Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 11/2025 14 schaft muss klar sein, dass all die Arbeitsplätze, die jetzt wegfallen, nie wieder zurückkommen werden.“ Dass PWO dennoch keinen Stellenabbau in Oberkirch plant, hat viel mit dem Erreichten der vergangen fünf Jahre zu tun – und dem Turn- around, den Lazzarini eingeleitet hat. 2020 be- fand sich das Unternehmen in sehr schwerem Fahrwasser. Corona ließ die Abrufzahlen und Umsätze in den Keller rauschen und der da- mals neue Vorstand hatte nicht einmal mehr die Chance, seine Werke in Mexiko, Kanada oder China zu besuchen, um sich ein erstes Bild von der Lage vor Ort zu machen. Dazu ein relativ hoher Verschuldungsgrad und eine ge- wisse Abhängigkeit von den großen deutschen Automarken und ihren großen Zulieferkonzer- nen. Eine explosive Mischung. „Wir haben uns damals auf drei Dinge fokus- siert“, sagt Lazzarini rückblickend. „Auf Inno- vationen, auf Wachstum und auf den Aufbau von globalen Business Units, die Innovationen treiben sowie einer globalen Sales-Organisa- tion, die diese Innovationen weltweit in den Markt bringt. Heute sind wir stolz darauf, dass wir gegenüber dem Vor-Coronajahr in einem stagnierenden Markt unser EBIT trotz massiver Investitionen um fast 50 Prozent gesteigert und unseren Nettoverschuldungsgrad fast halbiert haben.“ PWO ist es gelungen, neue Kunden zu gewinnen. Chinesische Autobauer, große Player in Osteuropa und strategische Partner in Nordamerika. Und das sind nicht nur Kunden. Vielmehr entwickelt man neue Ideen gemein- sam. Lösungen für Instrumententafelträger und Sitzstrukturen zum Beispiel. Komponenten für Airbags. Und immer Lösungen, die ganz unab- hängig vom Antriebsstrang gebraucht werden. „Wir werden in die Entwicklung neuer Model- le frühzeitig mit eingebunden“, sagt Lazzarini. „Das ist das großeGeheimnis, warumwir überall wachsen konnten.“ Zwei neueGreenfieldstand- orte in Serbien und USA, ein weiterer Zukauf in Serbien, drei neue Hallen in Mexiko und ebenso drei neue Hallen in Tschechien. Alles, um das Wachstum zu stemmen und immer mit der De- vise: Lokal für den lokalen Markt produzieren. Lazzarini: „Wir fertigen in China nicht für den deutschen Markt, sondern zu 98 Prozent für die dortigen Autobauer und Zulieferer.“ Noch sind das (knapp) überwiegend Werke europäischer Marken, aber das Verhältnis dreht sich. Wichtig dabei: Enge Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort. Und China Speed. Das bedeutet: Auch am Freitag um 19 Uhr brennt in der Entwick- lungsabteilung in China noch Licht. „Die chine- sische Gesellschaft ist sehr leistungsorientiert. Aber wir halten da mit“, sagt Lazzarini und man hört, wie wichtig ihm das ist. Es gibt aber noch einen Grund für die Stärke von PWO: Resilienz. Und da sind wir wieder bei der Sache mit der Kultur eines Familienunter- nehmens. Bei PWO ist es so, dass das Family Office der Familie Hengstberger aus Böblingen etwa die Hälfte der Aktien der PWO hält. Und das seit Jahrzehnten. PWO ist also nicht x-mal verkauft worden und hat nicht den eigenen Kaufpreis als Verbindlichkeit in der Bilanz. Ganz im Gegenteil: Bei PWO bleiben die Gewinne im Unternehmen und es wird re-investiert, was erwirtschaftet wird. Passend dazu hat Lazzarini die Strategie abgesteckt: „Wir wollen aggressiv wachsen – aber ohne unnötige Risiken. Und wir setzen nie alles auf eine Karte.“ Selbst angesichts des neuen wirtschaftspoliti- schen Kurses von Donald Trump bleibt Lazzarini nüchtern und besonnen. „Wir entwickeln aktu- ell einen kleinen Standort in Tennessee – aber nicht wegen der Politik des aktuellen Präsiden- ten, sondern weil wir an unseren US-amerikani- schen Kunden näher dran sein wollen.“ Dekarbonisierung mit China Speed Parallel dazu setzt PWO seine Net-Zero-Strate- gie konsequent fort. Schon jetzt sind die CO 2 - Emissionen aus der eigenen Geschäftstätigkeit konzernweit um rund zwei Drittel gegenüber Fotos: PWO Carlo Lazzarini, PWO-Vorstandsvorsitzender „Deutschland ist im internationalen Vergleich leider nicht mehr konkurrenzfähig. Unser EBIT machen wir eher im Ausland.“ Vorstandschef Lazzarini, Konzernzentrale in Oberkirch Der Zulieferer aus dem Renchtal hat sich nach Millionen-Verlusten in 2020 berappelt. Erfolgsrezept: frühe Einbindung in Entwicklungs- prozesse, China Speed und die Fertigung stets dort, wo PWO als Zulieferer gebraucht wird.
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