Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Das letzte Häusle Seit 1888 wird bei Conrad Braun mit Holz gearbeitet. Als in den 1950er-Jahren die industrielle Massenproduktion von Möbeln begann, verlegten sich die Spaichinger auf Särge und sind heute einer der führenden Anbieter. Unternehmen mit Sinn und Wirkung A uch wenn der Werksto der gleiche ist: Särge werden ganz anders gemacht als Möbel. Nicht rechtwinklig, sondern konisch. Das hat mit der Form des menschli- chen Körpers zu tun, vor allem aber mit stati- schen Anforderungen wie dem Erddruck. Denn ein Sarg muss bis zu sechs Tonnen Gewicht aushalten, ohne nachzugeben. Das ist wichtig, weil der Leichnam in ihm geschützt und von Luft umhüllt sein soll. Für Heike Braun, die Geschäftsführerin von Conrad Braun und Sohn, sind solche Themen Alltag, denn sie leitet einen der letzten großen deutschen Sargbaubetriebe. Ein Familien- unternehmen, in dem neulich die Kinder mal feststellten: „Unsere Särge sehen aus wie kleine Häusle.“ Und genau so sei es auch, sagt Heike Braun: „Ein Sarg ist das letzte Häusle.“ Vielfalt und Individualität sind für die Spaichin- ger Sargbauerin wichtig. DieGestaltung für den letztenWeg soll passen zum Leben und ein ge- bührender Abschied sein, ist die Unternehme- rin überzeugt. Weil es um emotionale Dinge geht, legt sie viel Wert auf die Gestaltung. Daher entwirft Heike Braun auch alles selbst. Da gibt es beispiels- weise ein Goldherz auf dem Sarg und die An- gehörigen bekommen ein Herz aus Holz als Kerzenständer, der die Erinnerung wachhält. Oder es gibt Rosenquarz auf dem Deckel und ein Herz aus Rosenquarz für die Trauergäste. „Wir versuchen, den Menschen etwas zu bie- ten, das ihnen hilft, ihre Trauer zu bewältigen“, sagt Braun. Auch die verschiedensten Farben sind daher möglich. Etwa eine Woche brauche der Hersteller, um den Lack zu produzieren. Mit Magenta wurde bei Conrad Braun und Sohn schon lackiert – aber auch in Marlboro-Rot. Schwarzwald-Baar-Heuberg 12/2025 34 Heike Braun, Geschäftsführerin Conrad Braun und Sohn „Die persönliche Verabschiedung am Sarg bietet einen wertvollen Moment der Nähe und Würde, unabhängig von der Bestattungsform.“
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