Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 11/2025 16 Auf der Überholspur Bei uns im Südwesten sitzt mit Alphartis einer der größten und erfolgreichsten Autohändler Deutschlands. Während allerorten kleine Händler aufgeben, wachsen die Alphartiere in einem schrumpfenden Markt. Wie machen die das? Alphartis und der Strukturwandel im Autohandel D er deutsche Automarkt schrumpft seit Jahren. 2019 wurden noch 3,6 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen, eine Pandemie, eine Wirtschaftskrise und viele Diskussionen später sind wir bei 2,8 Millionen. Wer in so einem rückläufigen Markt um 20 Pro- zent wachsen will – und das Jahr für Jahr – der muss schon eine besondere Strategie haben. „Haben wir“, sagt Albrecht Wollensak, seit fünf Jahren Vorstandsvorsitzender bei Alphartis, der Muttergesellschaft der vielen AHG- und BHG- Autohäuser im Südwesten. Und deren Konzept gegen die Krise basiert auf drei zentralen Säu- len: eine gesunde Größe, eine kompromisslose Konsequenz und eine ganz klare Kundenfokus- sierung. Die geht so weit, dass man Fahrschu- len betreibt, Haftpflicht-Versicherungen ver- kauft, eine eigeneCRM-Software entwickelt hat und für Firmenkunden aus einem Pool mit 1200 Fahrzeugen Langzeitmieten als Alternative zu Kauf oder Leasing anbietet. So unbekannt der Name ist: Alphartis ist ein Riese. 70 Betriebsstätten an 50 Standorten, 2700 Beschäftigte, 15 Marken, mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz und Gesellschafter wie Ralf Kogeler, früher Finanzvorstand bei Axel Springer. Gut 55000 Autos werden über die AHG- und die BHG-Autohäuser zwischen Rhein und Bodensee 2025 den Besitzer wech- seln – damit ist man in Deutschland aktuell der fünftgrößte Händler. Und Wollensak ist einer, der bei dieser Entwicklung seit 45 Jahren dabei ist. Als er anfing, da gab es noch keine Alphartis, sondern nur die AHG, damals eine Tochter der WLZ, heute aufgegangen in der Baywa. „Unten Landmaschinen, oben Autos, so haben wir an- gefangen“, sagt Wollensak und schmunzelt. Turnaround 1: über Kehl zu VW Die alte AHG: das war BMW. 2010 gelang über den Kauf des insolventen Autohauses Geiger in Kehl der Einstieg in die VW-Markenwelt – seit- her hat man Autos in einer Preisrange zwischen 20000 und 300000 Euro. „Das war wichtig, um wirklich jedem Kunden ein Angebot machen zu können“, sagt Wollensak rückblickend. In- zwischen vertritt man neben BMW, Mini, Land- rover sowie VW, Audi, Seat und Skoda auch Kia, MG und Hyundai. „Einen Siebensitzer gibt es von BMW nicht – aber wir haben Kunden, die so etwas brauchen“, sagt Wollensak dazu und verrät eines der Grundprinzipien, weswegen die Alphartis so erfolgreich ist. „Wir haben eine halbe Million Kunden in unserem selbst entwi- ckelten CRM-System. Und wir begleiten unsere Kunden vom Führerschein und dem ersten Ge- brauchten mit 17 bis zum bequemen SUV mit 85.“ Zwischendrin kann man die Marke wech- seln, vom Cabrio auf die Familienkutsche kom- men – soll aber immer bei Alphartis bleiben. Aber wie gelingt das? Wie schafft es die Alphar- tis-Gruppe, jedes Jahr mehrere Autohäuser zu übernehmen, zu integrieren, zu sanieren und auf Kurs zu bringen? Bei solchen Fragen schaut Albrecht Wollensak aus seinem Horber Solide Ausbildung: 550 Azubis beschäftigt Alphartis in Büros und Werkstätten und ist stolz drauf, nach Ausbildungsende kaum eines der jungen Talente zu verlieren.
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