Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
band Bitkom der Schaden für Unternehmen in Deutschland durch Cybercrime 180 Milliarden Euro. Und die Zahl könnte noch höher werden. „Analog zum Bundestrend steigen in Baden- Württemberg die Fallzahlen, die bei der Polizei angezeigt wurden, im Bereich der Cyberkrimi- nalität kontinuierlich an“, so das Innenminis- terium. 2024 seien knapp 15000 Cybercrime- Delikte erfasst worden, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Das Dunkelfeld dürfte höher liegen. Die Bedrohungslage umfasse sowohl Handlungen krimineller Organisationen als auch staatlich motivierte Angriffe. Die Bandbreite der Me- thoden ist groß: von Phishing-Mails über Pass- wort-Kompromittierungen, nicht gepatchte Sicherheitslücken, Malware bis hin zu Vollver- schlüsselungen mit Ransomware und mehr. „Die Hacker verschlüsselten zentrale Systeme und forderten Lösegeld für die Entschlüsse- lung“, so beschreibt es Ralf Butsch, Chief In- formation Security Officer (CISO) der Südwest- Gruppe, der auch die Badischen Stahlwerke angehören. Das Unternehmen, mit 850 Mitar- beitern eines der größten sowie technologisch modernsten Elektrostahlwerke in Deutschland, hatte Glück im Unglück: Der Angriff flog rasch auf. „Da wir als Stahlwerk ein 24/7-Betrieb sind, wurde recht schnell bemerkt, dass einige Ser- versysteme nicht mehr funktionstüchtig waren“, so Butsch. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffs wurde der IT-Notfallplan aktiviert. Die betroffenen Systeme wurden vom Netz ge- trennt, ein Krisenteam unter Leitung der Ge- schäftsführung gebildet, externe IT-Forensiker hinzugezogen und die Strafverfolgungsbehör- den sowie der Landesdatenschutzbeauftragte eingeschaltet. „Gleichzeitig haben wir unsere Kunden und Partner transparent über den Vor- fall informiert.“ Ähnlich lief es beim Greentech-Unternehmen Wehrle in Emmendingen. Dort war es IT-Leiter Marcus Burger, der an einem Samstag im Mai 2024 wie jeden Tag die Systeme des Unterneh- mens für Anlagenbau checkte und feststellte, dass die nicht mehr wie gewohnt funktionier- ten. Innerhalb weniger Stunden waren die nö- tigen Schritte in die Wege geleitet – trotzdem schien zunächst alles verloren. Von den Endge- räten bis zu einzelnen Anwendungen war alles verschlüsselt, erzählt Burger im Videocall. Für die Badischen Stahlwerke hatte der Cy- berangriff weitreichende Folgen für den Be- trieb, obwohl der Angriff früh entdeckt wurde. Butsch: „Ein temporärer, aber umfassender Be- triebsstillstand mit spürbaremwirtschaftlichem Schaden.“ Dank der Hands-on-Mentalität aller Betroffenen und mit viel Papier und Exceltabel- len sei die Produktion bald wieder angelaufen. Nach wenigen Tagen konnte das Unternehmen schrittweise in den Regelbetrieb zurückkehren. Glück im Unglück – oder...? Bei Wehrle schien die Sache zunächst glimpf- lich auszugehen. Die Produktion habe auch ohne IT weiterarbeiten können, erzählt Marcus Fotos: BSW_Miva.TV; Adobe Stock/ Andrey Popov Großproduzent: Die Badischen Stahlwerke produzieren am Standort Kehl mit 850 Beschäftigten bis zu 2,4 Millionen Tonnen Betonstahl für die Bauindustrie in Deutschland und dem angrenzenden Ausland. „In Baden-Württem- berg steigen die Fall- zahlen im Bereich der Cyberkriminalität kontinuierlich an.“ Innenministerium Baden-Württemberg Wirtschaft im Südwesten 11/2025 59 Was Unternehmen tun können Die CSBW unterstützt präventiv und bei verdächtigen Vorgängen oder tatsächlichen Cyberangriffen. Cybersicherheits-Check für KMU IHK Südlicher Oberrhein, Kontakt: Hülya Sevgin, 0761/3858-870, huelya.sevgin@freiburg.ihk.de IHK Hochrhein-Bodensee, Kontakt: Sunita Patel, 07531/2860-126, sunita.patel@konstanz.ihk.de Cybersicherheits-Sprechtage für KMU der IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg, Kontakt: Alexander Rösgen, 07721/922-156, alexander.roesgen@vs.ihk.de Cybersicherheitsnetzwerk IHK Südlicher Oberrhein: 21. November in Lahr
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