Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee

Zwei Maschinenbauer, eine Saftpresse, die nach Partynächten im Studium oft zum Einsatz kam und die Idee, Gesundheit in Flaschen zu füllen: So begann die Geschichte von Live- Fresh. Heute steht das Unternehmen aus Neu- hausen ob Eck für Premiumsäfte und gesunde Ernährung – und investiert gerade 20Millionen Euro in eine neue Produktionsstätte. „Wir wollten eigentlich nur heraus‰nden, wa- rum es keinen frischen, hochwertigen Saft in der Flasche gibt“, erzählt Mitgründer Simon Storz lachend. Gemeinsammit seinemStudien- freund Benedikt Schellinger entdeckte er wäh- rend des Maschinenbaustudiums in Konstanz die HPP-Technologie – dieses High Pressure Processing macht Lebensmittel eben halt- bar, ohne sie zu erhitzen. Der Saft wird dabei in seiner Endverpackung einem Druck von bis zu 6000 Bar ausgesetzt. „Der extrem hohe Was- serdruck zerquetscht Keime und Bakterien. Vitamine, Mikronährsto–e und Geschmack bleiben erhalten.“ Was ursprünglich aus der Fleischindustrie stammt, haben die beiden auf Fruchtsäfte übertragen – und damit den Grundstein für ihre Erfolgsgeschichte gelegt. Die ersten Flaschen füllten Storz und Schel- linger in der Garage ab. „Nachts haben wir pro- duziert, tagsüber verkauft“, erinnert sich Storz. Die Nachfrage wuchs stetig, bald kam der erste Edeka ins Boot, dann Kau—and, Rewe, Tegut, heute sind die Produkte bundesweit erhältlich. Der eigene Onlinehandel entwickelte sich ins- besonderewährend der Corona-Zeit zumTurbo für das junge Unternehmen. Neubau in Neuhausen ob Eck Inzwischen verarbeitet Live-Fresh jährlich etwa 2500 Tonnen Obst und Gemüse, beschäftigt rund 100 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen mitt- leren zweistelligen Millionenumsatz und platzt an seinen drei Standorten aus allen Nähten. Daher wird gebaut: 7000 Quadratmeter neue Produktions- und Logistik—äche entstehen in Neuhausen ob Eck. „Wir legen dort unsere bis- herigen Standorte Engelswies und Pfullendorf zusammen. Das spart Wege und Energie“, er- klärt Storz. Im Dezember wird Richtfest gefeiert, imAugust soll die Produktion anlaufen – pünkt- lich zum zehnjährigen Bestehen. Live-Fresh ist längst vom Garagen-Start-up zum Hightech-Unternehmen gewachsen. „Hin- ter jedem Saft steckt viel Forschung.“ Die Pro- duktentwicklung leitet mit Ulrike Fischer eine promovierte Lebensmittelwissenschaftlerin, die seit Jahren an neuen Rezepturen feilt. Die HPP- Technologie bleibt das Herzstück: Sie sorgt da- für, dass der Saft sechs bis achtWochen haltbar ist, aber wie frisch gepresst schmeckt. Auch bei der Nachhaltigkeit geht das Unter- nehmen eigene Wege. Die Flaschen bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem PET, produziert in der Region Stuttgart. „Manche Konzerne gehen schon wieder auf zehn Prozent Rezyk- lat runter. Für uns keine Option“, betont Storz. Denn Live-Fresh will beweisen, dass Nachhal- tigkeit und Qualität zusammenpassen. Mit jedem Saft will das Unternehmen Men- schen helfen, bewusster zu leben – angefan- gen von Saftkuren, „unser Hero-Produkt“, bis hin zu gesunden Mahlzeiten. „Unsere Vision ist es, ein ganzes Ökosystem rund um eine gesun- de Lebensweise aufzubauen“, sagt Storz. Dass die Firma trotz ihres Erfolgs in der Re- gion bleibt, ist für ihn selbstverständlich. „Wir sind froh, hier zu sein. Die Region ist technisch stark, wir haben tolle Fachkräfte und künftig sehr kurze Wege. Für unseren E-Commerce haben wir schon ein zweites Büro in München. Sicher wäre Berlin dafür auch spannend, aber wir bleiben lieber da, wo wir verwurzelt sind.“ Daniela Santo Wie frisch gepresst Was in der WG-Küche mit einer Saftpresse begann, ist heute ein Millionenunternehmen: Live-Fresh füllt Gesundheit in Flaschen und setzt dabei auf die Potenziale der Region. Live-Fresh investiert Die Saftexperten Benedikt Schellinger (l.) und Simon Storz setzen auf Regionalität, wo es geht. Die Äpfel etwa stammen allesamt vom Bodensee. Foto: LiveFresh Wirtschaft im Südwesten 12/2025 54

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