Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 11/2025 26 Bloß nicht auf’m Teppich bleiben! Verstaubt, altbacken, miefig – das sind Attribute, die oft mit Teppichhäusern assoziiert werden. Auch deswegen wollte Julia Jordan eigentlich nicht ins Familienunternehmen einsteigen. Doch damit beginnt die Geschichte einer irren Transformation. Die Teppich-Jordan-Story Z wei Jahre Planung und drei Jahre Um- bau liegen hinter Julia Jordan und ihrem Team. Seit wenigen Wochen läuft der Betrieb bei Teppich Jordan in Waldshut in ruhigen Bahnen. Aber es sind andere Bahnen als früher. Aus dem klassischen Teppichhaus ist der Jordan-Campus geworden und wenn man es nicht besser wüsste, würde man glau- ben, dass hier alles abgerissen und neu gebaut wurde. „Wir verstehen uns heute als Erlebnis- welt für Design, Kultur und textile Kunst“, sagt die 33-Jährige. Und das ist nicht nur so daher- gesagt. Jede Woche nutzt ein internationales Business-Netzwerk einen der Räume für seinen Austausch – inklusive Kaffee, Snacks und Key- notes auf der Leinwand. „Das wäre früher nicht denkbar und nicht möglich gewesen“, sagt die Unternehmerin und erzählt die Geschichte ihrer Transformation. Die Projektskizze entstand weder in einer anonymen Beratungsagentur noch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Sie beschreibt vielmehr den Anspruch von Ju- lia Jordan, seit Januar 2022 geschäftsführen- de Gesellschafterin von Teppich Jordan und Nachfolgerin von Mutter Gerlinde Jordan. Ihr Vater Theo gründete den Betrieb 1958. Über Frankfurt nach New York Für Julia Jordan kommt es nach demAbitur am Kolleg in St. Blasien mit seinen Schülern aus aller Welt und den internationalen Einblicken nicht in den Sinn, zurück in ihre Heimatstadt zu ziehen. Sie studiert Management in Frankfurt und New York, wo sie bleibt und für weltweit agierende Konzerne arbeitet. Nebenbei, weil es ihr Spaß macht, kümmert sie sich um die Wer- bung für das elterliche Unternehmen. Zurück nach Waldshut? „Das war irgendwann kein Thema mehr, weil dieWelt in NewYork eine ganz andere ist. Wenn ich an Weihnachten nach Hause kam, fühlte ich mich ins 18. Jahr- hundert zurückkatapultiert.“ Andererseits muss sie feststellen, dass Entscheidungswege in Konzernen deutlich langwieriger sind als in Fa- milienunternehmen. Langsam reifte die Idee, doch zurückzukehren. „Dazu kommt, dass es eine Frau immer noch schwerer hat, Entschei- dungen durchzusetzen, auch wenn wir in einer vermeintlich gleichberechtigten Welt leben.“ Mehr Moderne und KI Noch in New York entwickelt Julia Jordan das Konzept für das Familienunternehmen, das jetzt umgesetzt wurde: „Weg von den traditionellen Teppichen, hin zu zeitgenössischen, handge- knüpften Teppichen, zu eigenen Designs und Kollektionen.“ Auch der Verkauf wurde moder- nisiert. Statt Handmustern und Vorstellungs- kraft sorgt künstliche Intelligenz dafür, dass Räume vorab visualisiert werden. So sieht ein Kunde, wie ein Teppich in seinen vier Wänden wirkt. Doch dafür braucht es das richtige Am- biente und moderne Technik. Zu den ersten Herausforderungen gehörten daher die Sanierung und Umgestaltung des Ladens. Weg vom in den 1960er-Jahren ge- „Wenn ich Weih- nachten heimkam, fühlte ich mich ins 18. Jahrhundert zurückkatapultiert.“ Julia Jordan, zwischen New York und Waldshut
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