Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee
Wirtschaft im Südwesten 12/2025 23 reicher – ganz pragmatisch – ums nächtliche Decke Wegziehen nicht sorgen wollen. Einig ist man sich aber bei der Farbe der Bettwaren: Weiß, das wirkt clean. Teils seien auch Creme oder Saphir ein Thema, „aber die Zeiten von Flamingo, Sand und Apricot sind vorbei“. Hach, die 70er. Ein paar Moden und Trends gibt’s eben auch bei der Bettdecke. Der Schlaf im Fokus Das zeigt sich auch bei der Füllung. Waren bei der Bettfedernfabrik einst hauptsächlich Dau- nen und Federn von Gänsen und Enten ein Thema, kamen über die Jahre Synthetikfasern, Naturhaare und Naturfasern dazu. Je nach Vorliebe, Einstellung oder Gesundheitstrend, der auch den Schlaf zuletzt immer und mehr in den Fokus rückte und mit ihm das Equip- ment. Die Nachhaltigkeit spielt heute für viele Kunden eine Rolle – und der Tierschutz. Die OBB-Verantwortlichen versichern, auf beides sehr zu achten, inklusive entsprechender Zerti- zierung. Schweigert: „Uns war immer wichtig, dass für uns kein Tierleid entsteht. Wir verarbei- ten ein Abfallprodukt der Fleischindustrie, das muss man einfach so sehen.“ Umsatzzahlen gibt das Unternehmen nicht raus. Aber man spüre das zurückhaltende Kon- sumverhalten der Menschen. OBB schaut den- noch positiv nach vorne und erweitert derzeit die Produktionsäche. Rund 3,2 Millionen Euro investiert die Mehrheitsgesellschafterin Imes in den Bau von zwei neuen Produktionshallen. Nächstes Jahr soll alles fertig sein. Billigprodukten aus China setzt die Firma hoch- wertige Produkte und Regionalität entgegen. Und Innovationsgeist. Das Dreikammerkissen hat sich die OBB vor etwa 50 Jahren patentie- ren lassen, aktuell den antibakteriell wirkenden Bezug. Man suche immer nach innovativen Sto en oder Füllungen, sagt Roscheck. Aber schlussendlich sei eine Daunendecke halt trotzdem eine Daunendecke – und das hat die- ser Tage doch auch etwas Beruhigendes. se Bewegte Geschichte Wie die OBB nach Lörrach kam: Isaak Klimowski gründete die Firma um 1900 als Erste Ostpreußische Bettfedern- fabrik in Insterburg. Das Unternehmen orierte – dann kamen die Nazis an die Macht. Erzählt wird, dass der dama- lige Gauleiter den jüdischen Unternehmer Klimowski er- presste, die Firma abzugeben. Als die russische Armee nahte, ließ der Gauleiter den Betrieb einpacken und per Güterzug weit weg an die Schweizer Grenze schaen. In Weil am Rhein strandete der Zug – bis ein ehemaliger Mitarbeiter der Ostpreußischen Bettfedern- fabrik von dem Gefährt erfuhr. In Lörrach errichtete er das Unternehmen als OBB Ober- badische Bettfedernfabrik neu – auch Isaak Klimowski hörte davon. Man einigte sich und teilte das Unternehmen: Die Bettfedernfabrik Süd in Maulburg entstand, die OBB blieb mit Klimowski in Lörrach. 1985 übernahm Erich Schwei- gert, seit 2020 leiten dessen Tochter Petra Schweigert und Bastian Roscheck den Betrieb.
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