Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 11/2025 17 Büro aus dem Fenster über den alten Exerzier- platz und klingt ein bisschen wie ein Stratege. „Es braucht Konsequenz“, sagt er. „Wir haben unseren Turnaround damit geschafft, dass es seit zehn Jahren eine ganz klare Trennung zwischen der Zentrale und dem Service vor Ort gibt.“ Ob in Tuttlingen, Freiburg oder Schram- berg: Vor Ort gibt es immer eine Doppelspitze. Einer verantwortet den Vertrieb, einer den Be- reich Aftersales mit der Werkstatt. Alles ande- re – Personalverwaltung, Marketing, Finanzen, Einkauf, die 550 Auszubildenden – obliegt der Zentrale. „Halbschwanger gibt es bei uns nicht mehr“, sagtWollensak. „Denn wir haben gelernt: Alles, was man nicht konsequent macht, das wird auch nichts.“ Daher wird ein neuer Alphartis-Standort nach einer Übernahme (meist im Zuge einer Nach- folgeregelung oder aus wirtschaftlichen Grün- den) auch konsequent auf links gedreht. Be- triebsintegration heißt das intern. Und dafür machen sich dann 15 Alphartiere für vier Wo- chen auf den Weg, um vor Ort alle Prozesse auf die neuen Standards umzustellen. „Wir haben viele Anfragen derzeit“, sagt Wollensak. „Einzel- betriebe, aber auch größere Häuser mit mehre- ren Standorten.“ Eine Studie des Instituts für Automobilwirt- schaft (IFA) prognostiziert, dass von den aktuell noch 6800 Autohäusern in Deutschland nur gut die Hälfte in fünf Jahren noch am Markt sein werden. Der Strukturwandel im Bereich der Autohändler und -werkstätten trifft vor al- lem die kleinen Betriebe. „120 bis 180 Neuwa- gen oder 200 bis 300Gebrauchte im Jahr sind das Minimum“, sagt Wollensak dazu. „Und für Werkstätten wird es schwer, wenn es nicht we- nigstens sieben Monteure sind.“ Denn: Autos werden immer komplexer, das Nebeneinander von Verbrennern und Elektrofahrzeugen erfor- dert noch mehr Equipment und Know-how. Zu- demdrängen Spezialisten auf den Markt: Auto- glas-Werkstätten oder Lackierzentren, die sich ganz auf bestimmte Arbeiten konzentrieren und dadurch Kostenvorteile haben. Next step: Versicherungen Die Autohandelswelt ist so fragmentiert wie der Konsolidierungsdruck groß. Die Umsatz- rendite: ein Prozent vom Umsatz waren bis Co- rona branchenüblich, inzwischen sind es zwei Prozent – große Investitionen sind aber auch damit kaum möglich. Bei Alphartis ist man da andere Zahlen gewöhnt, sagt Wollensak ohne konkreter zu werden. Nur so viel: Das Eigen- kapital habe man verfünffacht. „Das brauchen wir, denn auch unser Wachstum kostet Geld“, sagt Wollensak, der längst nicht mehr nur im 90-Minuten-Radius rund um Horb Autohäu- ser übernimmt und integriert, sondern auch noch ein neues Geschäftsfeld ins Auge fasst: die VHG, wobei das V für Versicherungen steht. Einstiegsdroge: die Kfz-Versicherung, eh Teil des Leistungsportfolios eines 360 Grad den- kenden Mobilitätsdienstleisters. Künftig aber soll es über die VHG als Makler auch viele wei- tere Versicherungen geben. Privathaftpflicht, Elementar – das volle Programm. Keine Angst vor China Diese Ausweitung der Geschäftstätigkeit habe nichts mit dem Vormarsch chinesischer Auto- bauer in Deutschland zu tun – ganz im Gegen- teil: den sieht Wollensak sehr gelassen. „Vor 15 Jahren dachte man bei Toyota auch noch: Nichts ist unmöglich“, soWollensak. „Aber auch die Japaner haben sich in Deutschland eine blutige Nase geholt und heute wieder deutlich weniger Marktanteile als damals.“ Für Autos aus China sieht er eine ähnliche Entwicklung vor- aus – denn der deutsche Automarkt sei anders als viele andere Märkte. „Deutschland ist ein Leasingland“, sagt Wollensak. Während man in Frankreich und anderswo Autos traditionell kaufe, werde in Deutschland weit überwiegend geleast oder finanziert. Wollensak: „Und wenn dann der Restwert schlecht ist, spielen auch 20000 Euro mehr Neupreis bei der Leasing- rate oft kaum eine Rolle.“ Dass der Großteil der chinesischen Marken weder über ein Händler- noch über ein Werkstattnetz verfüge, spiele ebenfalls eine große Rolle. Wollensak: „Ich glau- be, dass wir eher noch eine Filiale in Basel auf- machen und in der Schweiz Fuß fassen wollen, als dass wir uns noch eine chinesische Marke ins Haus holen.“ Ulf Tietge Alphartis-Vorstandschef Albrecht Wollensak: Der Autohandels-Riese mit inzwischen 50 Standorten im Südwesten wächst Jahr für Jahr zweistellig – und das, während die Branche schrumpft. „Chinesische Autos in Deutschland? Nun, Toyota dachte auch mal: Nichts ist unmöglich…“ Albrecht Wollensak, CEO von Alphartis Fotos: Alphartis

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