Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee

R eb ächen liegen brach, Winzer müssen ihren Wein verramschen: Es kriselt im Weinbau. Die Menschen trinken immer weniger Wein. Und eine ganze Branche macht sich Sorgen umdie Zukunft. Denn der Weinbau stellt in Südbaden auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. „Aktuell ist zu beobachten, dass sich der Wein- markt weltweit rückläu¢g entwickelt – wie auch der Biermarkt“, bestätigt Holger Klein, Ge- schäftsführer beim Badischen Weinbauver- band mit Sitz in Freiburg. Die Deutschen haben im vergangenen Weinwirtschaftsjahr pro Kopf noch 22,2 Liter getrunken. 0,3 Liter weniger als im Vorjahr. Bei den Schaumweinen ging der Konsum ähnlich zurück. Zum Vergleich: Noch 2012 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei stattli- chen 25 Litern Wein pro Jahr und Kopf. Ursache für den Rückgang des Weinkonsums sind einerseits demogra¢sche Entwicklungen (die Jungen trinken weniger Wein als die vi- nophilen Älteren), andererseits die unsichere geopolitische Situation und die stagnierende Wirtschaft, die viele sparen und eher zur güns- tigeren Konkurrenz aus dem Ausland greifen lässt. Hinzu kommen Trends wie Longevity. Die Folge ist eineweltweiteÜberproduktion. Immer mehr Wein bleibt in den Kellern der Erzeuger- betriebe und des Handels liegen. Erschwert wird die Lage der Winzer durch stetig steigen- de Produktionskosten (insbesondere die Anhe- bung des Mindestlohns für Saisonarbeitskräf- te) und die Folgen des Klimawandels – neben Starkwetterereignissen auch neue Krankheiten und Schädlinge. In diesem Jahr setzten in Ba- den vor allemdie Hitze und Trockenheit im Juni und Juli den Reben zu, so dass die Weinmost- ernte klein aus¢el, sie lag weiterhin deutlich un- ter dem langjährigen Mittel – die Qualität lässt allerdings auf einen guten Jahrgang ho§en. „Auf unsere Betriebe wirkt sich der aktuelle Konsumverzicht deutlich aus, insbesondere weil er mit stetig steigenden Produktionskos- ten einhergeht“, sagt Weinbauverbands-Chef Klein. „Das gefährdet dieWirtschaftlichkeit vie- ler Betriebe“ – und damit den Wirtschaftsfaktor Weinbau. 2024 gab es in Baden noch mehr als 8500 Traubenerzeuger, von Kleinstbetrieben, die Weinbau im Nebenerwerb betreiben, bis hin zu Großbetrieben mit 20 Hektar und mehr. Rund 450 davon sind selbst vermarktendeUnterneh- men, also Weingüter, Kellereien und Winzerge- nossenschaften. Den sinkenden Weinkonsum spüren nahezu alle irgendwie. Der BadischeWinzerkeller (BWK) ist der größte Erzeugerverbund Badens mit großem Firmengelände am Rand von Breisach, 1300Hektar Reb äche, einMillionenumsatz und -absatz. Konkrete Zahlen zur aktuellen Ge- schäftsentwicklung möchte der Vorstands- vorsitzende André Weltz nicht nennen, gefragt nach dem sinkendenWeinkonsum aber sagt er: „Auch wir sind davon nicht verschont.“ Das Hofgut von Matthias Wörner liegt einge- bettet in die Durbacher Rebhänge. 1,5 Mitar- beiter, fünf Hektar Reb äche. 15 000 Liter Wein füllt das Hofgut pro Jahr ab. Bei Wörners spürt man eine leichte Stagnation innerhalb der ver- gangenen zwei Jahre, nachdem die Nachfrage zuvor stetig gestiegen war. Gedanken um die Zukunft In Achkarren im Kaiserstuhl macht man sich im Bioweingut Isele Gedanken um die Zukunft. Zwar sei die Nachfrage da, sagt Inhaber Bert- ram Isele, doch wo die Reise hingeht, sei eine „Frage, die uns sehr beschäftigt“. Wie dramatisch die Situation wirklich ist, schil- dert Jose¢ne Schlumberger. Die studierte Önologin, frühere Deutsche Weinkönigin und Wirtschaft im Südwesten 12/2025 48 Jose¢ne Schlumberger über die aktuelle Lage im Weinbau „Weingüter gehen in die Insolvenz, große Betriebe kündigen ihre Vertragswinzer, Familien stehen ohne Einkommen da.“

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