Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee

Jungwinzerin des Jahres 2023 arbeitet zu- sammen mit ihren Eltern im Weingut Schlum- berger in Sulzburg-Laufen. Sie sagt: „Es wird deutlich weniger Wein gekauft – bei uns genau wie bei allen Kollegen, mit denen ich in Kontakt stehe.“ Die Keller seien direkt vor der Weinlese noch recht voll gewesen. Um Platz für den neu- en Jahrgang zu scha§en, hätten viele Winzer Wein sogar o§en verkaufen müssen, teilweise für 50 Cent pro Liter – oder zu Industriealkohol gebrannt. „Weingüter gehen insolvent, große Betriebe kündigen ihre Vertragswinzer, Fami- lien stehen ohne Einkommen da.“ Ein weiteres Problem: Viele Weinbaubetriebe ¢nden in der schwierigen Situation keinen Nachfolger. Es sei „bedrohlich“, sagt auch Bettina Schu- mann, „welch eine große Lobby sich gegen den Weinkonsum stark macht, welche dabei nicht zu bedenken scheint, was alles mit der deutschen Weinwirtschaft in Verbindung be- ziehungsweise in Abhängigkeit steht“. Beispiel Weintourismus. „Davon pro¢tieren Gastrono- mie, Hotellerie, der Einzelhandel vor Ort und es bietet natürlich Arbeitsplätze.“ Schumann be- treibt das gleichnamigeWeinhaus in Bahlingen am Kaiserstuhl, der als sonnenreichstes und wärmstes Weinbaugebiet Deutschlands gilt. Schlumberger weist noch auf ein weiteres Problem hin. „Dass mit dem Alkohol auch das Kulturgut Wein und die dazugehörige Kultur- landschaft vom Verschwinden bedroht sind, darüber wird scheinbar wenig nachgedacht.“ Denn der sinkende Weinkonsum hat Folgen: brachliegende Reb ächen etwa. Weinbau- verbands-Chef Klein: „Diese Flächen stellen tatsächlich ein Problem für uns dar, denn auf nicht bewirtschafteten Flächen können sich Pilzkrankheiten ausbreiten und invasive Schäd- linge ¢nden ideale Bedingungen zur Vermeh- rung.“ Ein weiterer negativer Aspekt solcher Brach ächen ist die Veränderung des Land- schaftsbilds. Um ein Drittel könnten die deut- schen Reb ächen zurückgehen, mutmaßt der Deutsche Weinbauverband. „Wo vorher sanfte Rebhänge waren, ¢ndet man irgendwann nur noch Büsche und Dornenhecken. Diese Ent- wicklung würde sich negativ auf den Tourismus und die Naherholung auswirken“, sagt Klein. Deshalb fordert der Weinbauverband von der Landesregierung eine sogenannte Drieschen- verordnung („Driesch“, Brache), mit der e§ek- tiver als bisher gegen die Ausbreitung dieser Flächen vorgegangen werden könne. Auf Qualität setzen Wenn Aufgeben keine Option – was hilft dann gegen die Krise. „Höchste Qualität und damit einhergehend höhere Verkaufspreise“, glaubt Bettina Schumann. Denn mutmaßlich trinken künftige Generationen zwar etwas weniger Wein, dafür aber hochwertig und regional, ver- mutet auch Klein. Biowinzer Isele kann das be- tätigen: „Das jüngere Publikum sprechen wir gerade in unserer Art Wein zu machen eher an, das bauen wir derzeit aus.“ Wichtig sind auch gutes Marketing, auch über Social Media, und das erfolgreiche Vermarkten über Weinerleb- nisse, sind sich die Winzer einig. Passend dazu haben viele Weinbaubetriebe Ferienwoh- nungen als weiteres Standbein. Auch bei den Foto: Badischer Winzerkeller ; Sabine Ste§ens Wirtschaft im Südwesten 12/2025 49 André Weltz, Badi- scher Winzerkeller Seit 2021 ist André Weltz Vorstandsvor- sitzender von BWK in Breisach. Zuvor war der Betriebswirt Ge- schäftsführer der zu Bitburger gehö- renden Wernesgrü- ner Brauerei. Jose‰ne Schlumberger arbeitet mit ihren Eltern im Weingut Schlumber- ger in Sulzburg-Laufen (Foto links). Die 31-Jäh- rige studierte Önologin war erst Badische Wein- königin, 2015/16 dann Deutsche Weinkönigin und außerdem Jungwin- zerin des Jahres 2023.

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