Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee
Wirtschaft im Südwesten 12/2025 07 M ut macht erfolgreich. In Schiltach kann man sich davon überzeugen, wenn man ein Interview mit Isabel Grieshaber bekommt. Das ist nicht so ganz ein- fach, denn die 46-Jährige steht eigentlich un- gern im Rampenlicht und als Ernst & Young sie zur Unternehmerin des Jahres kürte: Puh, das war schon arg. Denn eigentlich möchte Isabel viel lieber mit ihrer Vega Family Zeit verbringen, dieser 2600 Menschen zählenden Gemein- schaft, die Messgeräte, Füllstands- und Druck- sensoren entwickelt und baut. 700 Millionen Euro Umsatz, acht bis zehn Prozent Wachstum in einem normalen Jahr. In den USA hat die Vega Family geradedie Fertigung verdoppelt, in China ein neues Werk gebaut – jetzt ist Kup- penheim an der Reihe. Im Murgtal soll in zwei Bauabschnitten ein neues Werk mit bis zu 1000 Arbeitsplätzen entstehen, gut 300 Millio- nen Euro wird man dafür investieren. Aber wie geht das? Wie macht Vega das in die- sen Zeiten, in denen so viele jammern, klagen und im Zweifel sogar noch beimObstkorb oder dem Wasser im Konferenzraum sparen? Um das zu beantworten, muss auch Isabel ein biss- chen ausholen – und die Unternehmenskultur der Vega Family erklären. „Das wichtigste Gut einer jeden Firma sind dieMitarbeiter“, sagt sie. „Produkte innovieren – das geht nur mit guten Leuten. Und eine anhaltend hohe Performance bringen nur Mitarbeiter, die glücklich sind.“ Da- her setzt man bei Vega auf Werte, hat gemein- same Ziele und tri¤t sich persönlich. Der GM aus Australien, die Reinigungsfrau aus Asien, dieWerker: Alle waren unlängst nach Deutsch- land eingeladen, zu Home of Values. Lern die Vega kennen war das Ziel und dafür wurden Titel und Status am Eingang abgegeben. Das Ziel: sich auf Augenhöhe austauschen, ein ge- meinsames Kulturverständnis entwickeln. Wertschätzung zum Anfassen Parallel dazu investiert Vega in Architektur und analoge Assets. Nach und nach sind gemein- sam mit der Partner AG aus O¤enburg diverse Gebäude in Schiltach modernisiert worden. Und dabei ging es eben nicht in erster Linie um Energiee§zienz – sondern ums Wohlfühlen. Ganz ähnlich hält es Isabel Grieshaber mit den anderen Standorten. Ob nun Südafrika oder Singapur: Die Teams vor Ort dürfen entschei- den, was für sie am besten ist. Wie sie arbeiten wollen. Budget? No limit. Einzige Einschrän- kung: keine Einzelbüros und nicht alles in Gelb, weil die Firmenfarbe durch Prospekte und Pro- dukte eh schon vertreten ist. „Gute Architektur als dauerhafte Wertschätzung“, sagt Architekt Michael Stoz von der Partner AG dazu, der die Co§ces von Vega auf seiner Website promi- nenter platziert hat als die bestimmt höhervo- lumigen Aufträge von Banken und Sparkassen. Kultur braucht Präsenz Ob nun die Pacman-Wand bei den Informati- kern, die Fußball-Liebe bei den Ingenieuren oder der Loft-Charakter mit Vintage-Teppich (ein echter Dachbodenfund): Das alles kommt gut an. „Bei uns sind in der Woche 2,5 Tage mo- biles Arbeiten möglich – aber das nutzen die allerwenigsten“, sagt Isabel Grieshaber. „Die Leute kommen gern ins O§ce.“ Bei Vega «ndet man das wichtig, weil man sich so einer Ge- meinschaft zugehörig fühlt. Homeo§ce oder Präsenz – Stoz und die Part- ner AG haben auf der Suche nach dem idealen Büro Studien erstellt, in enger Zusammenarbeit mit Wirtschaftspsychologen der Uni Freiburg um Ingela Jöns und Irina Monno. „Die Diskus- sionen kennen wir ja alle“, sagt Stoz. „Wo sind Foto: Vega Grieshaber „Es gibt Dinge, die auch Architekten mal vergessen – und eines dieser Dinge ist die Behaglichkeit in Büros.“ Michael Stoz, Vorstand der Partner AG
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5