Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee

Experten der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) sieht man den Weinbau als zentral für den Tourismus in Südbaden an. Der Weintou- rismus biete ein enormes Potenzial, könne ein zweites wirtschaftliches Standbein für Wein- baubetriebe werden. Eine Studie untersuche derzeit den Wirtschaftsfaktor Weintourismus in Baden. Das Endergebnis steht noch aus, doch erste Ergebnisse seien vielversprechend. „Wein ist hier nicht nur ein Produkt, sondern ein kulturelles Erlebnis – eingebettet in eine Re- gion, die Genuss, Natur und Gastfreundschaft miteinander verbindet“, so STG-Geschäfts- führer Hansjörg Mair. Die Landschaft sei ein wesentlicher Grund, weshalb viele Touristen nach Südbaden kommen. Baden ist drittgröß- tes Weinanbaugebiet Deutschlands – das allein zeige die Bedeutung der Region. Die Badische Weinstraßewerde überregional vermarktet und sei ein starkes touristisches Zugpferd. „Die Ten- denz ist eindeutig steigend – sowohl was die Bekanntheit als auch dieQualität der Angebote betri§t.“ Die Angebote noch weiter voranbringen soll darüber hinaus das von der STG und dem Weinbauverband etablierte Kompetenzteam Weintourismus Baden. Es soll touristische Leuchtturmprojekte rund um den Wein entwi- ckeln und Winzer, Gastronomen und sonstige touristische Leistungsträger vernetzen. Gemeinsam stärker? Klingt alles vielversprechend. Noch sind das meiste allerdings Einzelaktionen statt ge- bündelter Kräfte. Es sei ein Versäumnis, ¢ndet Jose¢ne Schlumberger, „dass gerade in solch einer kritischen Phase, Baden ohne eine zen- trale Weinwerbung dasteht“. Denn: Die Werbe- gemeinschaft BadischerWein GmbHwurde vor zwei Jahren aufgelöst, weil Betriebe die frei- willige Abgabe nicht mehr leisten wollten. Die geplante Einführung einer P ichtabgabe für Winzer ab dem kommenden Jahr, mit der hei- mische Weine besser vermarktet werden soll- ten, wurde kürzlich wegen Kurzfristigkeit noch einmal aufgeschoben. Winzer Matthias Wörner sieht in der Krise selbst auch eine Chance. „Die Krise lässt sich nicht aufhalten. Wir müssen den natürlichen Markt- mechanismen Raum geben und zulassen, dass dieser sich selbst bereinigt, so schmerzhaft es auch für die Branche sein wird. Nur wenn sich Angebot und Nachfrage tre§en, bekommen wir ein gesundes Gefüge. Dafür muss Reb ä- che weichen und dafür müssen Betriebe ihre Produktion einstellen.“ Für ihn bedeute es, das Pro¢l des Hofguts zu schärfen – als einer der nachhaltigsten Weinerzeuger im deutschspra- chigen Raum. Beim Badischen Winzerkeller hat man da grö- ßenbedingt andere Möglichkeiten. Nicht nur reduzierte der Winzerkeller sein Sortiment deutlich und fokussierte auf pro¢table Produk- te und Marken – darüber hinaus holte man sich prominente Unterstützung ins Haus. Seit die- sem Jahr kooperiert der Winzerkeller mit Ralf Schumacher und Kylie Minogue Wines. Weltz: „Marken mit bekannten Gesichtern erzeugen sofort Aufmerksamkeit, bieten Identi¢kations- potenzial und bringen emotionale Geschich- ten mit – all das sind starke Hebel im heutigen Weinmarkt.“ Der BWK-Vorsitzende betont aber auch: „Internationale Kooperationen verstehen wir als Ergänzung – nicht als Ersatz.“ Produkte mit „geringerem Alkoholgehalt“ rü- cken bei BWK ebenfalls mehr in den Fokus. Auch Weinbauverbands-Chef Holger Klein sagt: Gesundheitstrends wie Longevity führten dazu, dass der Absatz alkoholfreier Getränke, und eben auch alkoholfreier Weine, zunehme. Foto: Chris Keller/Schwarzwald Tourismus Wirtschaft im Südwesten 12/2025 50 Der Wein als kulturelles Erlebnis Neben klassischen Weinproben sind inzwischen auch Unimog-Fahrten durch die Weinberge, Heißluftballon- Erlebnisse, Winzerkino im Weinberg, Outdoor Escape Games mit Weinthemen oder kulinarische Highlights wie Fondue im Rebhisli im Angebot.

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