Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 - Hochrhein-Bodensee

Wirtschaft im Südwesten 12/2025 15 Kettenöl und Kaffeeduft Martin Allmendinger hat sein Glück in der Freiburger Wiehre gefunden – zwischen italienischen Retro-Rädern, süßen Cornetti und cremigem Cappuccino. Ca é Bicicletta E s muss alles seineOrdnung haben. Mar- tin Allmendinger lässt da keine Zweifel aufkommen. Groß gewachsen, mit Fred- Perry-Shirt und Cinelli-Kapper steht er an sei- ner chromglänzenden Faema E 61 Jubile und beginnt sein Ritual. „Schon die belgische Rad- sportlegende Eddy Merckx hat für Faema ge- worben“, sagt Allmendinger lächelnd, der in der Freiburger Brombergstraße italienische Renn- räder ebenso verkauft wie süßes Hüftgold – und dazu feinen Ka”ee. Vor demAufbrühen des selbst gemahlenen Ka”ees erst mal ein Schuss heißes Wasser durch die Armaturen. Dann das Sieb mit Material der Mailänder Rösterei Hardy füllen. Aber: „Das Aufschäumen ist die eigentli- che Königsdisziplin“, sagt der Barista. Jedes Mal also eine frische Kanne, frische Bio-Vollmilch und bloß nicht zu viel. Dann kann sich das Er- gebnis auch sehen lassen… Wir sind im Freiburger Gründerzeitviertel Wieh- re. Viele Lastenräder, viele Kinder, viele Cafés. Doch das Ca”é Bicicletta ist ein bisschen an- ders – und eine Institution seit 2013. Damals sind Martin Allmendinger und sein Compagnon mit ihrem Fahrradkurierdienst eingezogen. Seit- dem gibt es hier den Cappuccino am langen Tresen, eine Fahrradwerkstatt und italienische Rennräder der Marken Ciöcc, Casati und Cinelli – alle mit Stahlrahmen und Retrodesign. „Das hat für mich viel mehr Sex-Appeal. Die moder- nen Rennräder sehen heute ja alle gleich aus, Hauptsache High-End und Aerodynamik.“ Seit 2022 betreibt Allmendinger, aufgewachsen in Schorndorf, gelernter technischer Zeichner und seit 1996 in Freiburg, sein Lokal in Eigen- regie, der Kurierdienst ist nun gegenüber. „Ich habe mit vier das Fahrradfahren gelernt“, erzählt er nach eine paar Schluck Cappucci- no. In Freiburg schraubte er früher Computer zusammen, 2005 schwang er sich als Kurier in den Sattel, drei Jahre später übernahm er als Teilhaber das Geschäft. Und hatte schon da eine vage Vorstellung vomCa”é Bicicletta. „Bei mir kommt nichts aus Asien“ Inspiration fand er am Comer See in Tremez- zo und Menaggio, wo er mit seiner Frau gern Urlaub macht. Allmendinger schaute sich die Bars an, knüpfte Kontakte zum Ka”eelieferanten und den Radmanufakturen, alles kleine Fami- lienbetriebe aus Norditalien, aus Bergamo und Monza. Auch Laufräder, Schaltung und Brem- sen kommen von dort, von Campagnolo aus Vi- cenza. Die Idee dahinter: für den Kunden indivi- duell gestaltete Fahrräder bauen. Den Rahmen gibt es ab 2500 Euro, der Endpreis beginnt bei 4000 Euro für die einfachste Ausführung. „Bei Foto: Dimitri Dell Radgeber und Barista Martin Allmendinger in seinem Ca”é Bicicletta, wo er glücklich ist – früher schraubte er Computer zusammen.

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