Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee

Wirtschaft im Südwesten 12/2025 65 Die Stapler sind schneller – noch… Repplinger sieht die Aufgabe von FTS nicht al- lein darin, besser zu sein als klassische Stapler und Ameisen. Im Gegenteil: „Das Tempo eines versierten Staplerfahrers scha¢t vermutlich kein FTS.“ Für ihn geht es eher um die Flexi- bilisierung der Produktion. Ein Paketzentrum etwa, in dem klassisch über Förderbänder sor- tiert werde, sei nicht skalierbar und müsse auf wenige Spitzenlasttage im Jahr dimensioniert werden. Weihnachten oder Black Fridays er- gänzend über sortierende FTS abzufangen, sei da wesentlich wirtschaftlicher. Eines der größten FTS-Projekte hierzulande hat Mercedes-Benz in der neuen Factory 56 in Sindel—ngen umgesetzt, in der die S-Klasse und die E-Limousine EQS gebaut werden. Statt klassischer Fließbänder transportieren hier bis zu 550 mobile Roboter Karossen und Bauteile direkt zumMonteur, was Flexibilität und Skalier- barkeit erhöht und Produktionskosten senkt. Einer, der seit Jahrzehnten an der Entwicklung solcher mobiler Roboter forscht, ist Thomas Schlegel, Institutsleiter Intelligente Interaktive Ubiquitäre Systeme (IIIUS) an der Hochschule Furtwangen. Die nächste Evolutionsstufe sind für ihn „resiliente FTS“, die auch mit unvorher- gesehenen Situationen klarkommen. Schlegel berichtet von Praxisfällen, in denen Mitarbeiter wegen Schneelast eine Halle nicht mehr be- treten durften oder Corona-Regeln befolgen mussten. Steckenpferd des Professors ist die Mensch-Maschine-Interaktion – ein wesentli- ches Element von Industrie 5.0. Sein jüngstes Projekt: ein autonomer Transportroboter, der ab 2027 in Karlsruhe Pakete ausliefern und dabei völlig autark die S-Bahn nutzen soll. Die Koexistenz von Mensch und Maschine Werden also irgendwann autonome Trans- portfahrzeuge klassische Stapler und Ameisen komplett ersetzt haben? Beim Stapler-Herstel- ler Still glaubt man das nicht. Das FTS-Segment wachse zwar überproportional, so eine Spre- cherin, doch nach wie vor sei das klassische Stapler-Geschäft deutlich größer. Still sieht die Zukunft eher in einer Koexistenz von Mensch und Maschine. Beim Kommissionieren etwa Thomas Schlegel von der FH Furtwangen über sein neuestes Projekt „Ab 2027 wird ein Transportroboter in Karlsruhe Pakete ausliefern – und dafür autark die S-Bahn nutzen.“ Alles automatisch Bei Hansgrohe verbindet Kermit Lager und Maschinen (links), bei Sick forscht man derweil nicht nur an fahrerlosen Transportsyste- men, sondern setzt diese Systeme auch immer häu—ger ein.

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