Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 11/2025 30 reich Zusammenschluss und Übernahme von Unternehmen (Mergers & Acquisitions). Aktuell ist man dabei, Full-Service-Standort zu werden, mit allen wichtigen Wirtschafts-Rechtsgebie- ten. Mandatsanfragen gebe es reichlich. Lust auf Neustart Vom Etablierten zumQuasi-Start-up - ein Neu- start, der in der juristischen Welt weit über Frei- burg hinaus für Aufsehen gesorgt hat. Das hat eine besondere Energie freigesetzt. Und das bis heute. Vielleicht auch, weil der Altersdurch- schnitt unter den inzwischen 15 Anwälten bei 30 bis 35 Jahren liegt. „Eine junge Truppe“, freut sich Mayer. Die Jungen bringen gute Stimmung und neue Ideen mit. Vom gemein- samen Grillen auf der Dachterrasse (gut fürs Team) bis zu Business-Partnerschaft mit dem SC-Freiburg (gut fürs Networking in der Frei- burger Wirtschaftswelt). Das Freiburger Team ist auch in der neuen Kanzlei gut angekommen: Mayer gehört seit März 2024 dem dreiköpfigen Leitungsausschuss von Advant Beiten an. Wenn Mayer nicht gerade bei Mandaten, zu Besprechungen oder Konferenzen unterwegs ist, verbringt sie ihre Arbeitstage im Büro. Bei Gericht ist sie nur selten. Sie arbeitet lieber kon- struktiv, in dem sie ein Projekt begleitet und eine Lösung sucht, bevor die Lage festgefahren ist. Mayer ist sich bewusst, dass zum Anwalts- beruf auch gehört, Streitigkeiten vor Gericht auszutragen. Das erfordert aber andere Kennt- nisse und Erfahrungen, weshalb sie gerichtli- che Auseinandersetzungen gerne den erfah- renen Prozessanwälten ihres Teams überlässt. Mayer arbeitet lieber anders: Ihr Ding sind die Strukturen innerhalb eines Unternehmens. Die Psychologie dahinter und das Coaching. Womit wir wieder beim Neustart und beim Gestalten wären. Ihr geht es darum, beimUnternehmens- verkauf zu unterstützen, der für den Verkäufer mit Emotionen verbunden ist, Familienunter- nehmen zu betreuen, die sich zurechtruckeln müssen, oder den Generationswechsel zu er- leichtern. „Wir versuchen, nicht nur rechtliche Berater zu sein, sondern auch zu helfen, mit den Eltern und Kindern an einem Tisch zu sit- zen und gemeinsam eine Lösung zu finden.“ Für so etwas braucht es juristische Kompetenz, Feingefühl und Einfühlungsvermögen. Und eine gewisse Resolutheit. „Ich glaube, die er- wirbt man mit der Erfahrung“, sagt Mayer be- scheiden. Ihre Mandanten kommen aus sämt- lichen in der Region ansässigen Branchen: Maschinenbau, IT, Medizintechnik, Pharma, Zulieferer. Und mit ihnen erhält die Anwältin Einblicke in dieUnternehmen und das, was die- se aktuell beschäftigt. Was sich wiederum auf ihre eigene Arbeit auswirkt. Auch das mag Ma- yer an ihrem Beruf. Beispiel: Ein Unternehmen will nicht mehr in China ausbauen, sondern einen Teil der chinesischen Produktion nach Europa verlegen. „Das ist eine unternehmeri- sche Entscheidung, die geopolitisch geprägt ist und die sich natürlich bei uns auswirkt, weil wir dann Verträge machen mit Grundstücks- eigentümern, Projektentwicklern und anderen Partnern in dem Zielland.“ Unternehmerisches Denken ist auch bei der Tätigkeit von Mayer im Aufsichtsrat von Jobrad gefragt. Bei vielen Un- ternehmen sei aktuell besonders die Nachfol- ge sehr präsent, sagt Mayer. Einerseits sind die Boomer noch am Ruder, andererseits herrscht Nachfolgermangel. Auch Investitionen in die Rüstungsindustrie sind verstärkt ein Thema. „Früher war das ja ein Tabu. Aber seit dem Uk- rainekrieg hat sich dieWelt komplett geändert.“ Und dann noch die Lieferketten. Einfach bei demjenigen kaufen, der’s am besten und güns- tigsten produziert – vorbei. Heute heißt es, da- rauf zu achten, immer mindestens zwei Quellen für ein wichtiges Vorprodukt zu haben, damit keine Abhängigkeiten entstehen. Barbara Mayer arbeitet gern. Aber in ein paar Jahren, wenn sie das Gefühl hat, es geht gut ohne sie, wird sie sich rausziehen aus der Kanzlei. Sie sagt: Über das Danach mache sie sich keine Sorgen. Zu tun gibt es genug. Rad- fahren, Joggen mit dem Hund, ihr Haus in der Provence. Mitgestalten wird sie weiterhin. Sie ist im Stühlinger Bürgerverein, im Vorstand der Freunde des Freiburger Barockorchesters und im Verband der Freunde der Universität Frei- burg. „Ich mache jetzt schon eine Menge eh- renamtlich. Das kann man ausbauen.“ se Angenehme Aussichten: Die Allianz Advant wurde 2021 von drei Kanzleien ins Leben gerufen: Altana in Frankreich, Beiten Burkhardt in Deutschland und Nctm in Italien. Diese internationale Ausrichtung war es, die auch Barbara Mayer reizte. Foto: Jigal Fichtner Barbara Mayer „Wir versuchen, nicht nur rechtliche Berater zu sein, sondern alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen.“
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