Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee
Der Zweck heiligt die Mittel 1700 Übernachtungen jährlich verzeichnet das Kloster Maria Bronnen. Doch der Return on Invest im Gotteshaus von Pater Richard hat nichts mit Geld zu tun. Zeit im Kloster E ines stellt Pater Richard gleich am An- fang klar: „Wir sind weder Wellness- kloster noch Übernachtungsbetrieb.“ Dennoch önet das Kloster Maria Bronnen zwischen Ay und Bierbronnen im Landkreis Waldshut immer wieder Gästen seine Türen. Rund 1700 Übernachtungen im Jahr sind es im Schnitt, sagt Pater Richard. Er ist der General- obere, leitet das katholische Kloster mit seinen 20 Brüdern und Schwestern im Haselbachtal. „Wir sind ein Zweckbetrieb“, erläutert der ge- bürtige Frankfurter, der seit mehr als 40 Jahren hier lebt und wirkt. Die Beherbergung von Gäs- ten steht nicht im Mittelpunkt, sie ankiert das Leben im Kloster. „Bei uns gibt es keine festen Übernachtungs- preise. Alle zahlen das, was sie zahlen können oder wollen.“ Damit möchte man auch nanziell schwächeren Menschen den Aufenthalt bei den augustinischen Ordensgemeinschaften im Kloster ermöglichen. Sowohl die Brüder vom Gemeinsamen Leben als auch die Schwestern vom Gemeinsamen Leben haben hier ihren Sitz. Würde man einer Übernachtung inklusive Gemeinschaftsverpegung ein Preisschild an- hängen, so läge man bei 25 bis 30 Euro, sagt Pater Richard. Darüber wird aber meist nur auf Nachfrage informiert. Bei einer Buchung wisse man nie, ob der Aufenthalt nanziell positiv, ne- gativ oder kostenneutral ist. „Das spielt keine Rolle.“ Wer Zeit in Maria Bronnen verbringt, wird Teil der Gemeinschaft und darf sich einbringen – bei der Hauswirtschaft, der Versorgung der Tiere oder der Gartenarbeit. Das sind Wunsch sowie Hintergedanke des Angebots und ist im weitesten Sinn der Return on Invest. Dazu zäh- len auch die gemeinschaftlichen Mahlzeiten, integraler Bestandteil jedes Gästeaufenthalts. Bei den Brüdern und Schwestern geht es um Dialog und Spiritualität – untereinander und mit Gästen. „Sie müssen nicht Mitglied einer Kirche sein, um willkommen zu sein“, erläutert der Ge- neralobere. Klar ist aber auch: „Wir sind ein ka- tholisch geprägtes Kloster und wir leben das.“ Um eine Auszeit in der Gemeinschaft von Ma- ria Bronnen erleben zu dürfen, führt der Weg allein über das Kloster selbst. Auf gängigen Übernachtungsportalen ndet man es nicht. „Sie können nicht einfach zwei Wochen ‚Urlaub‘ bei uns buchen“, sagt der Pater. Beim ersten Besuch gehe es vor allem darum, das System Kloster und Gemeinschaft überhaupt ken- nenzulernen. Zwei oder drei Nächte vielleicht. Kennt man sich, können Aufenthalte auch län- ger sein. „Zu uns kommen Menschen aus ganz Deutschland, aus allen Bevölkerungsschich- ten“, berichtet Pater Richard: Menschen an der Armutsgrenze ebensowieUnternehmer. Sie alle sitzen dann am selben Tisch. Und für alle gilt bei der Anreise das Gleiche: Bitte eigenes Bettzeug mitbringen. mrk Foto: Jigal Fichtner Seit 40 Jahren im Kloster: Pater Richard im Refektorium von Kloster Maria Bronnen, das 1700 Übernachtungen von Gästen zählt – Jahr für Jahr. Wirtschaft im Südwesten 12/2025 17
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