Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee
Neue Produktion Die KLS Martin Group hat in Syd- ney, Australien, eine neue Produk- tion erönet (1300 Quadratmeter, fünf Millionen Euro Investition). Neben Jacksonville in Florida ist es der zweite Standort außerhalb Deutschlands, der sich auf die Herstellung sonderangefertigter Implantate spezialisiert hat. Der Medizintechnikhersteller aus Tutt- lingen hat weltweit 2500 Mitarbei- ter und verzeichnete zuletzt rund 430 Millionen Euro Umsatz. Stellenabbau Der Getriebeproduzent Neugart in Kippenheim muss Stellen im dreistelligen Bereich streichen, Kurzarbeit reiche aufgrund der Auftragseinbrüche nicht mehr aus. Jobrad in Freiburg mit aktuell 850 Mitarbeitern muss nach Wachs- tumsjahren ebenfalls Stellen ab- bauen – etwa jede fünfte, also 170. Auch den Schwäbischen Werk- zeugmaschinen (SW) in Schram- berg steht ein Stellenabbau bevor. Wahl schließt Produktion Der Haarschneidemaschinenher- steller Wahl hat angekündigt, seine Produktion in St. Georgen einzu- stellen und sich künftig auf Marke- ting und Vertrieb zu konzentrieren. Damit reagiere man auf veränderte Marktbedingungen, zunehmenden Wettbewerbsdruck und veränder- tes Kundenverhalten. Wie viele der zuletzt 250 Mitarbeiter ihren Job verlieren, ist noch nicht bekannt. Nachhaltigkeitspreis Der 18. Deutsche Nachhaltigkeits- preis (DNP) hat in fünf Kategorien 47 besonders wirksame Lösungen für eine nachhaltige Zukunft prä- miert. Unter den Gewinnern sind auch zahlreiche Unternehmen aus dem Südwesten. Mehr zu den Gewinnern und ihren innovativen Produkten gibtʼs unter: GUTACH. Der traditionsreiche Nähfadenher- steller Gütermann hat angekündigt, seine Pro- duktion in Gutach zu schließen und das histo- rische Betriebsgelände zu verkaufen. Davon betroen sind rund 340 Beschäftigte. Anfang des Jahres hatte das Unternehmen bekannt gegeben, rund 100 der damals knapp 380 Stellen abzubauen. Nun soll einem Bericht der Badischen Zeitung zufolge die gesamte Pro- duktion ins Ausland verlagert werden, bevor- zugt nach Nordafrika. Eine direkte Anfrage zu den Hintergründen der Entscheidung hat das Gutacher Unternehmen bis Redaktionsschluss der WiS unbeantwortet gelassen. Die Textilindustrie in Deutschland steht schon seit vielen Jahrzehnten unter Druck, vor allem weil Anbieter mit niedrigeren Löhnen und bes- seren Kostenstrukturen traditionsreiche Her- steller wie Gütermann vom Markt drängen. Die Probleme bei Gütermann, das vorwiegend Fä- den für Nähbegeisterte, aber auch Textilien für die Industrie fertigt, sollen indes sowohl struk- turell als auch hausgemacht sein. Das 1864 von Max Gütermann gegründete Unternehmen wurde 2014 an den US-amerikanischen Garn- hersteller American und Erd (A&E) verkauft, der als zweitgrößter Nähfadenhersteller welt- weit gilt. Fünf Jahre später entstand in den USA der Textilgigant Elevate Textiles – ein Zusam- menschluss der Textilmarken Burlington, Cone Denim, SafetyComponents, American und Erd sowie Gütermann. Seit November 2024 lenkt Paco Lamas die Geschicke von Gütermann. Der Manager, der selbst seit 2000 für das Un- ternehmen im Elztal tätig ist, folgte auf Jürgen Drescher, der fast 25 Jahre lang im Unterneh- men tätig war. Lamas sollte den angeschlage- nen Nähgarnhersteller sanieren. Ob nun eine Rumpfbelegschaft in Gutach zurückbleiben wird, ist noch fraglich. Sicher scheint, dass der 4600 Einwohner Ort seinen bisher wichtigsten Arbeitgeber verliert. ds Gütermann vor dem Aus Kurz notiert Standort Gutach wird geschlossen Das historische Firmenareal sowie die Gütermann-Villen sind prägend für das Ortsbild von Gutach. Was daraus werden wird, steht in den Sternen. Foto: Andreas Schwarzkopf Wirtschaft im Südwesten 12/2025 55
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