Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee
C hristian Keemss nennt es „Analogisie- rung“. Er lächelt. „Das klingt vielleicht ein bisschen seltsam.“ Hinter diesem Begri versteckt sich aber keine Technikfeind- lichkeit. Keemss geht es vielmehr darum, die richtigen Mittel im jeweiligen Unternehmens- bereich einzusetzen. Gemeinsam mit seiner Frau Veronika und Tochter Judith leitet er das Modehaus Schmidt Arkaden in St. Blasien mit insgesamt 1700 Quadratmetern Ladenäche. „Wenn es umdieOrganisation imVerkaufsraum geht, ist mir eine analoge Checkliste lieber, die von jedem Mitarbeiter schnell, einfach und ef- fektiv abgearbeitet werden kann“, sagt Keemss. Eine digitale Archivierung werde im Nachgang angestoßen. Gelebte Umarmungsmentalität Wer als Kunde bei Schmidt Arkaden durch die Tür tritt, wird mit einem Lächeln begrüßt. Die „Umarmungsmentalität“ ist wichtiger Be- standteil im Familienunternehmen. „Sie bringt Kunden dazu, sich bei uns wohlzufühlen und so Stammkunden zu werden – inklusive perso- nalisierter Kundenkarte“, sagt Judith Keemss. Christian Keemss ergänzt: „Selbst sogenannte Digital Nerds nehmen die haptische Kunden- karte gerne an.“ Touristen sind für die Händler und Gastrono- men in St. Blasien ein wichtiges Klientel. Wer hierherkommt, macht das vor allem wegen des „Schwarzwälder Doms“. Und nach der Be- sichtigung? Stadtbummel! Daher sind die zehn Schaufenster wichtig, sagt Veronika Keemss, deren Großvater Gustav Schmidt das Beklei- dungshaus 1933 erönete. „Sie sind unser Aus- hängeschild.“ Mindestens einmal pro Saison lässt das Unternehmen die zehn Fenster von einem externen Gestalter komplett neu de- korieren. Weitere Veränderungen nehmen die Mitarbeiter mit Liebe zum Detail selbst in die Hand. Geschichten hinter Glas „Ein gutes Schaufenster verkauft keine Produk- te, es erzählt Geschichten. Es weckt Emotionen, lässt Menschen stehenbleiben und schat einen Moment der Neugier.“ Das sagt Diana Mosler. Sie ist Visual Merchandiserin und küm- mert sich um das Thema optische Verkaufsför- derung. Anders ausgedrückt: Sie ist Expertin für die Gestaltung von Verkaufsräumen und Schaufenstern und ist überzeugt, dass analo- ges Erleben heutewichtiger ist als jemals zuvor: „In einerWelt, in der nahezu alles digital verfüg- bar ist, wird das Echte und Spürbare zu etwas Besonderem.“ Ein Bestandteil dieser Analogisierung ist das „echte“ Schaufenster. Hier wird nicht durch be- liebig viele Artikel gescrollt, sondern es werden ausgewählte Produkte ins richtige Licht ge- setzt. Das Schaufenster hat eine Aufgabe, sagt Diana Mosler, die zuvor mehrere Jahre als Mo- dedesignerin gearbeitet hat. „Ein Schaufenster ist wie ein Bühnenbild. Es lädt dazu ein, hinein- zuschauen und sich etwas vorzustellen.“ Erleben statt nur shoppen Online-Shopping boomt. Doch der stationäre Handel kann mit etwas anderem punkten: Sinnhaftigkeit. Wie das funktioniert, zeigen drei Beispiele aus St. Blasien, Todtnau und Konstanz. Emotionen wecken Foto: Nischengold/Kokal Hochrhein-Bodensee Regio Energiescouts 33 Wenn Azubis lernen, im Unter- nehmen genau hinzuschauen Jubiläum 34 Die Kliniken Schmieder feiern 75-jähriges Bestehen Runder Geburtstag 35 Pirma Stahl- und Metallbau hat vor 60 Jahren klein angefangen Im Gespräch 36 Katrin Klodt-Bußmann über Optimismus im Angesicht der Krisen Fachkräftemangel 38 Wie Hochschulen Unternehmen unterstützen können Neues Programm 39 Die Weiterbildungsbroschüre 2026 ist da Spatenstich 40 Grieshaber investiert in Rheinfel- den in sein neues Logistikzentrum ERFA-Kreis 41 Wer möchte beim Öko-Audit dabei sein?
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