Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 12/2025 10 F ür Anja Schröder ist Keramik weit mehr als nur Teller, Becher, Schalen und Va- sen. Sondern Alltags-Glück. Sie halte nicht viel davon, immer auf die großen Ereig- nissewie den nächsten Urlaub zu warten. Men- schen bräuchten auch kleine, schöne Dinge im Alltag, sagt sie. Und diese zu erscha en, sei ihr Antrieb. Vor etwa 15 Jahren zog Schröder des- wegen unter den Zahlen ihres Bankkau rau- Jobs einen Schlussstrich und machte sich mit Lärchenwerk Keramik selbstständig. Auch weil die Selbstständigkeit gut mit der Familie ver- einbar war. Zuvor hatte sie sich lange im Töp- ferhandwerk fortgebildet. Sie stellte sich eine Drehscheibe ins Souterrain des Familienheims in Steinen bei Lörrach und einen Brennofen in die Garage. Und fand Erfüllung. „Ich würde sagen, Sinnhaftigkeit, Schönheit und Verbundenheit sind drei Dinge, die wir in unserer digitalisierten Welt nicht ersetzen können. Und alle drei verbinde ich mit meiner kleinen Selbstständigkeit.“ Die Keramikerin sagt: „Ich möchte genau das fördern: dass wir uns begegnen, dass die Menschen die Produkte anfassen können, dass wir uns ins Gesicht gu- cken. Ich glaube, diese Dinge sind nicht ersetz- bar und werden in Zukunft ein großer Skill sein.“ Ihre Produkte verkauft sie deshalb hauptsäch- lich auf Kunsthandwerkermärkten oder in ihrer Werkstatt. Eben da, wo sie mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht ins Gespräch kom- men kann. Denn danach ist die Sehnsucht der Menschen groß, ist ihr Eindruck, in einem All- tag, der sich für viele immer mehr isoliert vor dem Bildschirm abspielt. Noch vor ein paar Jahren hatte die Keramik ein angestaubtes und biederes Image. Inzwischen aber ist Steinzeug über alle Altersgruppen hinweg ziemlich angesagt. Vielleicht, weil der Trend zum Weniger-ist-mehr geht, überlegt Schröder: weniger industriell hergestellte Per- fektion, mehr Individualität und Nachhaltigkeit (sogar spülmaschinenfest). „Man kauft nicht mehr das 24-teilige Service, man kauft sich die Lieblingstasse.“ Und noch eine und noch eine, auch wenn am Ende kein Teil im Schrank dem anderen gleicht. Durch das Töpfern hat Anja Schröder die Kre- ativität entdeckt, die in ihr steckt. Und noch mehr. „Ich habe wahrscheinlich die größte Frustrationstoleranz gelernt beim Üben.“ Und sie lernte Gelassenheit. Keramik herzustellen ist aufwendig und mit mindestens vier Wochen Dauer pro Gefäß langwierig. „Man kann das kaum beschleunigen und das ist gar nicht so leicht auszuhalten.“ Weder für sie noch für ihre Kunden. Das betri t das Drehen („Je schneller Der Ton macht die Musik Anja Schröder tauschte einst ihren Bankjob gegen das Töpferhandwerk. Seither scha t sie für sich und ihre Kunden Alltags-Glück durch schöne Dinge und echte Begegnungen. Lärchenwerk Keramik Fotos: Jigal Fichtner „Sinnhaftigkeit, Schönheit und Verbundenheit sind Dinge, die wir in unserer digitalen Welt nicht ersetzen können.“ Anja Schröder, Lärchenwerk Keramik

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5