Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Schwarzwald-Baar-Heuberg 11/2025 40 Heft war gestern KI dient nicht nur als Instrument in Unternehmen, sondern auch in der dualen Berufsausbildung. An zwei Beispielen wird deutlich, wie die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg schon sehr konkret agiert. KI in der Berufsausbildung K I ist längst ein fester Bestandteil unserer Ausbildung“, sagt Gesamtausbildungs- leiter Andreas Bitzer von Kern Liebers. An 40 Standorten weltweit entwickelt und pro- duziert das Unternehmen mit 6130Mitarbeitern Smart Springs und Smart Parts – also Federn und Bauteile. Am Standort Schramberg werden 63 Auszubildende und Studierende ausgebil- det – und seit eineinhalb Jahren spielt dabei künstliche Intelligenz eine Schlüsselrolle. Besonders sichtbar wird das beim digitalen Berichtsheft: Einträge lassen sich per Sprach- eingabe ins Smartphone diktieren – in Mutter- sprache oder einfachem Deutsch. Die KI wan- delt sie in Sekunden in fehlerfreie Texte um, die direkt dem Ausbilder vorliegen. So gelingen auch Azubis mit geringen Deutschkenntnissen sprachlich korrekte Bericht, gleichzeitig ver- bessern sie ihre Sprachfähigkeiten. Auch Mut- tersprachler profitieren: „Der Aufwand sinkt für Auszubildende und Ausbilder um rund 80 Pro- zent – dadurch bleibt mehr Zeit für die Inhalte des Berichtshefts und vor allem für die Umset- zung in der Technik“, erklärt Bitzer. Zum Einsatz kommt der Copilot auf Basis von OpenAI- und Microsoft-Technologie sowie ChatGPT. Mit Fotos oder Videos von Maschinen können Lernende Fragen stellen und sofort Antworten erhalten – beliebig oft wiederholbar. Auch Er- innerungen oder Fachfragen lassen sich ein- richten. Besonders hilfreich ist dies bei der Prüfungsvorbereitung: Die eigenen DHBW-Stu- dierenden können sich gezielt auf Klausuren vorbereiten, Auszubildende nutzen die KI bei der Erstellung des betrieblichen Auftrags in der Abschlussprüfung Teil 2 und lernen damit zu- gleich für das Fachgespräch. Und somit bleibt mehr Zeit für die Umsetzung der technischen Projekte! Leistungsparameter anpassen Eines wird klar: KI verändert auch die Bewer- tung einer Leistung. Neben schriftlichen Arbei- ten zählen vor allem Verständnis, Umsetzung und Präsentation. Verwendete KI-Tools müssen genauso wie klassische Quellen dokumentiert werden. „KI ist ein wertvolles Werkzeug, aber junge Menschen müssen lernen, kritisch damit umzugehen“, betont Bitzer. Gleichzeitig steigert ihr Einsatz die Effizienz im Ausbildungsalltag und stärkt die zukünftigeWettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Berufsschulen engagieren sich proaktiv Auch die Berufsschulen reagieren auf den schnell wachsenden Einsatz von KI in den Un- ternehmen. Martin Zwosta, Leiter der Hauswirt- schaftlichen Schulen Donaueschingen (KHS Donaueschingen), hat als Informatiker „das Thema KI schon seit vier oder fünf Jahren auf dem Schirm“. Heute gehöre für ihn der prakti- sche Umgang mit KI zum Grundlagenwissen in der Ausbildung. Zwosta hat deshalb mit Unterstützung der IHK an der KHS für den Ausbildungsgang Mathe- matisch-technischer Softwareentwickler eine KI-Zusatzqualifikation eingerichtet. 17 Auszu- bildende haben die Prüfung dafür schon be- standen. Im nächsten Schuljahr soll die Zusatz- qualifikation auch an den Berufsschulen von Rottweil, Schramberg und Tuttlingen angebo- ten werden. Darüber hinaus wird sie auch für den kaufmännischen und gewerblichen Be- reich bereitgestellt. Johannes Fritsche Schon Azubi-Alltag Andreas Bitzer (m.) hat bei Kern Liebers die KI fest in der Ausbildung verankert.

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