Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 11/2025 23 Wieder auf der Spur Vom Mini-Betrieb zur internationalen Logistikgruppe: Transco hat sich in über fünf Jahrzehnten immer wieder neu erfunden. Dabei hat das Unternehmen so manche Krise durchfahren Die Transformation von Transco M an könnte meinen, das Wort Trans- formation steckt auch in Transco, so wandlungsfähig hat sich das Unter- nehmen seit seiner Gründung als Spedition 1970 in Konstanz gezeigt. Auf dem Weg nach oben säumten zahlreiche weltpolitische Kri- sen den Weg, der Betrieb drohte gar, auf der Strecke zu bleiben. Doch heute hat Transco als inhabergeführtes Familienunternehmen eine starke Marktposition als Logistikdienstleister. Transcos Geschichte beginnt mit zwei Mit- arbeitern der ehemaligen Spedition Danzas in Konstanz. Sie gründen Transco; der Name setzt sich aus Transport und Compagnon zusam- men. Die beiden wollen keine Sofa-Spediteure, also reine Frachtvermittler, sein und investieren deshalb schon kurz nach der Gründung trotz geringen Kapitals in ein erstes eigenes Fahr- zeug. Es folgen Jahre des Wachstums und der Expansion. Zollbüro an der Grenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen, Gründung des Standorts in Singen, Niederlassungen in Itali- en, Tschechien und Polen. Gleichzeitig werden die Transportaufgaben immer größer, das Ge- schäftsfeld der Lagerlogistik wird erschlossen und der Güterverkehr über Straße und Schiene zu einer Stärke von Transco – ganz nach Markt und Kundenbedürfnissen. Von der Aushilfe zum Inhaber Dann kommt der 11. September 2001. Die daraus folgenden geopolitischen und sicherheitspoli- tischen Veränderungen führen zu anhalten- den wirtschaftlichen Herausforderungen, von denen die Logistikbranche hart getro en wird. Auch Transco strauchelt. Christian Bücheler, ein ehemaliger Mitarbeiter, der sich mit einer ei- genen Spedition selbstständig gemacht hatte, übernimmt das Unternehmen, in dem er einst als Aushilfe begann, mit einem Co-Investor. Er ist noch heute Inhaber und CEO. Transco überwindet die wirtschaftliche Krise und kann wieder expandieren. Mit der Grün- dung einer Niederlassung in der Ukraine er- ö net sich ein großer Binnenmarkt in Richtung Osten. Auch das Inlandsgeschäft wächst weiter. Nach der Finanzkrise 2008 liegen die Wachs- tumsmärkte für Transco vor allem in Nischen. Mit neu gegründeten Gesellschaften in Lübeck und Berlin-Brandenburg spezialisiert sich die Spedition auf Frachtvermittlungen zwischen Deutschland und den Gebieten der ehema- ligen Sowjetunion sowie auf Transporte von Pharmaprodukten. 2014 verlegt Transco den Hauptsitz von Kon- stanz nach Singen - schweren Herzens. Doch die direkte Anbindung an die Autobahn und die Nähe zum Logistikzentrum in Gottmadingen sprechen für die Verlagerung. Außerdem lässt der Standort Singen eine Erweiterung des Be- triebs zu. Nach dem Brexit steigt der bürokrati- sche Aufwand. In dieser Zeit helfen der Firma ihre Verzollungsexpertise und Erfahrungen mit Englandtransporten. Ab 2021 baut Transco im Logistikzentrum in Gottmadingen das E-Ful llment, die auto- matisierte Abwicklung von Bestellungen aus Online-Shops, als weiteres Geschäftsfeld auf. 2025 unterstützen in dem hochmodernen automatisierten Kleinteilelager 35 Roboter das Kommissionieren von Bestellungen. Das Unternehmen setzt auf Innovation und Nachhaltigkeit: Rund 85 Prozent der grenzüber- schreitenden Warenströme werden im kom- binierten Verkehr aus Schiene und Straße ab- gewickelt. Seit mehreren Jahren setzt Transco Fahrzeuge mit Bio-Flüssiggas- und HVO-An- trieb (Diesel aus erneuerbaren Rohsto en) ein. 2024 wird der eigene Fuhrpark um acht E-Lkw ergänzt. Heute gehören internationale Transportleis- tungen, Kontraktlogistik, E-Ful llment und Verzollung zum Service-Portfolio. Die Transco- Gruppe umfasst 25 Standorte in acht Ländern und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Im Sep- tember 2025 wurde der Spatenstich zum Neu- bau eines weiteren großen Logistikzentrums in Singen gefeiert. E-Lkw von Transco: Acht batterieelektrische Sattelzug- maschinen ergänzen seit 2024 den Transco-Fuhrpark. Foto: Transco
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