereitet mit Blick auf das abgelaufene Quartal Sorge, weil das Weihnachtsgeschäft einen gro- ßen Teil zumGesamtumsatz im Handel beiträgt. Wie sieht es beim Kaufverhalten aus? Die aktuelle Tendenz ist wenig erbaulich. Drei von vier Händlern sprechen von einem zu- rückhaltenden Kaufverhalten der Kunden, nur ein Viertel beschreibt es als saisonüblich. Von Kauffreudigkeit wird nicht berichtet. Wenn wir nochmal den Blick aufs große Ganze richten: Was könnte sich in Sachen Arbeitsplätze und Beschäftigung tun? Da ist wenig Bewegung zu spüren. Der mit 61 Prozent überwiegende Teil unserer befrag- ten Unternehmen geht von einer konstanten Anzahl beschäftigter Personen aus. Etwas mehr als ein Viertel kann sich einen Stellen- abbau vorstellen. Nur etwa zwölf Prozent aller Unternehmen rechnen aktuell mit zusätzlichen Einstellungen. Und wie wird angesichts des schwierigen Umfelds mit Investitionen umgegangen ? Da sind dieUnternehmen weiter zurückhaltend. Sie bleiben weiter deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten keine Investitionen vornehmen wollen, hat sich auf Jahressicht bei rund 15 Prozent eingependelt. Mehr als ein Drittel will weniger investieren, und 39 Prozent in etwa so viel wie im Vorjahr. Wichtigste Investitions- felder sind die Ersatzbeschaffung, Maßnahmen zur Digitalisierung sowie Rationalisierungsmaß- nahmen im Produktionsbereich . Interview: Patrick Merck Alexander Graf, Leiter Standortpolitik „Es sind erste Anzeichen zu erkennen, dass die Talsohle durchschritten sein könnte.“ Grafiken: IHK Hochrhein-Bodensee; Foto: www.stock.adobe.com/Grispb
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