Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee

E in Lowtech-Gebäude für Hightech-Unternehmen: O‹enburg zeigt mit dem Flow 1986, wie gut das zusammengeht. 14 Monate hat es gebraucht, um für 16 Millionen Euro gut 5000Quadratmeter Bruttogeschoss- ¢äche zu erbauen – und nur zwölf Wochen nach der Erö‹- nung ist das Existenzgründerzentrum bis auf sechs kleine Büros auch schon voll belegt. Gut 30 Firmen sind jetzt hier, mit zusammen 200 Arbeitsplätzen. „Wir könnten längst al- les vermietet haben“, sagt Florian Appel. „Aber wir wollen mehr sein als nur ein Bürogebäude und ein Netzwerk auf- bauen.“ Ein Ökosystem für junge Unternehmen, für Grün- der, für Co-Worker, für neue Ideen. Den einen oder ande- ren Ankermieter im Gebäude haben, der verlässlich Miete zahlt: passt. Aber wenn morgen ein Einhorn in spe anklopft, der nächste Burda vielleicht – für den sollte man halt auch noch ein Räumchen haben. Denn als Geschäftsführer der Black Forest Innovation ist Florian Appel in Personalunion Herbergsvater und Netzwerker, Seelsorger und Sparrings- Partner, Pfennigfuchser und Projektentwickler. Da klingelt das Telefon: Beim Brunner gibt es günstig Möbel aus der Ausstellung? Dann nichts wie hin! Die passen doch sicher gut ins Foyer! Was für eine schöne Hand-on-Mentalität… Komplett aus Holz – dem Klima zuliebe Zurück zum Thema Lowtech und Hightech: Tatsächlich hat man beim Flow der Versuchung widerstanden, alle nur denkbare Gebäudetechnik zu verbauen. W-Lan und Netz- werktechnik sind auf dem neuesten Stand – aber wer lüften will, macht das Fenster auf. Von Hand und nicht elektrisch. Es gibt keine Klimaanlage, keine aufwendige Lüftungstech- nik – stattdessen setzt man auf Verschattung durch P¢an- zen, die aber erst noch wachsen müssen. Weniger Technik, weniger Energiebedarf, weniger Baukosten: Beim Flow ist weniger mehr. Das gilt auch fürs verwendete Material: Das fünfstöckige Gebäude ist komplett aus Holz errichtet wor- den und hat eine positive Klimabilanz. Mietpreis pro Quad- ratmeter: 15,50 Euro – inklusive Gemeinschafts¢ächen zur Mitnutzung. Ab 80 Prozent Auslastung ist man so über den Break-even, aktuell liegt man bei fast 100 Prozent. Bloß nicht den Anschluss verpassen Wie gut der Flow im Flow ist, lässt sich abends gut beob- achten. Wenn nach neun in vielen Büros noch Licht brennt, weil die Gründer einfach Drive haben. Picea zum Beispiel, das Biotech-Unternehmen mit 450 Quadratmeter Labor (mehr dazu auf Seite 60) oder die Techis von Querdenker Engineering, die Softwareentwicklung und Elektrotechnik in Embedded-Systems vereinen. „O‹enburgs Gründergeist hat eine neue Heimat“, war dazu in der örtlichen Presse zu lesen und das dürfte vor allem bei OB Marco Ste‹ens und seinemWirtschaftsförderer Marco Butz gut ankommen. Bei- de haben im Vorfeld viel für das Flow geworben, Studien in Auftrag gegeben und ausgewertet. Ergebnis: Auch das wirtschaftsstarke O‹enburg muss aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. „Nachlassende Dynamik“ attestier- te die IW Consult. Und im Prognos-Zukunftsatlas landete OG-City auf Rängen, wo man in der Fußball-Bundesliga Bochum oder Bielefeld erwarten würde… Was im Sport die Sponsoren, sind beim Flow die Mitglieder der Stiftung Technologie und Wirtschaft (STUW), in deren Trägerschaft das Flow verankert ist. Die Stadt ist dabei, der Ortenaukreis, IHK und Handwerkskammer, die Hochschule, Volksbank und Sparkasse, die Steinbeis-Stiftung und die IG Metall. So etwas bringt Rückenwind, auch wenn die Stiftung nicht vergleichbar ist mit der Finanzkraft des Wirt- schaftsbeirats von Nectanet. Und die Zeiten vorbei sind, in denen für Lothar Späth ein HorstWeitzmann oder ein Martin Herrenknecht kurz entschlossen zum Scheckbuch gri‹en, um die Startchancen junger Gründer zu verbessern. „Ich bin total froh, dass es die Stiftung gibt“, sagt auch Florian Appel, der viele Kollegen kennt, die Probleme damit haben, wenn sich die Auszahlung zugesagter ö‹entlicher Gelder Foto: Jigal Fichtner Wirtschaft im Südwesten 12/2025 57 Flow’er Power O enburgs neues Gründerzentrum ist vom Start weg sehr erfolgreich – weil man nicht an der falschen Stelle spart, sondern jungen Unternehmern richtig gute Rahmenbedingungen gescha en hat. Wie genau, das hat uns Florian Appel verraten. Flow 1986

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