Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 -Südlicher Oberrhein

Industriell nutzbare Enzyme gelten als so etwas wie der Zaubertrank für die Zukunft. Denn Mo- lekularbiologen entwickeln und züchten inzwi- schen Mikroorganismen, die wie winzig kleine Fabriken arbeiten – und buchstäblich aus dem Nichts Gold machen. Mal geht es um Sugar Reduction, mal um Milchproteine ohne Euter für die Lebensmittelindustrie, dann wieder um Proteine für Recycling-Prozesse und das Auf- spalten von Kunststo†en. All das macht weiße Biotechnologie möglich – und eines dieser Un- ternehmen sitzt seit Herbst in O†enburg: Picea. 2022 in Ohlsbach gegründet, schon 32 Mitar- beiter stark und ein gefragter Partner von gro- ßen Konzernen. Denn Picea will nicht erst Mi- kroorganismen entwickeln – sie haben schon drei Stämme in ihren Stahltanks und Petrischa- len: ein Pilz, eine Hefe, ein Bakterium. Picea ist aus vielerlei Hinsicht besonders. Sie sind die ersten mit einem S1-Labor samt Rein- raum in einem Vollholzgebäude. Zudem ist die Firma mit ihren 450 Quadratmetern Labor™ä- che und Technik imWert von einigen Millionen Euro bootstrapped und eben nicht mit exter- nemGeld aufgebaut. Damit ist man in der Bran- che weit und breit der Einzige. „Naja, wir haben halt unsere Kosten im Gri†“, sagt Daniel Heid, der in Harvard und Heidelberg studiert hat, seit Jahren Labore leitet und im Zweifel auch mal einen Fermenter selbst umbauen kann. Mit To- bias Stadelmann (Cambridge-Absolvent) und demOffenburger Hochschulprofessor Thomas Eisele hat man Picea gegründet – und stapelt gern tief. Nicht überpacen! Bloß nicht die Feh- ler vieler anderer wiederholen, die zu früh auf dicke Hose gemacht haben und dann schei- terten. Denn Biotechnologie ist keine einfache Branche. Längst nicht alle Betriebe überleben die ersten drei Jahre, erreichen den Proof of Concept oder bekommen für ihre Mikroorga- nismen auch wirklich eine Zulassung. Picea Biosolutions ist da längst weiter. Die Of- fenburger entwickeln hoche§ziente Mikroor- ganismen, Enzyme und biologische Prozesse, die Unternehmen aus Europa und den USA bei der Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Die Anwendungsfelder reichen von der Nahrungsmittel- über die chemische Industrie bis hin zur Energiewirtschaft, wo bio- logische Lösungen zur CO¨-Reduktion und klimafreundlichen Optimierung von Herstel- lungsprozessen beitragen. Und warum O†enburg? Wegen der nahen Hochschule, der guten Anbindung und dem Vertrauen der Stadt ins Team, als die Mole- kularbiologen, Bio-Informatiker und Bio-Ver- fahrentechniker noch in einer unscheinbaren Ohlsbacher Industriehalle forschten. ut Die biologische Lösung Das O enburger Start-up Picea entwickelt hoche ziente Mikroorganismen, deren Proteine in Europa und den USA sehr gefragt sind. Denn erst sie ermöglichen wirklich nachhaltige Produktionsprozesse. Picea Biosolutions Picea Biosolutions Gründer: Daniel Heid, Tobias Stadelmann, Thomas Eisele Gründung: 2022 Branche: Biotechnologie Webseite: www.picea.bio Fotos: Jigal Fichtner; Hyperheat; Querdenker Engineering Wirtschaft im Südwesten 12/2025 60 Hier ist Leben drin! Die O†enburger Molekularbiologen Daniel Heid (l.) und Tobias Stadelmann in den Laborräumen von Picea, wo neue Mikroorganismen entwickelt werden.

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